Trading ist nicht gleich Trading. Wer sich mit den Finanzmärkten beschäftigt, stößt schnell auf Begriffe wie Scalping, Daytrading, Swing Trading oder Position Trading. Alle diese Trading Arten verfolgen grundsätzlich dasselbe Ziel: aus Kursbewegungen einen möglichen Gewinn zu erzielen. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch darin, wie lange Positionen gehalten werden, wie häufig gehandelt wird und welche Art von Marktbewegungen genutzt werden soll.
Genau deshalb ist es sinnvoll, die verschiedenen Trading Arten zu verstehen, bevor du dich für eine bestimmte Vorgehensweise entscheidest.
Ein Trader, der mehrere Stunden am Tag vor dem Bildschirm verbringen kann, hat andere Möglichkeiten als jemand, der neben einem Vollzeitjob traden möchte. Während ein Scalper innerhalb weniger Minuten zahlreiche Entscheidungen treffen kann, wartet ein Swing Trader möglicherweise mehrere Tage auf ein passendes Setup.
Die beste Trading Art gibt es deshalb nicht.
Es gibt nur eine Trading Art, die mehr oder weniger gut zu deinen Zielen, deiner verfügbaren Zeit, deiner Persönlichkeit und deinem Trading Prozess passt.
Welche Trading Arten gibt es?
Die bekanntesten Trading Arten unterscheiden sich vor allem anhand der Haltedauer einer Position. Beim Scalping werden Trades teilweise nur wenige Sekunden oder Minuten gehalten. Daytrader schließen ihre Positionen normalerweise innerhalb eines Handelstages. Swing Trader halten Positionen häufig mehrere Tage oder Wochen. Beim Position Trading können Trades dagegen Wochen, Monate oder teilweise noch länger bestehen bleiben.
Diese Unterschiede wirken zunächst wie eine reine Frage der Zeit.
Tatsächlich verändern sie jedoch den gesamten Trading Prozess.
Je kürzer die Haltedauer, desto stärker können beispielsweise kurzfristige Volatilität, Spread, Ausführung und Timing eine Rolle spielen. Bei längeren Haltedauern gewinnen dagegen übergeordnete Marktbewegungen und fundamentale Entwicklungen an Bedeutung.
Scalping: Trading in sehr kurzen Zeitfenstern
Scalping ist eine der schnellsten Trading Arten.
Scalper versuchen, kleine Kursbewegungen innerhalb sehr kurzer Zeit auszunutzen. Ein Trade kann nur wenige Sekunden oder einige Minuten dauern. Statt auf eine große Bewegung zu warten, werden viele kleine Bewegungen gehandelt.
Das klingt zunächst attraktiv.
In der Praxis ist Scalping jedoch äußerst anspruchsvoll. Entscheidungen müssen schnell getroffen werden und bereits kleine Fehler können sich bei einer hohen Anzahl von Trades summieren.
Auch die Handelskosten spielen eine wichtige Rolle. Wenn sehr viele Trades eröffnet und geschlossen werden, können Spread und Gebühren einen größeren Einfluss auf das Ergebnis haben.
Scalping passt deshalb nicht automatisch zu jedem Trader. Wer schnell Entscheidungen trifft, konzentriert arbeiten kann und einen sehr klar definierten Prozess besitzt, kann diese Trading Art interessant finden. Wer dagegen zu impulsivem Handeln oder Overtrading neigt, kann durch die hohe Handelsfrequenz zusätzliche Probleme bekommen.
Daytrading: Positionen innerhalb eines Tages handeln
Daytrading ist wahrscheinlich eine der bekanntesten Trading Arten.
Ein Daytrader eröffnet und schließt seine Positionen normalerweise innerhalb desselben Handelstages. Über Nacht bleiben im klassischen Daytrading keine Positionen offen.
Der Vorteil besteht darin, dass bestimmte Risiken über Nacht vermieden werden können. Gleichzeitig bedeutet Daytrading nicht, dass weniger Risiko vorhanden ist.
Die Märkte können sich innerhalb weniger Minuten stark bewegen.
Daytrader konzentrieren sich häufig auf bestimmte Handelszeiten, beispielsweise die Eröffnung europäischer oder amerikanischer Märkte. Gerade zu diesen Zeiten kann die Liquidität steigen und es können größere Bewegungen entstehen.
