Trading-Statistiken

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Über 90 % der Trader verlieren Geld.

Diese Aussage taucht regelmäßig auf Trading-Websites, in Social Media und in Werbeanzeigen auf. Sie klingt dramatisch – ist aber nur dann sinnvoll, wenn man genauer hinsieht.

Denn eine einzelne Zahl sagt noch nicht, warum Trader Geld verlieren.

Sind es schlechte Strategien? Zu viel Risiko? Overtrading? Fehlende Erfahrung? Emotionale Entscheidungen? Oder liegt es schlicht daran, dass viele Trader mit gehebelten Produkten handeln?

Die verfügbaren Daten liefern interessante Hinweise.

Besonders bei CFDs und anderen gehebelten Produkten zeigen regulatorische Warnhinweise und Brokerangaben seit Jahren, dass ein sehr großer Anteil der privaten Konten Verluste macht.

In diesem Artikel schauen wir uns mehr als zehn relevante Trading-Statistiken an und erklären, was sie für Trader tatsächlich bedeuten.

Statistik 1: Häufig verlieren 70 bis 90 % der CFD-Konten Geld

Inhaltsverzeichnis:

Wer sich mit CFD-Trading beschäftigt, stößt schnell auf die verpflichtenden Risikohinweise europäischer Broker.

Je nach Broker und Zeitraum liegt der Anteil der privaten CFD-Konten, die Geld verlieren, häufig irgendwo zwischen 70 und 90 %.

Bei manchen Anbietern liegt die Quote sogar darüber.

Das ist eine der wichtigsten Trading-Statistiken überhaupt.

Allerdings muss man sie richtig interpretieren:

Sie bedeutet nicht, dass exakt 90 % aller Menschen, die irgendwann einmal einen Trade eröffnen, dauerhaft Geld verlieren.

Die Zahlen beziehen sich typischerweise auf Kundenkonten innerhalb eines bestimmten Zeitraums und auf den jeweiligen Anbieter.

Statistik 2: Es gibt keinen einheitlichen „90-%-Wert“

Die Aussage „90 % aller Trader verlieren Geld“ ist deshalb mit Vorsicht zu verwenden.

Es gibt keine universelle Statistik, die beweist, dass exakt 90 % aller Trader weltweit dauerhaft verlieren.

Je nach Studie, Markt, Zeitraum und Definition unterscheiden sich die Ergebnisse.

Besonders häufig wird die 90-%-Aussage im Zusammenhang mit CFDs und Daytrading verwendet.

Für einen seriösen Trading-Artikel ist deshalb eine differenzierte Formulierung sinnvoll:

Ein sehr großer Anteil der privaten Trader verliert Geld – insbesondere beim gehebelten CFD-Trading.

Statistik 3: Auch bei Futures verlieren viele Privattrader

Auch außerhalb des CFD-Marktes zeigen Untersuchungen, dass Daytrading für Privatanleger sehr schwierig ist.

Eine bekannte Studie untersuchte Daytrader am brasilianischen Aktien-Futures-Markt.

Von den Personen, die mindestens 300 Tage tradeten, verloren 97 % Geld.

Nur ein sehr kleiner Anteil erzielte überhaupt positive Ergebnisse.

Besonders interessant ist dabei, dass die Untersuchung nicht nur absolute Anfänger betrachtete.

Die Trader waren über einen längeren Zeitraum aktiv.

Das zeigt:

Mehr Trading-Erfahrung allein garantiert noch keinen Erfolg.

Statistik 4: Nur ein kleiner Anteil der Daytrader ist dauerhaft profitabel

Eine weitere Untersuchung aus Taiwan analysierte die Ergebnisse von Daytradern über längere Zeiträume.

Dabei zeigte sich, dass nur ein kleiner Teil der Trader dauerhaft positive Ergebnisse erzielte.

Noch interessanter:

Die Gruppe der Trader mit einer nachweisbaren Fähigkeit, dauerhaft Gewinne zu erzielen, war sehr klein.

Das bedeutet nicht, dass Daytrading unmöglich ist.

Es zeigt vielmehr, dass dauerhafte Profitabilität etwas völlig anderes ist als gelegentliche Gewinne.

Statistik 5: Die meisten Trader überschätzen ihre Fähigkeiten

Ein wichtiger Faktor ist die sogenannte Overconfidence.

Menschen neigen dazu, ihre eigenen Fähigkeiten zu überschätzen.

