Die Trading Trefferquote gehört zu den wichtigsten Kennzahlen, wenn Trader ihre Strategie analysieren. Sie zeigt, wie viele der ausgeführten Trades mit einem Gewinn abgeschlossen wurden.
Viele Trader machen jedoch einen entscheidenden Fehler: Sie setzen eine hohe Trefferquote automatisch mit einer guten Trading Strategie gleich.
Das funktioniert so nicht.
Eine Strategie mit 80 Prozent Gewinntrades kann unprofitabel sein, während eine Strategie mit nur 40 Prozent Gewinnern am Ende deutlich profitabler sein kann.
Der Grund liegt im Verhältnis zwischen durchschnittlichen Gewinnen und durchschnittlichen Verlusten.
Deshalb sollte die Trefferquote niemals isoliert betrachtet werden. Erst gemeinsam mit Kennzahlen wie Chance-Risiko-Verhältnis, durchschnittlichem Gewinn, durchschnittlichem Verlust, Profit Factor und Drawdown entsteht ein aussagekräftiges Bild über die Qualität einer Trading Strategie.
Was ist die Trading Trefferquote?
Die Trading Trefferquote beschreibt den Anteil der Gewinntrades an der Gesamtzahl aller abgeschlossenen Trades.
Wenn ein Trader beispielsweise 100 Trades ausführt und davon 55 mit Gewinn beendet, beträgt die Trefferquote 55 Prozent.
Die Berechnung ist grundsätzlich einfach:
Trefferquote = Anzahl der Gewinntrades ÷ Anzahl aller Trades × 100
Bei 55 Gewinntrades aus 100 Trades ergibt sich somit eine Trefferquote von 55 Prozent.
Wichtig ist dabei, dass nur abgeschlossene Trades berücksichtigt werden. Offene Positionen gehören nicht in die Berechnung einer historischen Trefferquote.
Trading Trefferquote berechnen
Ein einfaches Beispiel macht die Berechnung deutlich.
Angenommen, du hast innerhalb eines bestimmten Zeitraums 80 Trades abgeschlossen.
Davon waren 44 Trades profitabel und 36 Trades endeten mit einem Verlust.
Die Trefferquote beträgt:
44 ÷ 80 × 100 = 55 Prozent
Damit hast du in diesem Beispiel bei etwas mehr als der Hälfte deiner Trades einen Gewinn erzielt.
Das sagt allerdings noch nicht aus, ob du insgesamt Geld verdient hast.
Dafür müssen auch die Größen der Gewinne und Verluste betrachtet werden.
Trefferquote Rechner für Trading
Ein einfacher Trading Trefferquote Rechner benötigt lediglich zwei Werte: die Anzahl der Gewinntrades und die Gesamtzahl der Trades.
Du kannst die Trefferquote mit folgender Formel berechnen:
Trefferquote = Gewinntrades / Gesamtzahl der Trades × 100
Beispiel:
Du hast 120 Trades gemacht und davon 66 gewonnen.
66 ÷ 120 × 100 = 55 Prozent Trefferquote
Wenn du dagegen 120 Trades machst und nur 36 davon gewinnst, beträgt deine Trefferquote 30 Prozent.
Für sich allein ist auch dieser Wert jedoch noch nicht aussagekräftig genug.
Warum eine hohe Trefferquote nicht automatisch besser ist
Nehmen wir zwei Trader.
Trader A gewinnt 80 von 100 Trades.
Sein durchschnittlicher Gewinn beträgt 20 Euro.
Bei seinen 20 Verlusttrades verliert er allerdings jeweils 100 Euro.
Damit verdient er mit seinen Gewinnern 1.600 Euro, verliert aber 2.000 Euro.
Das Ergebnis beträgt minus 400 Euro.
Trader B gewinnt dagegen nur 40 von 100 Trades.
Sein durchschnittlicher Gewinn beträgt 100 Euro.
Die 60 Verlusttrades kosten jeweils 30 Euro.
Damit erzielt er 4.000 Euro Gewinn und verliert 1.800 Euro.
Sein Gesamtergebnis beträgt plus 2.200 Euro.
Trader B hat also eine deutlich schlechtere Trefferquote, verdient aber wesentlich mehr.
Das Beispiel zeigt das zentrale Prinzip:
Trefferquote und Profitabilität sind nicht dasselbe.
Trefferquote und Chance-Risiko-Verhältnis
Besonders wichtig ist das Verhältnis zwischen durchschnittlichem Gewinn und durchschnittlichem Verlust.
Dieses wird häufig über das Chance-Risiko-Verhältnis, kurz CRV, beschrieben.
