Was sind Level 2 Daten im Trading

1 A B C D E F G H I K L M N O P R S T V W

Wer sich intensiver mit Trading, Futures oder Daytrading beschäftigt, stößt früher oder später auf den Begriff Level 2 Daten. Doch was steckt dahinter und welchen Nutzen haben diese Daten tatsächlich?

Während klassische Kursdaten meist nur zeigen, wo der Markt gerade steht, geben Level 2 Daten einen detaillierteren Einblick in die im Orderbuch liegenden Kauf- und Verkaufsorders.

Trader können dadurch unter anderem sehen, welche Preise aktuell auf der Kauf- und Verkaufsseite angeboten werden und wie viele Kontrakte oder Aktien dort liegen.

Gerade beim Futures Trading, Scalping und kurzfristigen Daytrading werden Level 2 Daten deshalb häufig eingesetzt.

Doch Level 2 ist kein magischer Blick in die Zukunft. Sichtbare Orders können verändert oder gelöscht werden, bevor sie ausgeführt werden.

In diesem Artikel erklären wir Level 2 Daten einfach, zeigen den Unterschied zu normalen Marktdaten und erklären anhand von Beispielen, wie Trader Orderbuchdaten nutzen können.

Was sind Level 2 Daten?

Level 2 Daten zeigen zusätzliche Informationen über die aktuellen Kauf- und Verkaufsorders eines Marktes.

Während einfache Kursdaten beispielsweise zeigen:

Nasdaq: 20.000 Punkte

können Level 2 Daten zusätzlich darstellen, welche Orders in der Nähe dieses Preises im Orderbuch liegen.

Ein vereinfachtes Beispiel:

Preis Verkaufsorders
20.005,00 120
20.004,75 85
20.004,50 200
20.004,25 150
20.004,00 100

Auf der anderen Seite können Kauforders angezeigt werden:

Preis Kauforders
20.004,00 180
20.003,75 250
20.003,50 90
20.003,25 300
20.003,00 140

Damit erhält der Trader einen Einblick in die Market Depth, also die Markttiefe.

Was zeigt Level 2?

Level 2 kann je nach Markt und Datenanbieter unterschiedliche Informationen enthalten.

Typischerweise werden angezeigt:

  • Bid-Preise
  • Ask-Preise
  • Anzahl der Orders oder Kontrakte
  • mehrere Preisstufen
  • Markttiefe
  • teilweise zusätzliche Orderbuchinformationen

Die Darstellung erfolgt häufig als Orderbuch oder DOM (Depth of Market).

Was ist das Orderbuch?

Das Orderbuch zeigt offene Kauf- und Verkaufsorders eines Marktes.

Grundsätzlich gibt es zwei Seiten:

Bid

Der Bid ist die Kaufseite.

Hier liegen Kauforders von Marktteilnehmern.

Ask

Der Ask ist die Verkaufsseite.

Hier liegen Verkaufsorders.

Dazwischen befindet sich der Spread.

Vereinfacht:

Ask → Verkäufer

Bid → Käufer

Die Differenz zwischen Bid und Ask wird als Spread bezeichnet.

Beispiel für ein Level-2-Orderbuch

Nehmen wir einen fiktiven Nasdaq-Future.

Das Orderbuch könnte so aussehen:

Ask Menge
20.010,00 80
20.009,75 150
20.009,50 300
20.009,25 100

Aktueller Preis:

20.009,00

Bid:

Bid Menge
20.008,75 200
20.008,50 350
20.008,25 120
20.008,00 500

Ein Trader sieht dadurch nicht nur den aktuellen Preis, sondern auch die Orders, die in verschiedenen Preisstufen liegen.

Was ist Market Depth?

Market Depth bezeichnet die Tiefe des Orderbuchs.

Je mehr Preisstufen und Orders angezeigt werden, desto detaillierter kann ein Trader die aktuelle Liquidität betrachten.

Beispiel:

Ein Markt besitzt bei mehreren Preisstufen hohe Ordermengen.

Das kann auf eine relativ hohe sichtbare Liquidität hindeuten.

Ein Markt mit wenigen Orders im Orderbuch kann dagegen weniger Tiefe aufweisen.