Ein guter Daytrader handelt jedoch nicht automatisch möglichst viel.
Im Gegenteil.
Ein klarer Trading Plan kann dazu führen, dass an manchen Tagen nur wenige oder sogar gar keine Trades stattfinden.
Swing Trading: Bewegungen über mehrere Tage handeln
Swing Trading verfolgt einen deutlich langsameren Ansatz.
Ein Swing Trader versucht, größere Bewegungen innerhalb eines übergeordneten Trends zu erfassen. Positionen werden häufig mehrere Tage oder Wochen gehalten.
Dadurch muss der Trader nicht permanent vor dem Bildschirm sitzen.
Das macht Swing Trading insbesondere für Menschen interessant, die neben dem Trading einen Beruf oder andere Verpflichtungen haben.
Allerdings bedeutet eine längere Haltedauer nicht automatisch weniger Risiko. Positionen können über Nacht oder über mehrere Handelstage starken Bewegungen ausgesetzt sein.
Auch fundamentale Nachrichten können während der Haltedauer eine wichtige Rolle spielen.
Swing Trading erfordert deshalb Geduld.
Der Trader muss akzeptieren können, dass zwischen Einstieg und Ziel mehrere Tage liegen können, ohne ständig in die Position eingreifen zu müssen.
Position Trading: Langfristigere Marktbewegungen nutzen
Beim Position Trading werden Positionen noch deutlich länger gehalten.
Dabei kann es um mehrere Wochen oder Monate gehen. Teilweise werden Positionen sogar über längere Zeiträume gehalten.
Der Fokus liegt weniger auf kurzfristigen Kursbewegungen und stärker auf übergeordneten Trends.
Ein Position Trader interessiert sich beispielsweise für größere wirtschaftliche Entwicklungen, Zinsentscheidungen, Unternehmensdaten oder langfristige Trends an den Märkten.
Dadurch unterscheidet sich Position Trading deutlich vom Scalping.
Während ein Scalper auf kleinste Bewegungen reagieren kann, versucht ein Position Trader, größere Marktbewegungen auszuhalten und davon zu profitieren.
Die Herausforderung besteht dabei vor allem darin, zwischen kurzfristigem Marktrauschen und einer tatsächlich relevanten Veränderung des übergeordneten Trends zu unterscheiden.
Daytrading oder Swing Trading – was ist besser?
Diese Frage wird häufig gestellt, obwohl sie sich nicht pauschal beantworten lässt.
Daytrading bietet mehr unmittelbare Kontrolle über die Positionen. Der Trader kann den Handel am Ende des Tages vollständig beenden.
Dafür benötigt Daytrading häufig mehr Aufmerksamkeit und Konzentration während der Handelszeiten.
Swing Trading benötigt dagegen weniger Bildschirmzeit. Positionen werden länger gehalten und Entscheidungen müssen nicht innerhalb weniger Sekunden getroffen werden.
Dafür können Trades über Nacht größeren Kursbewegungen ausgesetzt sein.
Welche Variante besser geeignet ist, hängt deshalb stark vom eigenen Alltag und der eigenen Persönlichkeit ab.
Trading für Berufstätige
Nicht jeder Trader kann mehrere Stunden am Tag Charts beobachten.
Für Berufstätige können deshalb längere Trading Ansätze interessant sein.
Swing Trading bietet beispielsweise die Möglichkeit, Märkte zu analysieren und Positionen über mehrere Tage zu halten, ohne permanent auf den Bildschirm schauen zu müssen.
Auch ein strukturierter Daytrading Ansatz kann funktionieren, wenn die Handelszeit klar definiert ist.
Entscheidend ist, dass die Trading Art zum tatsächlichen Alltag passt.
Ein Trader, der jeden Tag acht Stunden arbeitet und nur sporadisch auf Charts schauen kann, sollte sich nicht unbedingt eine Strategie aussuchen, die permanente Aufmerksamkeit benötigt.
Der Trading Stil sollte zum Leben passen – nicht umgekehrt.
Forex Trading Arten
Auch beim Forex Trading gibt es unterschiedliche Ansätze.
