Bärenmarkt

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Fallende Kurse, zunehmende Unsicherheit und Anleger, die ihre Positionen verkaufen: Ein Bärenmarkt beschreibt eine länger anhaltende Phase sinkender Kurse an den Finanzmärkten.

Der Begriff wird häufig verwendet, sobald die Börse deutlich fällt. Doch ein einzelner schwacher Handelstag oder eine kurzfristige Korrektur macht noch keinen Bärenmarkt.

Als verbreitete Faustregel gilt bei einem breiten Aktienindex ein Rückgang von mindestens 20 % gegenüber einem vorherigen Hoch. Diese Grenze ist allerdings keine universelle Definition für jeden Markt und jedes Finanzinstrument. Entscheidend ist vor allem, dass sich eine nachhaltige Abwärtsbewegung entwickelt.

Für Trader ist ein Bärenmarkt besonders interessant, weil sich die Marktbedingungen gegenüber einer Hausse deutlich verändern. Long-Setups können häufiger scheitern, Erholungen können schnell wieder verkauft werden und Short-Setups gewinnen an Bedeutung.

Doch auch ein Bärenmarkt fällt nicht einfach jeden Tag.

Zwischen starken Abwärtsbewegungen gibt es immer wieder Rallys, Korrekturen und Phasen, in denen der Markt kurzfristig bullish aussieht.

Was ist ein Bärenmarkt?

Inhaltsverzeichnis:

Ein Bärenmarkt ist eine übergeordnete Marktphase, in der fallende Kurse dominieren und die Marktstimmung überwiegend negativ ist.

Im Englischen wird der Begriff Bear Market verwendet. Das Gegenstück ist der Bull Market, also der Bullenmarkt.

Eine häufig verwendete Definition beschreibt einen Bärenmarkt bei einem Rückgang eines breiten Marktindex von mindestens 20 % gegenüber einem vorherigen Hoch.

Dabei geht es nicht darum, dass jeder einzelne Vermögenswert um 20 % fallen muss.

Ein Bärenmarkt kann beispielsweise einen gesamten Aktienindex betreffen, während einzelne Aktien gleichzeitig steigen.

Deshalb sollte immer geklärt werden, welcher Markt und welcher Zeitraum betrachtet werden.

Warum heißt es Bärenmarkt?

Die Begriffe Bulle und Bär stammen aus der Börsensprache und stehen sinnbildlich für steigende beziehungsweise fallende Kurse.

Der Bulle greift mit seinen Hörnern nach oben.

Der Bär schlägt mit seiner Pranke nach unten.

Daraus entwickelten sich die heute international verwendeten Begriffe:

Bullish = steigende Kurse beziehungsweise positive Markterwartung

Bearish = fallende Kurse beziehungsweise negative Markterwartung

Im Deutschen werden für langfristige Marktphasen häufig die Begriffe Hausse und Baisse verwendet.

Damit ergibt sich:

Bullenmarkt = Hausse

Bärenmarkt = Baisse

Bärenmarkt einfach erklärt

Nehmen wir einen fiktiven Aktienindex.

Der Index erreicht zunächst:

20.000 Punkte

Danach fällt er auf:

18.500

Anschließend kommt eine kurze Erholung auf:

19.200

Danach fällt der Markt weiter auf:

17.000

Es folgt eine Rally auf:

18.000

und anschließend ein weiterer Rückgang auf:

15.500

Die Bewegung sieht vereinfacht so aus:

20.000 → 18.500 → 19.200 → 17.000 → 18.000 → 15.500

Was fällt auf?

Die Hochs werden niedriger.

Auch die Tiefs werden niedriger.

Der Markt bildet also eine typische bearishe Struktur.

Higher Highs werden zu Lower Highs

Ein Bärenmarkt lässt sich häufig besonders gut über die Marktstruktur erkennen.

Während ein Bullenmarkt durch Higher Highs und Higher Lows geprägt ist, zeigt ein Bärenmarkt häufig:

Lower Highs und Lower Lows.

Ein Beispiel:

100 → 90 → 95 → 80 → 87 → 72

Das Hoch bei 95 liegt unter dem vorherigen Hoch von 100.

Das Tief bei 80 liegt unter dem vorherigen Tief von 90.

Anschließend entsteht bei 87 wieder ein niedrigeres Hoch.

Danach folgt ein neues Tief bei 72.

Die Verkäufer dominieren.

Ein Bärenmarkt bedeutet nicht, dass die Börse jeden Tag fällt

Das ist ein wichtiger Punkt.

Auch während eines starken Bärenmarktes kann es kräftige Aufwärtsbewegungen geben.

Beispielsweise:

−20 %

+12 % Rally

−15 %

+8 % Rally

−20 %

Wer nur die kurzfristige Bewegung betrachtet, könnte zwischenzeitlich glauben, dass der Bärenmarkt bereits beendet ist.

Die übergeordnete Marktstruktur kann aber weiterhin bearish sein.

Deshalb sollten Trader unterschiedliche Zeitebenen betrachten.

Bärenmarkt vs. Korrektur

Nicht jeder Kursrückgang ist ein Bärenmarkt.

Eine Korrektur ist normalerweise ein begrenzter Rückgang innerhalb eines übergeordneten Trends.

Beispielsweise kann ein Aktienindex in einem Bullenmarkt 8 % fallen und anschließend wieder neue Hochs erreichen.