Wenn du beispielsweise durchschnittlich 200 Euro gewinnen möchtest und dafür 100 Euro riskierst, entspricht das einem CRV von 2:1.
Bei einem CRV von 2:1 muss eine Strategie nicht bei mehr als der Hälfte der Trades gewinnen, um theoretisch profitabel sein zu können.
Bei einem einfachen Modell liegt die rechnerische Break-even-Trefferquote bei etwa 33,3 Prozent.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Strategie mit 33 Prozent Trefferquote automatisch profitabel ist.
Trading Kosten, Slippage, unterschiedliche Trade-Ergebnisse und Schwankungen müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
Welche Trefferquote ist beim Trading gut?
Es gibt keine allgemeingültige „gute“ Trefferquote.
Die passende Trefferquote hängt stark von der Strategie ab.
Ein Scalping-System kann beispielsweise eine relativ hohe Trefferquote besitzen und gleichzeitig mit kleinen Gewinnen und Verlusten arbeiten.
Eine Trendfolge-Strategie kann dagegen viele kleine Verlusttrades produzieren und nur wenige große Gewinner haben.
Beide Ansätze können profitabel sein.
Deshalb ist eine Trefferquote von 70 Prozent nicht automatisch besser als eine Trefferquote von 40 Prozent.
Entscheidend ist, wie Trefferquote, durchschnittlicher Gewinn und durchschnittlicher Verlust zusammenwirken.
Welche Trefferquote braucht man für Profitabilität?
Das hängt vom durchschnittlichen Gewinn- und Verlustverhältnis ab.
Bei einem theoretischen CRV von 1:1 benötigt eine Strategie ungefähr 50 Prozent Gewinner, um vor Kosten den Break-even zu erreichen.
Bei einem CRV von 2:1 sinkt die theoretische notwendige Trefferquote auf etwa 33,3 Prozent.
Bei einem CRV von 3:1 reichen theoretisch etwa 25 Prozent.
Das bedeutet:
Je größer der durchschnittliche Gewinn im Verhältnis zum durchschnittlichen Verlust ist, desto niedriger kann die notwendige Trefferquote sein.
In der Praxis ist die Rechnung allerdings komplexer, weil nicht jeder Trade exakt dasselbe CRV erreicht und zusätzlich Gebühren, Spread und Slippage entstehen.
Trading Trefferquote und Profit Factor
Der Profit Factor ist eine weitere wichtige Kennzahl zur Beurteilung einer Trading Strategie.
Er setzt die gesamten Bruttogewinne ins Verhältnis zu den gesamten Bruttoverlusten.
Ein Profit Factor von 1 bedeutet vereinfacht gesagt, dass Gewinne und Verluste gleich groß sind.
Liegt der Wert über 1, wurden mehr Bruttogewinne als Bruttoverluste erzielt.
Eine Strategie mit einer hohen Trefferquote kann trotzdem einen Profit Factor unter 1 besitzen.
Das zeigt erneut, warum die Trefferquote niemals isoliert bewertet werden sollte.
Trefferquote beim Forex Trading
Auch im Forex Trading ist die Trefferquote eine häufig verwendete Kennzahl.
Ein Forex Trader kann beispielsweise 100 EUR/USD-Trades analysieren und feststellen, dass 58 davon profitabel waren.
Die Trefferquote beträgt dann 58 Prozent.
Interessant wird die Zahl jedoch erst zusammen mit der durchschnittlichen Gewinn- und Verlustgröße.
Ein Trader kann mit 58 Prozent Gewinnern trotzdem Geld verlieren, wenn seine durchschnittlichen Verluste deutlich größer sind als seine Gewinne.
Gerade beim kurzfristigen Forex Trading sollten deshalb auch Spread und Slippage berücksichtigt werden.
Trefferquote beim Daytrading
Beim Daytrading kann die Trefferquote besonders verführerisch wirken.
Trader sehen beispielsweise eine hohe Anzahl erfolgreicher Trades und glauben, dass die Strategie hervorragend funktioniert.
Doch viele kleine Gewinne können durch wenige große Verluste wieder vollständig aufgezehrt werden.
Deshalb sollte ein Daytrader nicht nur fragen:
„Wie viele Trades gewinne ich?“
Viel wichtiger ist:
„Wie viel gewinne ich durchschnittlich, wenn ich richtig liege, und wie viel verliere ich durchschnittlich, wenn ich falsch liege?“
Diese beiden Größen bestimmen gemeinsam mit der Trefferquote die langfristige Erwartung.
Trefferquote beim Scalping
Beim Scalping können sehr hohe Trefferquoten vorkommen.