Dabei gilt jedoch:

Sichtbare Liquidität ist nicht garantiert.

Orders können jederzeit verändert oder gelöscht werden.

Level 1 vs. Level 2 Daten

Der Unterschied lässt sich relativ einfach erklären.

Level 1

Level 1 liefert grundlegende Marktdaten.

Dazu gehören beispielsweise:

  • letzter Preis
  • Bid
  • Ask
  • Volumen

Level 2

Level 2 geht deutlich tiefer.

Hier werden zusätzlich mehrere Preisstufen und die dort liegenden Orders dargestellt.

Vereinfacht:

Level 1 = aktueller Marktpreis

Level 2 = aktueller Markt + sichtbare Markttiefe

Warum nutzen Trader Level 2?

Level 2 Daten können insbesondere kurzfristigen Tradern zusätzliche Informationen liefern.

Mögliche Einsatzbereiche sind:

  • Einschätzung der Liquidität
  • Beobachtung größerer Orders
  • Analyse des Orderflusses
  • Erkennung kurzfristiger Veränderungen
  • Unterstützung bei Ein- und Ausstiegen
  • kurzfristiges Scalping

Level 2 ersetzt dabei keine Trading-Strategie.

Es liefert zusätzliche Informationen, die in einen bestehenden Trading-Prozess integriert werden können.

Große Orders im Orderbuch

Ein häufig beobachtetes Phänomen sind größere Orders.

Beispiel:

Der Nasdaq handelt bei:

20.000 Punkten

Bei:

20.010 Punkten

liegen sichtbar 1.500 Kontrakte auf der Verkaufsseite.

Ein Trader könnte diesen Bereich als potenziellen Widerstandsbereich beobachten.

Aber:

Das bedeutet nicht automatisch, dass der Nasdaq dort drehen muss.

Die Orders können:

  • ausgeführt werden
  • teilweise ausgeführt werden
  • verändert werden
  • gelöscht werden

Deshalb sollte eine große Order nicht automatisch als Signal für einen Trade interpretiert werden.

Was bedeutet Liquidität im Level 2?

Liquidität beschreibt vereinfacht, wie viele Kauf- und Verkaufsorders zu bestimmten Preisen vorhanden sind.

Ein Markt mit hoher Liquidität kann größere Orders häufig aufnehmen, ohne dass sich der Preis extrem stark bewegt.

Bei geringer Liquidität können dagegen bereits relativ kleine Orders größere Preisbewegungen verursachen.

Für kurzfristige Trader ist diese Information interessant, weil sie helfen kann, die aktuelle Marktstruktur besser einzuschätzen.

Was ist der Spread?

Der Spread ist die Differenz zwischen dem höchsten Kaufpreis und dem niedrigsten Verkaufspreis.

Beispiel:

Bid: 20.000,00

Ask: 20.000,25

Damit beträgt der Spread:

0,25 Punkte

Je enger der Spread, desto geringer sind grundsätzlich die direkten Kosten des Einstiegs und Ausstiegs – wobei weitere Kosten wie Kommissionen berücksichtigt werden müssen.

Level 2 und Order Flow

Level 2 Daten werden häufig zusammen mit Order Flow betrachtet.

Order Flow beschäftigt sich stärker damit, wie tatsächliche Marktorders ausgeführt werden und wie sich Kauf- und Verkaufsdruck entwickeln.

Level 2 zeigt dagegen vor allem:

Welche Orders aktuell sichtbar im Orderbuch liegen.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Eine sichtbare Verkaufsorder bedeutet beispielsweise nicht automatisch, dass tatsächlich Verkaufsdruck vorhanden ist.

Erst wenn Orders ausgeführt werden, entsteht tatsächlicher Handel.

Level 2 und Tape Reading

Tape Reading bezeichnet die Analyse der ausgeführten Trades.

Trader beobachten beispielsweise:

  • Preis
  • Größe der Ausführung
  • Richtung
  • Geschwindigkeit
  • Häufigkeit der Trades

Zusammen mit Level 2 kann daraus ein detaillierteres Bild des kurzfristigen Marktgeschehens entstehen.