Beim Trading kann das besonders problematisch sein.

Nach einigen erfolgreichen Trades entsteht schnell der Eindruck:

„Ich habe den Markt verstanden.“

Das kann zu größeren Positionen, mehr Trades und höheren Risiken führen.

Interessanterweise kann gerade ein kurzfristiger Erfolg langfristig gefährlich werden.

Statistik 6: Männer handeln häufiger als Frauen

Eine bekannte Untersuchung von Brad Barber und Terrance Odean analysierte das Verhalten privater Anleger.

Dabei zeigte sich, dass Männer deutlich häufiger handelten als Frauen.

Die höhere Handelsaktivität ging in der Untersuchung mit schlechteren Ergebnissen einher.

Der Zusammenhang wurde unter anderem mit Overconfidence erklärt.

Die Erkenntnis daraus ist für Trader interessant:

Mehr Aktivität bedeutet nicht automatisch bessere Performance.

Statistik 7: Overtrading kann Performance erheblich verschlechtern

Trading-Kosten mögen bei einem einzelnen Trade gering erscheinen.

Viele Trades können sich jedoch summieren.

Dazu gehören Spreads, Kommissionen, Finanzierungskosten und gegebenenfalls Slippage.

Wenn ein Trader ständig handelt, obwohl kein statistischer Vorteil vorhanden ist, werden diese Kosten zu einem zusätzlichen Performance-Faktor.

Overtrading bedeutet deshalb nicht nur mehr Risiko.

Es bedeutet auch:

Mehr Entscheidungen, mehr Kosten und mehr Möglichkeiten für Fehler.

Statistik 8: Die meisten Trader sind nicht wegen einer einzigen schlechten Strategie erfolglos

Das ist eine wichtige Unterscheidung.

Viele Trader wechseln ständig zwischen Strategien.

Heute Breakouts.

Morgen Moving Averages.

Danach Price Action.

Dann Scalping.

Anschließend ein neuer Indikator.

Dadurch entsteht ein Problem:

Keine Strategie wird lange genug getestet.

Der Trader weiß am Ende nicht, ob sein Ansatz funktioniert.

Er kennt einfach nicht genügend Daten.

Statistik 9: Verlustserien sind normal

Ein Trading System kann profitabel sein und trotzdem mehrere Verlusttrades hintereinander erzeugen.

Angenommen, eine Strategie gewinnt 50 % ihrer Trades.

Dann bedeutet das nicht, dass sich Gewinne und Verluste regelmäßig abwechseln.

Fünf oder sechs Verluste hintereinander können durchaus vorkommen.

Deshalb ist es wichtig, die historische Verlustserie des eigenen Systems zu kennen.

Wer bei der ersten längeren Verlustphase die Strategie wechselt, kann einen völlig normalen Bestandteil des Systems mit einem tatsächlichen Systemfehler verwechseln.

Statistik 10: Hohe Renditen bedeuten normalerweise höheres Risiko

Eine der größten Illusionen im Trading lautet:

Hohe Rendite ohne hohes Risiko.

Das funktioniert in der Realität nicht zuverlässig.

Wer versucht, aus einem kleinen Konto innerhalb kürzester Zeit ein Vielfaches zu machen, muss normalerweise erhebliche Risiken eingehen.

Ein Konto kann dadurch schnell wachsen.

Es kann aber genauso schnell zerstört werden.

Deshalb sollte Rendite immer gemeinsam mit dem eingegangenen Risiko betrachtet werden.

Statistik 11: Große Verluste sind mathematisch schwer aufzuholen

Das lässt sich ganz einfach berechnen.

Verliert ein Trader 10 %, benötigt er anschließend rund 11,1 % Gewinn, um wieder beim Ausgangskapital zu sein.

Bei 20 % Verlust sind bereits 25 % Gewinn erforderlich.

Bei 50 % Verlust muss sich das verbleibende Kapital verdoppeln.

Bei 70 % Verlust sind sogar mehr als 233 % Gewinn notwendig.

Je größer der Drawdown, desto schwieriger wird die Erholung.

Deshalb ist Risikomanagement keine Nebensache.

Statistik 12: Ein hoher Hebel kann Gewinne und Verluste verstärken

Hebel ist einer der Gründe, weshalb CFDs und andere gehebelte Produkte besonders riskant sein können.

Mit relativ wenig Kapital lässt sich eine deutlich größere Position kontrollieren.