Da Scalper häufig mit kleinen Kursbewegungen arbeiten, versuchen sie oft, viele kleine Gewinne zu erzielen.
Das Problem besteht darin, dass ein einzelner größerer Verlust mehrere kleine Gewinner auslöschen kann.
Hinzu kommen Spread, Kommission und Slippage.
Deshalb muss eine Scalping-Strategie nicht nur eine ausreichende Trefferquote besitzen, sondern auch nach sämtlichen Trading Kosten noch einen positiven Erwartungswert aufweisen.
Trefferquote beim Swing Trading
Swing Trading funktioniert häufig anders.
Ein Swing Trader kann mehrere Tage oder Wochen in einer Position bleiben und versucht, größere Marktbewegungen auszunutzen.
Dadurch kann der durchschnittliche Gewinn eines erfolgreichen Trades deutlich größer sein als der durchschnittliche Verlust.
Eine Trefferquote von 40 Prozent kann deshalb durchaus ausreichen.
Entscheidend ist wiederum die Kombination aus Trefferquote und Gewinn-Verlust-Verhältnis.
Trefferquote und Erwartungswert
Eine der wichtigsten Kennzahlen im Trading ist der Erwartungswert.
Er beschreibt vereinfacht, wie viel ein Trader pro Trade langfristig erwarten kann, wenn die statistischen Eigenschaften der Strategie bestehen bleiben.
Ein vereinfachtes Modell lautet:
Erwartungswert = Trefferquote × durchschnittlicher Gewinn − Verlustquote × durchschnittlicher Verlust
Angenommen, eine Strategie besitzt eine Trefferquote von 40 Prozent.
Der durchschnittliche Gewinn beträgt 200 Euro.
Die Verlustquote liegt bei 60 Prozent und der durchschnittliche Verlust beträgt 80 Euro.
Dann ergibt sich:
0,40 × 200 − 0,60 × 80 = 32 Euro.
Der theoretische Erwartungswert liegt damit bei 32 Euro pro Trade vor Trading Kosten.
Das ist deutlich aussagekräftiger als die Trefferquote allein.
Warum die Trefferquote schwanken kann
Auch eine funktionierende Strategie besitzt nicht jeden Monat dieselbe Trefferquote.
Eine Strategie mit einer langfristigen Trefferquote von 50 Prozent kann beispielsweise über 20 Trades deutlich schlechter oder besser abschneiden.
Das ist statistisch normal.
Deshalb sollten Trader nicht nach wenigen Trades beurteilen, ob ihre Strategie funktioniert.
Eine zu kleine Stichprobe kann ein völlig verzerrtes Bild liefern.
Je mehr Trades ausgewertet werden, desto besser lässt sich normalerweise erkennen, welche statistischen Eigenschaften tatsächlich hinter der Strategie stehen.
Wie viele Trades braucht man für eine aussagekräftige Trefferquote?
Eine konkrete Mindestzahl gibt es nicht, die für jede Strategie gleichermaßen gilt.
100 Trades können eine bessere Grundlage als 10 Trades liefern, aber auch 100 Trades sind nicht automatisch ausreichend, wenn die Strategie sehr unterschiedliche Marktphasen benötigt.
Besonders interessant wird die Auswertung, wenn die Trades verschiedene Marktbedingungen abdecken.
Eine Strategie sollte nicht nur in einem starken Aufwärtstrend getestet werden.
Auch Seitwärtsphasen, hohe Volatilität und schwierige Marktbedingungen können wichtig sein.
Trefferquote im Trading Journal analysieren
Ein Trading Journal ist ideal, um die eigene Trefferquote zu erfassen.
Dabei sollte nicht nur die Gesamtquote betrachtet werden.
Interessanter ist die Aufteilung nach unterschiedlichen Faktoren.
Beispielsweise kann eine Strategie insgesamt eine Trefferquote von 48 Prozent besitzen.
Vielleicht liegt sie während der London Session jedoch bei 58 Prozent und während anderer Handelszeiten nur bei 35 Prozent.
Oder ein bestimmtes Setup funktioniert deutlich besser als ein anderes.
Solche Unterschiede können einen erheblichen Einfluss auf die Gesamtperformance haben.
Trefferquote verbessern: Weniger Trades können mehr bringen
Eine höhere Trefferquote sollte nicht um jeden Preis angestrebt werden.
Viele Trader versuchen, möglichst viele Verlusttrades zu vermeiden.
Dafür schließen sie Positionen zu früh, verschieben Stops oder nehmen nur sehr kleine Gewinnziele.
Die Trefferquote steigt möglicherweise.
Die Strategie wird dadurch aber nicht zwangsläufig besser.