Ein Forex Scalper handelt beispielsweise kurzfristige Bewegungen in Währungspaaren. Ein Daytrader konzentriert sich auf Bewegungen innerhalb eines Handelstages. Swing Trader versuchen dagegen, größere Bewegungen über mehrere Tage oder Wochen zu erfassen.
Der Forex Markt eignet sich grundsätzlich für unterschiedliche Trading Arten, da er sehr liquide ist und nahezu rund um die Uhr gehandelt wird.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Forex für jeden Trading Stil automatisch geeignet ist.
Die Wahl der Trading Art sollte sich auch hier nach Strategie, Zeit, Risiko und persönlicher Situation richten.
Trading mit Indizes
Indizes wie DAX, S&P 500 oder Nasdaq sind bei kurzfristigen Tradern besonders beliebt.
Sie ermöglichen es, die Entwicklung eines gesamten Marktsegments zu handeln, anstatt sich auf eine einzelne Aktie zu konzentrieren.
Daytrader können beispielsweise kurzfristige Bewegungen während der europäischen oder amerikanischen Handelszeit analysieren.
Swing Trader können dagegen versuchen, größere Bewegungen innerhalb des Index zu erfassen.
Auch hier gilt: Ein Index ist nicht automatisch leichter zu handeln als eine Einzelaktie.
Die Bewegungen können sehr dynamisch sein und erfordern ein klares Risikomanagement.
Gold Trading
Gold gehört ebenfalls zu den Märkten, die von verschiedenen Trading Arten genutzt werden.
Kurzfristige Trader versuchen, intraday auftretende Bewegungen zu handeln. Andere Trader halten Goldpositionen über mehrere Tage oder Wochen.
Gold kann auf verschiedene wirtschaftliche und geopolitische Entwicklungen reagieren. Deshalb kann sich die Volatilität teilweise deutlich verändern.
Wer Gold tradet, sollte deshalb nicht nur seine Einstiegsstrategie kennen, sondern auch verstehen, wann sich die Marktbedingungen verändern können.
Welche Trading Art ist am einfachsten?
Eine einfache Antwort wäre schön, aber sie wäre irreführend.
Keine Trading Art ist automatisch einfach.
Scalping kann wegen der hohen Geschwindigkeit anspruchsvoll sein. Daytrading erfordert Konzentration und konsequente Umsetzung. Swing Trading verlangt Geduld und die Fähigkeit, Positionen über mehrere Tage laufen zu lassen. Position Trading erfordert wiederum einen langfristigeren Blick auf den Markt.
Die vermeintlich einfachste Trading Art kann deshalb für einen Trader trotzdem die falsche Wahl sein.
Die bessere Frage lautet:
Welche Trading Art kann ich dauerhaft konsequent umsetzen?
Trading Stil und Persönlichkeit
Die Persönlichkeit spielt beim Trading eine größere Rolle, als viele Anfänger denken.
Wer ständig handeln möchte, könnte beispielsweise Schwierigkeiten mit einem Swing-Trading-Ansatz bekommen, bei dem mehrere Tage kein neues Setup entsteht.
Wer dagegen ungeduldig ist, könnte sich beim Scalping in zu viele Trades hineinsteigern.
Auch die Fähigkeit, Verluste auszuhalten, ist wichtig.
Ein Trader muss akzeptieren können, dass eine Strategie trotz positiver langfristiger Erwartung einzelne Verluste oder sogar Verlustserien produziert.
Die Trading Art sollte deshalb nicht nur nach vermeintlicher Profitabilität ausgewählt werden.
Sie muss auch psychologisch zum Trader passen.
Wie viele Trades sind beim Trading sinnvoll?
Es gibt keine magische Anzahl von Trades pro Tag oder Woche.
Ein Scalper kann deutlich mehr Trades durchführen als ein Swing Trader. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass der Scalper erfolgreicher ist.
Die Anzahl der Trades sollte sich aus der Strategie ergeben.
Wenn ein Trader beispielsweise nur ein bestimmtes Setup handelt, kann es vollkommen normal sein, dass mehrere Stunden oder sogar Tage kein Einstieg entsteht.
Das bewusste Warten auf ein gutes Setup ist ein wichtiger Bestandteil professionellen Tradings.