Das erhöht zwar die mögliche Rendite auf das eingesetzte Kapital.

Gleichzeitig können kleine Marktbewegungen zu großen Verlusten führen.

Ein hoher Hebel macht eine schlechte Strategie nicht besser.

Er macht die Konsequenzen einer schlechten Positionierung lediglich größer.

Statistik 13: Die Mehrheit der Trader verliert nicht unbedingt wegen fehlenden Marktwissens

Viele Trader kennen technische Analyse.

Sie kennen Candlestick-Formationen.

Sie wissen, was ein Stop-Loss ist.

Sie können Unterstützungen und Widerstände einzeichnen.

Trotzdem verlieren sie Geld.

Warum?

Weil Wissen alleine nicht genügt.

Das Problem liegt häufig in der Umsetzung.

Ein Trader kann genau wissen, dass er seinen Stop-Loss nicht verschieben sollte – und ihn trotzdem verschieben.

Er kann wissen, dass Overtrading schädlich ist – und trotzdem nach einem Verlust weiterhandeln.

Warum verlieren so viele Trader Geld?

Die Statistiken zeigen ein wiederkehrendes Muster.

Es gibt nicht den einen Grund.

Meistens kommen mehrere Faktoren zusammen.

Fehlendes Risikomanagement

Wenn einzelne Trades zu viel Kapital riskieren, können wenige Verluste das Konto stark beschädigen.

Overtrading

Zu viele Trades erhöhen das Risiko und die Kosten.

Fehlende Strategie

Wer ohne klare Regeln handelt, entscheidet häufig spontan.

Strategie-Hopping

Wer ständig neue Strategien ausprobiert, sammelt keine ausreichende Datenbasis.

Emotionale Entscheidungen

Angst und Gier können die ursprünglichen Regeln außer Kraft setzen.

Overconfidence

Nach Gewinnen wird das Risiko häufig unterschätzt.

Ungeduld

Viele Trader wollen zu schnell Ergebnisse sehen.

Das größte Problem: Unrealistische Erwartungen

Ein weiterer Grund wird häufig unterschätzt:

Die Erwartungshaltung.

Wenn ein Anfänger glaubt, er könne mit 1.000 Euro innerhalb weniger Monate ein Vollzeiteinkommen erzielen, wird er zwangsläufig zu viel Risiko eingehen müssen.

Und genau daraus entsteht häufig eine gefährliche Spirale.

Kleine Gewinne erscheinen nicht ausreichend.

Das Risiko wird erhöht.

Verluste entstehen.

Der Trader versucht, sie schnell zurückzugewinnen.

Das Risiko steigt weiter.

Am Ende steht ein großer Drawdown oder die vollständige Zerstörung des Kontos.

Trading ist kein Glücksspiel – aber es kann dazu werden

Trading selbst ist nicht automatisch Glücksspiel.

Ein systematischer Trader arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten, statistischen Daten und Risikomanagement.

Aber wenn Entscheidungen ausschließlich auf Bauchgefühl, Hoffnung und Zufall basieren, kann Trading sehr schnell Glücksspielcharakter bekommen.

Der Unterschied liegt im Prozess.

Was erfolgreiche Trader anders machen

Wenn so viele Trader Geld verlieren, stellt sich die nächste Frage:

Was machen profitable Trader anders?

Die Antwort ist weniger spektakulär, als viele erwarten.

Sie haben einen klaren Prozess.

Sie kennen ihr Risiko.

Sie handeln nicht jeden Markt.

Sie kennen ihre Setups.

Sie dokumentieren ihre Trades.

Sie akzeptieren Verluste.

Und sie versuchen nicht, jeden Trade zu gewinnen.

Profitable Trader denken in Wahrscheinlichkeiten

Ein professioneller Trader weiß, dass ein einzelner Trade nichts beweist.

Auch ein guter Trade kann verlieren.

Auch ein schlechter Trade kann gewinnen.

Entscheidend ist die Summe einer ausreichend großen Anzahl von Trades.

Das verändert die gesamte Denkweise.

Nicht:

„War dieser Trade richtig?“

Sondern:

„Funktioniert mein Prozess über eine große Stichprobe?“

Ein Trading System schafft Struktur

Ein Trading System definiert konkrete Regeln.

Wann wird gehandelt?

Wann nicht?

Welche Bedingungen müssen erfüllt sein?

Wie groß darf die Position sein?

Wo liegt der Stop-Loss?