Beispiel: Level 2 beim Breakout

Angenommen, der Nasdaq befindet sich unter einem Widerstand bei:

20.000 Punkten

Im Level 2 liegen dort große sichtbare Verkaufsorders.

Der Trader beobachtet nun, wie sich der Markt verhält.

Szenario 1: Verkäufer halten

Der Preis erreicht 20.000.

Viele Verkaufsorders werden nicht vollständig ausgeführt und der Markt fällt wieder zurück.

Das könnte auf Widerstand hindeuten.

Szenario 2: Verkäufer werden absorbiert

Der Markt handelt immer wieder gegen die Verkaufsorders.

Die Orders werden zunehmend ausgeführt.

Anschließend verschwindet die sichtbare Verkaufsliquidität und der Preis steigt weiter.

Das kann ein Hinweis auf zunehmenden Kaufdruck sein.

Wichtig:

Auch hier gibt es keine Garantie für einen erfolgreichen Breakout.

Was bedeutet Absorption?

Bei der Absorption treffen aggressive Marktorders auf eine größere passive Order.

Beispiel:

Viele Trader kaufen aggressiv.

Trotzdem steigt der Preis zunächst kaum.

Warum?

Auf der Verkaufsseite befindet sich ausreichend Liquidität, um die Kauforders aufzunehmen.

Das kann auf eine mögliche Erschöpfung der Käufer hindeuten.

Aber auch hier gilt:

Absorption allein ist kein garantiertes Umkehrsignal.

Was ist Spoofing?

Ein wichtiger Punkt bei Level 2 ist, dass nicht jede sichtbare Order tatsächlich ausgeführt werden soll.

Beim Spoofing werden große Orders platziert, um den Eindruck von Kauf- oder Verkaufsinteresse zu erzeugen, ohne dass eine tatsächliche Ausführung beabsichtigt ist.

Die Order wird anschließend wieder entfernt.

Das zeigt ein grundsätzliches Problem:

Level 2 zeigt sichtbare Orders – nicht die Absichten der Trader dahinter.

Deshalb sollten Level-2-Daten niemals isoliert interpretiert werden.

Level 2 beim Futures Trading

Level 2 wird besonders häufig im Futures Trading eingesetzt.

Bei börsengehandelten Futures können Trader auf zentrale Orderbuchdaten zugreifen.

Besonders interessant sind beispielsweise:

  • Nasdaq Futures
  • S&P 500 Futures
  • Dow Futures
  • DAX Futures
  • Gold Futures
  • Öl Futures

Die genaue Datenqualität und der verfügbare Marktzugang hängen vom jeweiligen Datenanbieter und der verwendeten Trading-Plattform ab.

Level 2 beim CFD Trading

Hier ist Vorsicht geboten.

Ein CFD wird normalerweise nicht direkt an einer zentralen Terminbörse gehandelt.

Das bedeutet:

Das Orderbuch eines CFD-Brokers ist nicht automatisch mit dem zentralen Orderbuch des zugrunde liegenden Futures oder Aktienmarktes gleichzusetzen.

Wenn du beispielsweise einen Nasdaq-CFD handelst, können die Level-2-Daten des Brokers eine andere Aussagekraft haben als die Orderbuchdaten des entsprechenden Nasdaq-Futures.

Für professionelleres Orderflow- und Level-2-Trading sind deshalb börsengehandelte Märkte wie Futures besonders relevant.

Welche Plattformen bieten Level 2?

Je nach Markt und Anbieter können Level-2-Daten beispielsweise über professionelle Trading-Plattformen und Börsendatenfeeds verfügbar sein.

Typische Plattformen und Lösungen im Trading-Umfeld sind beispielsweise:

  • TradingView
  • NinjaTrader
  • ATAS
  • Quantower
  • Bookmap

Entscheidend ist nicht nur die Plattform.

Du benötigst auch einen passenden Echtzeit-Datenfeed, der die entsprechenden Marktdaten bereitstellt.

Braucht jeder Trader Level 2?

Nein.

Für viele Trader reichen normale Kursdaten vollkommen aus.