Eine bessere Vorgehensweise besteht darin, zunächst herauszufinden, welche Setups tatsächlich einen statistischen Vorteil besitzen.
Wenn schlechte Trades konsequent herausgefiltert werden, kann sich die Qualität der Trades verbessern, ohne dass dafür die gesamte Strategie verändert werden muss.
Trefferquote nicht manipulieren
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Trader ihre Trefferquote unbewusst oder bewusst schöner darstellen können.
Wer beispielsweise einen Verlusttrade sehr früh schließt und einen neuen Trade eröffnet, kann aus einer einzigen schlechten Entscheidung mehrere Trades machen.
Oder ein Trader verschiebt den Stop Loss immer weiter, damit ein Verlusttrade noch nicht realisiert wird.
Auf dem Papier kann dadurch eine hohe Trefferquote entstehen.
Die tatsächliche Performance wird dadurch jedoch nicht besser.
Eine aussagekräftige Trefferquote sollte deshalb auf klar definierten und vollständig abgeschlossenen Trades basieren.
Trefferquote und Risiko pro Trade
Auch das Risiko pro Trade sollte bei der Analyse berücksichtigt werden.
Zwei Strategien können dieselbe Trefferquote besitzen und trotzdem völlig unterschiedliche Ergebnisse erzielen.
Wenn eine Strategie bei jedem Trade ein Prozent des Kontos riskiert, ist ihre Schwankungsbreite eine andere als bei einer Strategie, die regelmäßig fünf Prozent riskiert.
Deshalb sollte eine hohe Trefferquote niemals als Begründung für eine höhere Positionsgröße verwendet werden.
Auch eine Strategie mit 80 Prozent Gewinnern kann eine Verlustserie erleben.
Trefferquote und Verlustserien
Eine Strategie mit 60 Prozent Trefferquote gewinnt langfristig durchschnittlich sechs von zehn Trades.
Das bedeutet nicht, dass sich Gewinner und Verlierer regelmäßig abwechseln.
Es können durchaus mehrere Verlusttrades hintereinander auftreten.
Genau darauf sollten Trader vorbereitet sein.
Wer eine Verlustserie nicht akzeptieren kann, erhöht möglicherweise nach dem dritten oder vierten Verlust das Risiko und zerstört damit sein Risikomanagement.
Deshalb sollte ein Trader bereits vor dem Live Trading wissen, welche Verlustserien statistisch möglich sind.
Die Trefferquote richtig bewerten
Die wichtigste Frage lautet nicht:
„Wie hoch ist meine Trefferquote?“
Sondern:
„Was bedeutet meine Trefferquote im Zusammenhang mit meiner gesamten Trading-Performance?“
Dazu gehören durchschnittlicher Gewinn, durchschnittlicher Verlust, Profit Factor, Erwartungswert, Drawdown und Trading Kosten.
Erst aus dieser Kombination entsteht ein realistisches Bild.
Ein Trader mit 45 Prozent Trefferquote und konsequentem Risikomanagement kann wesentlich erfolgreicher sein als ein Trader mit 75 Prozent Trefferquote und unkontrollierten Verlusten.
Fazit: Trading Trefferquote richtig verstehen
Die Trading Trefferquote zeigt, wie viele deiner Trades im Verhältnis zur Gesamtzahl der Trades profitabel abgeschlossen wurden.
Sie ist eine wichtige Kennzahl für die Analyse einer Trading Strategie, aber sie ist kein Qualitätsurteil für sich allein.
Eine hohe Trefferquote bedeutet nicht automatisch, dass eine Strategie profitabel ist. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Gewinnquote, durchschnittlichem Gewinn, durchschnittlichem Verlust, Chance-Risiko-Verhältnis, Trading Kosten und Drawdown.
Wer beispielsweise nur 40 Prozent seiner Trades gewinnt, kann trotzdem profitabel sein, wenn die Gewinner deutlich größer als die Verlierer sind.
Umgekehrt kann eine Strategie mit 80 Prozent Gewinnern Geld verlieren, wenn einzelne Verlusttrades die vielen kleinen Gewinne wieder auslöschen.
Deshalb solltest du deine Trefferquote nicht isoliert optimieren.
Optimiere deinen gesamten Trading-Prozess.
Führe ein sauberes Trading Journal, analysiere ausreichend viele Trades und betrachte deine Trefferquote immer gemeinsam mit dem tatsächlichen finanziellen Ergebnis.
Denn im Trading geht es nicht darum, möglichst oft recht zu haben.
Es geht darum, über eine große Anzahl von Trades einen positiven Erwartungswert zu erzielen und das Risiko dabei kontrolliert zu halten.