Mehr Trades bedeuten nicht automatisch mehr Gewinnchancen.
Sie bedeuten zunächst einmal mehr Entscheidungen und mehr Risiko.
Trading Arten und Risikomanagement
Unabhängig von der gewählten Trading Art bleibt Risikomanagement ein zentraler Bestandteil.
Ein Scalper kann durch eine hohe Anzahl von Trades viele kleine Verluste produzieren. Ein Swing Trader kann dagegen mit einem einzelnen Trade über mehrere Tage einem größeren Kursrisiko ausgesetzt sein.
Deshalb sollte die Positionsgröße immer zum definierten Risiko passen.
Der Stop Loss sollte nicht einfach dort liegen, wo der Trader möglichst wenig Geld verlieren möchte. Er sollte an einer Stelle liegen, an der die ursprüngliche Trade-Idee nicht mehr gültig ist.
Erst anschließend sollte die Positionsgröße an das gewünschte Risiko angepasst werden.
Trading Arten nicht ständig wechseln
Ein häufiges Problem bei Tradern besteht darin, ständig zwischen verschiedenen Trading Arten zu wechseln.
Heute wird Scalping ausprobiert.
Morgen Daytrading.
Eine Woche später Swing Trading.
Danach kommt eine neue Strategie für Forex oder Gold.
Das Problem dabei ist nicht, dass verschiedene Ansätze grundsätzlich schlecht wären.
Das Problem ist, dass dadurch kaum eine ausreichende Datenbasis entsteht.
Wenn du ständig deinen Trading Stil wechselst, weißt du irgendwann nicht mehr, welcher Ansatz tatsächlich funktioniert hat.
Ein strukturierter Trader testet deshalb einen klar definierten Ansatz über einen ausreichenden Zeitraum und wertet die Ergebnisse anschließend aus.
Welche Trading Art passt zu dir?
Die passende Trading Art sollte sich nicht danach richten, was gerade in sozialen Medien besonders erfolgreich aussieht.
Vielleicht siehst du Trader, die täglich zahlreiche Trades veröffentlichen. Das bedeutet nicht, dass du genauso handeln solltest.
Vielleicht verdient jemand mit Swing Trading Geld und hält Positionen mehrere Wochen. Auch das bedeutet nicht automatisch, dass dieser Ansatz zu dir passt.
Die richtige Trading Art hängt von deiner verfügbaren Zeit, deinem Kapital, deiner Risikobereitschaft, deiner Strategie und deinem Alltag ab.
Vor allem aber sollte sie so gestaltet sein, dass du sie langfristig konsequent umsetzen kannst.
Fazit: Verschiedene Trading Arten im Überblick
Die verschiedenen Trading Arten unterscheiden sich vor allem durch ihre Haltedauer, Handelsfrequenz und den notwendigen Zeitaufwand.
Scalping konzentriert sich auf sehr kurzfristige Bewegungen und erfordert schnelle Entscheidungen. Daytrading beendet Positionen normalerweise innerhalb eines Handelstages. Swing Trading nutzt größere Bewegungen über mehrere Tage oder Wochen. Position Trading betrachtet langfristigere Marktbewegungen und erfordert entsprechend mehr Geduld.
Keine dieser Trading Arten ist grundsätzlich die beste.
Entscheidend ist, welcher Ansatz zu deinem Alltag und deinem persönlichen Trading Prozess passt.
Gerade Trader mit wenig verfügbarer Zeit sollten nicht versuchen, einen Trading Stil zu kopieren, der ständige Bildschirmzeit voraussetzt. Gleichzeitig sollten Trader mit einer starken Neigung zu impulsivem Handeln vorsichtig mit sehr kurzfristigen Trading Ansätzen umgehen.
Letztendlich geht es nicht darum, möglichst viele Trading Arten zu kennen.
Es geht darum, einen Ansatz zu finden, den du verstehst, testen kannst und über einen längeren Zeitraum konsequent umsetzt.
Denn erfolgreicheres Trading entsteht nicht dadurch, dass du ständig etwas Neues ausprobierst.
Es entsteht durch einen klaren Prozess, kontrolliertes Risiko und die Fähigkeit, diesen Prozess auch dann einzuhalten, wenn der Markt gerade nicht so läuft, wie du es erwartest.