Kognitive Verzerrungen: Die unsichtbaren Feinde deines Tradings. Im Trading geht es nicht nur um technische Indikatoren, Marktnachrichten und Wirtschaftsdaten – mindestens genauso entscheidend sind die psychologischen Aspekte, die oft unterschätzt werden. Besonders die kognitiven Verzerrungen können dein Trading nachhaltig beeinflussen und deine Erfolgschancen erheblich mindern. Diese „unsichtbaren Feinde“ im Kopf wirken sich nicht nur auf die Entscheidungen eines Traders aus, sondern auch auf die Art und Weise, wie er den Markt wahrnimmt. Doch was sind kognitive Verzerrungen, wie entstehen sie und vor allem, wie kannst du sie überwinden, um erfolgreicher zu handeln?
Was sind kognitive Verzerrungen?
Kognitive Verzerrungen sind systematische Denkfehler, die unsere Wahrnehmung, Urteilsbildung und Entscheidungsfindung verzerren. Sie entstehen durch die Art und Weise, wie unser Gehirn Informationen verarbeitet, und sind tief in unserer Evolution verankert. Viele dieser Verzerrungen haben sich entwickelt, um uns in der Vergangenheit schnell zu Entscheidungen zu führen, die unser Überleben sicherten – sie sind jedoch nicht immer die besten Begleiter in der komplexen Welt des Tradings.
Im Trading können diese Verzerrungen dazu führen, dass du den Markt falsch einschätzt, unnötige Risiken eingehst oder wichtige Chancen verpasst. Sie wirken subtil, aber sie sind mächtige Einflüsse, die deinen Handelserfolg stark beeinflussen können. Hier schauen wir uns die häufigsten kognitiven Verzerrungen an und erläutern, wie sie deine Entscheidungen im Trading beeinflussen können.
Bestätigungsfehler (Confirmation Bias)
Der Bestätigungsfehler ist eine der häufigsten kognitiven Verzerrungen. Er beschreibt die Tendenz, Informationen zu suchen, zu interpretieren oder zu bevorzugen, die unsere bestehenden Überzeugungen bestätigen, während widersprüchliche Informationen ignoriert oder abgewertet werden.
Im Trading bedeutet das: Du kannst dazu neigen, nur solche Daten oder Marktsignale zu suchen, die deine aktuelle Position oder Meinung untermauern. Wenn du beispielsweise davon überzeugt bist, dass der EUR/USD steigen wird, konzentrierst du dich eher auf Nachrichten und Charts, die diesen Trend bestätigen, und blendest negative Faktoren aus.
Wie überwinden?
Um dem Bestätigungsfehler entgegenzuwirken, solltest du aktiv nach gegensätzlichen Informationen suchen. Hinterfrage deine Annahmen und versuche, auch kritischere Marktmeinungen zu betrachten. Eine objektive Analyse, bei der du alle relevanten Informationen einbeziehst, kann dir helfen, ausgewogenere Entscheidungen zu treffen.
Verlustaversion (Loss Aversion)
Verlustaversion beschreibt die Tendenz, Verluste stärker zu gewichten als Gewinne. Studien haben gezeigt, dass der Schmerz eines Verlustes etwa doppelt so stark empfunden wird wie die Freude über einen gleich großen Gewinn. Diese Verzerrung führt dazu, dass Trader oft zu lange an verlustreichen Positionen festhalten, in der Hoffnung, dass sich der Markt wieder dreht – und so ihre Verluste minimieren.
Wie überwinden?
Setze klare Regeln für das Risikomanagement und halte dich strikt daran. Bestimme im Voraus, bei welchem Verlust du aussteigen wirst, und akzeptiere, dass Verluste Teil des Handelsprozesses sind. Durch das Festhalten an einem festen Stop-Loss oder einer Verlustgrenze kannst du den Einfluss der Verlustaversion minimieren.
Overconfidence Bias (Übermäßiges Vertrauen)
Overconfidence Bias beschreibt das Phänomen, dass Menschen ihre eigenen Fähigkeiten und ihr Wissen überschätzen. Als Trader kann dies dazu führen, dass du Risiken eingehst, die du normalerweise meiden würdest, oder dass du nach einer Reihe von Gewinnen das Gefühl hast, dass du „unfehlbar“ bist.
Wie überwinden?
Einer der besten Wege, dem Overconfidence Bias zu begegnen, ist eine regelmäßige Selbstreflexion. Frage dich nach jedem Trade, was du richtig oder falsch gemacht hast, und überprüfe deine Entscheidungsprozesse. Darüber hinaus hilft ein systematischer Trading-Plan, der auch auf den Aspekt des Risikomanagements eingeht, dabei, den Fokus zu behalten und deine Entscheidungen zu objektivieren.