Wann wird der Trade geschlossen?

Wie hoch ist das maximale Tagesrisiko?

Je mehr dieser Fragen bereits vor dem Trade beantwortet sind, desto weniger Entscheidungen müssen spontan getroffen werden.

Trading Journal: Zahlen statt Gefühle

Ein Trading Journal hilft dabei, die eigene Performance objektiv zu betrachten.

Statt zu sagen:

„Ich glaube, meine Strategie funktioniert nicht.“

kannst du nach 200 Trades beispielsweise feststellen:

Die Trefferquote liegt bei 43 %.

Der durchschnittliche Gewinn beträgt 2,1R.

Der durchschnittliche Verlust liegt bei 1R.

Der maximale Drawdown beträgt 8R.

Die Performance ist am Vormittag besser als am Nachmittag.

Das sind verwertbare Informationen.

Was bedeutet „R“ im Trading?

R steht für das Risiko eines Trades.

Wenn dein maximaler Verlust pro Trade beispielsweise 100 Euro beträgt, entspricht:

1R = 100 Euro

Ein Gewinn von 200 Euro entspricht dann +2R.

Ein Verlust von 100 Euro entspricht -1R.

Diese Betrachtungsweise hilft dabei, Trading-Ergebnisse unabhängig von der Kontogröße zu analysieren.

Die wichtigste Statistik ist nicht die Trefferquote

Eine hohe Trefferquote sieht psychologisch gut aus.

Aber sie garantiert keinen Erfolg.

Wichtiger ist die Kombination aus:

Trefferquote.

Durchschnittlichem Gewinn.

Durchschnittlichem Verlust.

Kosten.

Risiko.

Drawdown.

Und Erwartungswert.

Ein System mit 40 % Trefferquote kann profitabel sein.

Ein System mit 80 % Trefferquote kann gleichzeitig Geld verlieren.

Was sagen die Trading-Statistiken wirklich aus?

Die wichtigste Erkenntnis aus den Zahlen lautet nicht:

Trading funktioniert nicht.“

Die Erkenntnis lautet:

Trading ist deutlich schwieriger, als viele Menschen erwarten.

Ein großer Teil der privaten Trader schafft es nicht, dauerhaft profitabel zu handeln.

Das sollte nicht entmutigen.

Es sollte die Erwartungen korrigieren.

Wer Trading ernst nimmt, sollte es wie eine Fähigkeit behandeln, die gelernt, getestet und kontinuierlich verbessert werden muss.

Trading lernen statt Trading hoffen

Der Unterschied ist enorm.

Hoffen bedeutet:

„Ich hoffe, dass der Markt jetzt steigt.“

Lernen bedeutet:

„Ich weiß, unter welchen Bedingungen mein Setup einen statistischen Vorteil besitzt.“

Hoffen bedeutet:

„Vielleicht wird dieser Trade noch gut.“

Professionelles Trading bedeutet:

„Meine ursprüngliche Idee ist invalidiert. Der Trade wird beendet.“

Fazit: Warum verlieren über 90 % der Trader Geld?

Die Aussage, dass über 90 % der Trader Geld verlieren, ist als pauschale Aussage über sämtliche Trader zu undifferenziert.

Für viele Bereiche des gehebelten Retail-Tradings zeigen die verfügbaren Daten jedoch tatsächlich sehr hohe Verlustquoten. Bei CFD-Brokern liegen die ausgewiesenen Verlustanteile privater Konten häufig bei 70 bis 90 % oder sogar darüber.

Die Gründe sind vielfältig.

Overtrading, zu hohes Risiko, unrealistische Erwartungen, fehlende Strategie, emotionale Entscheidungen und mangelnde statistische Auswertung gehören zu den wichtigsten Faktoren.

Die Lösung ist deshalb nicht die Suche nach dem nächsten Geheimindikator.

Sie beginnt mit einem professionellen Prozess.

Ein klares Trading System.

Ein konsequentes Risikomanagement.

Ein Trading Journal.

Realistische Erwartungen.

Und genügend Daten, um Entscheidungen nicht aufgrund einzelner Trades zu treffen.

Denn die wichtigste Trading-Statistik ist am Ende nicht, wie viele Trader gestern gewonnen haben.

Sondern:

Wie viele Trader schaffen es, ihren Prozess über Jahre konsequent und kontrolliert umzusetzen?

Genau dort trennt sich kurzfristiges Glück von nachhaltiger Trading-Performance.