Wenn du beispielsweise eine längerfristige Swing-Trading-Strategie handelst, bringt dir ein detailliertes Orderbuch möglicherweise wenig zusätzlichen Nutzen.

Level 2 ist besonders interessant für Trader, die:

  • sehr kurzfristig handeln
  • Scalping betreiben
  • Futures handeln
  • Order Flow analysieren
  • Marktliquidität beobachten
  • kurzfristige Breakouts handeln

Level 2 für Anfänger?

Wer gerade erst Trading lernt, sollte nicht direkt versuchen, fünf verschiedene Datenquellen gleichzeitig zu analysieren.

Ein sinnvoller Aufbau ist:

Marktstruktur → Strategie → Risikomanagement → Trading-Journal

Erst wenn diese Grundlagen sitzen, können zusätzliche Informationen wie Level 2 integriert werden.

Denn ein Trader mit einer schlechten Strategie wird durch mehr Daten nicht automatisch besser.

Im Gegenteil:

Zu viele Informationen können Entscheidungen sogar erschweren.

Level 2 Trading Strategie

Eine einfache Möglichkeit besteht darin, Level 2 nicht als eigenständige Strategie zu betrachten, sondern als zusätzlichen Filter.

Beispiel:

Deine normale Strategie liefert ein Long-Setup.

Der Preis nähert sich einem wichtigen Widerstand.

Nun beobachtest du das Orderbuch.

Du achtest beispielsweise darauf:

  • Wie viel sichtbare Liquidität liegt oberhalb?
  • Werden Verkaufsorders ausgeführt?
  • Verschwindet Liquidität?
  • Entsteht aggressiver Kaufdruck?
  • Bleibt der Preis trotz hoher Verkaufsorders stabil?

Level 2 liefert damit zusätzliche Informationen für die Entscheidung.

Die Grenzen von Level 2

Level 2 klingt zunächst wie ein direkter Blick in die Absichten der Marktteilnehmer.

Das ist es nicht.

Das Orderbuch zeigt nur sichtbare Orders zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Diese können sich innerhalb von Sekunden verändern.

Außerdem sind nicht alle Handelsaktivitäten zwingend vollständig über das sichtbare Orderbuch zu interpretieren.

Deshalb solltest du Level 2 immer im Kontext betrachten.

Häufige Fehler beim Level-2-Trading

Jede große Order als Signal interpretieren

Eine große Order bedeutet nicht automatisch Unterstützung oder Widerstand.

Zu viele Daten gleichzeitig beobachten

Wer gleichzeitig Chart, Level 2, Time & Sales, Indikatoren und Nachrichten verfolgt, kann schnell den Überblick verlieren.

Spoofing ignorieren

Sichtbare Orders können verschwinden, bevor sie ausgeführt werden.

Ohne klare Strategie handeln

Level 2 sollte eine bestehende Strategie ergänzen und nicht zum Ersatz für einen Trading-Plan werden.

Zu kurzfristig reagieren

Nicht jede Veränderung im Orderbuch ist relevant.

Fazit: Was sind Level 2 Daten?

Level 2 Daten zeigen die sichtbare Markttiefe eines Finanzinstruments.

Während Level 1 hauptsächlich grundlegende Kursinformationen liefert, ermöglicht Level 2 einen detaillierteren Blick auf Bid, Ask und die verfügbaren Orders auf mehreren Preisstufen.

Besonders für Futures-Trader, Scalper und kurzfristige Daytrader können diese Informationen interessant sein.

Level 2 kann helfen, Liquidität, größere Orders und kurzfristige Veränderungen im Orderbuch zu beobachten.

Aber:

Level 2 ist kein Blick in die Zukunft.

Orders können verändert oder gelöscht werden und eine sichtbare Order bedeutet nicht automatisch, dass sie ausgeführt wird.

Wer Level 2 sinnvoll einsetzen möchte, sollte deshalb zunächst eine klare Trading Strategie und ein solides Risikomanagement besitzen.

Mehr Marktdaten bedeuten nicht automatisch bessere Trading-Entscheidungen. Entscheidend ist, wie du die Informationen in einen klaren Trading-Prozess integrierst.