Anchoring (Anker-Effekt)
Der Anker-Effekt tritt auf, wenn Trader sich zu stark auf bestimmte Informationen oder Zahlen stützen und diese als Referenzpunkt für ihre Entscheidungen verwenden – selbst wenn diese Informationen irrelevant oder ungenau sind. Ein klassisches Beispiel wäre, dass ein Trader eine Aktie bei 100 USD gekauft hat und diese Zahl als „Anker“ benutzt. Wenn der Kurs auf 90 USD fällt, könnte der Trader glauben, dass er noch auf den ursprünglichen Kurs zurückkommt, ohne die aktuellen Marktbedingungen zu berücksichtigen.
Wie überwinden?
Um den Anker-Effekt zu vermeiden, solltest du versuchen, deinen Entscheidungsprozess von einzelnen, isolierten Zahlen oder Referenzwerten zu lösen. Es hilft, verschiedene Informationsquellen heranzuziehen und einen breiteren Blick auf den Markt zu entwickeln.
Herdentrieb (Herding Bias)
Der Herdentrieb führt dazu, dass Menschen Entscheidungen aufgrund des Verhaltens der Mehrheit treffen, anstatt aufgrund von fundierten, unabhängigen Überlegungen. Im Trading kann dies dazu führen, dass du einer breiten Marktrichtung folgst, nur weil alle anderen es tun, auch wenn diese Entscheidung nicht rational ist.
Wie überwinden?
Statt blind der Mehrheit zu folgen, ist es wichtig, unabhängig zu denken und die Marktbedingungen aus einer objektiven Perspektive zu analysieren. Nutze deinen Trading-Plan und deine Strategie als Referenzpunkt, um sicherzustellen, dass deine Entscheidungen gut durchdacht sind und nicht von der breiten Masse beeinflusst werden.
Rückschaufehler (Hindsight Bias)
Der Rückschaufehler tritt auf, wenn du nach einem Trade denkst, dass du den Ausgang bereits „gekannt“ hättest. Du erinnerst dich an alle Signale, die du angeblich erkannt hast, und schließt daraus, dass es einfach war, den richtigen Trade zu machen.
Wie überwinden?
Schreibe deine Gedanken und Analysen vor jedem Trade auf, um deine Entscheidungsprozesse zu dokumentieren. So kannst du nach einem Trade objektiv überprüfen, ob deine Entscheidungen tatsächlich rational waren oder ob du im Nachhinein nur von den Ergebnissen beeinflusst wirst.
Verfügbarkeitsheuristik
Die Verfügbarkeitsheuristik führt dazu, dass du Informationen, die dir gerade leicht zugänglich oder in den Medien präsent sind, stärker in deine Entscheidungen einbeziehst, obwohl sie möglicherweise wenig mit dem Marktgeschehen zu tun haben. Ein Beispiel: Wenn eine Wirtschaftsnachricht über einen plötzlichen Anstieg des Ölpreises die Schlagzeilen dominiert, könnte dies dazu führen, dass du deine Trades aufgrund dieser Information unnötig anpasst.
Wie überwinden?
Vermeide es, auf „heiße“ Nachrichten zu reagieren, ohne diese im Kontext zu betrachten. Stelle sicher, dass du Entscheidungen auf Grundlage einer breiten Datenbasis und nicht nur auf einzelnen, auffälligen Informationen triffst.
Fazit: Die Überwindung von kognitiven Verzerrungen im Trading
Kognitive Verzerrungen sind ein natürlicher Teil des menschlichen Denkens und wirken sich auf alle Entscheidungen aus – insbesondere auf das Trading. Sie können zu suboptimalen Entscheidungen führen, die deinen Erfolg auf den Märkten beeinträchtigen. Doch mit der richtigen Achtsamkeit und einem strukturierten, reflektierten Ansatz kannst du diese psychologischen Fallstricke vermeiden.
Ein Trading-Plan, der klare Regeln und objektive Kriterien umfasst, hilft dir, deine Emotionen zu kontrollieren und rationale Entscheidungen zu treffen. Dokumentiere deine Gedanken, hinterfrage deine Annahmen und lasse dich nicht von der Mehrheit oder kurzfristigen Marktbewegungen treiben. Nur so kannst du deine kognitiven Verzerrungen minimieren und langfristig erfolgreich handeln.
Verstehe: Das größte Kapital im Trading bist nicht du als „Markt-Prophet“, sondern deine Fähigkeit, deine eigenen Denkmuster kritisch zu hinterfragen und diszipliniert zu handeln.