Das wäre eine Korrektur.

Ein Bärenmarkt beschreibt dagegen eine deutlich größere und nachhaltigere Abwärtsphase.

Die 20-Prozent-Marke wird dabei häufig als Orientierung verwendet.

Sie sollte aber nicht als magische Grenze verstanden werden.

Ein Rückgang von 19,9 % und einer von 20,1 % unterscheiden sich nicht plötzlich fundamental.

Bärenmarkt vs. Bärenmarktrally

Besonders interessant für Trader sind Bärenmarktrallys.

Dabei steigt der Markt innerhalb eines übergeordneten Abwärtstrends deutlich an.

Ein Beispiel:

Ein Index fällt von 20.000 auf 15.000 Punkte.

Anschließend steigt er auf 17.000.

Die Rally beträgt rund 13 %.

Trotzdem kann der langfristige Abwärtstrend weiterhin intakt sein.

Genau solche Bewegungen können Trader vor eine Herausforderung stellen.

Ein Markt kann mehrere Wochen steigen und anschließend trotzdem neue Tiefs erreichen.

Was ist eine Bärenmarktrally?

Eine Bärenmarktrally ist eine kräftige Gegenbewegung innerhalb eines übergeordneten Bärenmarktes.

Mögliche Auslöser sind:

  • bessere Wirtschaftsdaten
  • überraschend positive Unternehmenszahlen
  • Zinserwartungen
  • politische Nachrichten
  • Short Covering
  • technische Erholung
  • überverkaufte Marktbedingungen

Besonders Short Covering kann eine Rally beschleunigen.

Trader, die zuvor auf fallende Kurse gesetzt haben, kaufen ihre Positionen zurück.

Dadurch entsteht zusätzliche Nachfrage.

Bärenmarkt und Short Squeeze

Ein besonders extremes Beispiel ist ein Short Squeeze.

Wenn viele Marktteilnehmer short positioniert sind und der Kurs plötzlich stark steigt, müssen einige Short-Trader ihre Positionen schließen.

Dadurch müssen sie kaufen.

Weitere Käufe treiben den Kurs weiter nach oben.

Es entsteht ein selbstverstärkender Effekt.

Ein Bärenmarkt kann deshalb kurzfristig extrem starke Gegenbewegungen hervorbringen.

Das macht Short Trading keineswegs risikofrei.

Wie entsteht ein Bärenmarkt?

Bärenmärkte können unterschiedliche Ursachen haben.

Häufig spielen mehrere Faktoren zusammen.

Dazu gehören:

  • Rezessionen
  • sinkende Unternehmensgewinne
  • steigende Zinsen
  • hohe Inflation
  • Finanzkrisen
  • geopolitische Ereignisse
  • platzende Spekulationsblasen
  • Liquiditätsengpässe
  • stark sinkende Wachstumserwartungen

Dabei reagieren Finanzmärkte häufig nicht erst dann, wenn sich die wirtschaftliche Situation bereits verschlechtert hat.

Die Börse handelt Erwartungen.

Wenn Anleger beispielsweise erwarten, dass Unternehmensgewinne in Zukunft deutlich sinken, können Aktien bereits fallen, bevor die tatsächlichen Gewinne zurückgehen.

Die Rolle der Zinsen

Zinsen können für die Entstehung und Verstärkung eines Bärenmarktes eine wichtige Rolle spielen.

Steigende Zinsen können beispielsweise die Finanzierungskosten erhöhen und gleichzeitig die Bewertung zukünftiger Unternehmensgewinne beeinflussen.

Besonders wachstumsorientierte Unternehmen können empfindlich auf Veränderungen des Zinsumfelds reagieren.

Allerdings gilt auch hier:

Steigende Zinsen führen nicht automatisch zu einem Bärenmarkt.

Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Erwartungen, Bewertungen, Konjunktur und Geldpolitik.

Bärenmarkt und Inflation

Hohe Inflation kann ebenfalls Druck auf die Märkte ausüben.

Wenn die Inflation deutlich steigt, können Zentralbanken mit höheren Zinsen reagieren.

Dadurch können sich die finanziellen Bedingungen verschärfen.

Für Unternehmen kann Kapital teurer werden.

Für Anleger können sichere Anlagen relativ attraktiver werden.

Gleichzeitig können die Gewinnerwartungen sinken.

Das kann eine Abwärtsbewegung an den Aktienmärkten verstärken.

Anlegerpsychologie im Bärenmarkt

Ein Bärenmarkt ist auch ein psychologisches Phänomen.

Am Anfang steht häufig Unsicherheit.

Anleger fragen sich:

„Ist das nur eine Korrektur?“

Wenn die Kurse weiter fallen, nimmt die Nervosität zu.

Weitere Anleger verkaufen.

Die Stimmung verschlechtert sich.

Aus Unsicherheit wird Angst.

Später kann Panik entstehen.

Genau diese psychologische Dynamik kann einen Bärenmarkt zusätzlich verstärken.

Angst und Panik

Während einer Hausse kann FOMO die Kurse nach oben treiben.

Im Bärenmarkt passiert häufig das Gegenteil.

Anleger sehen fallende Kurse und denken:

„Ich muss raus, bevor es noch schlimmer wird.“

Weitere Verkäufe führen zu noch niedrigeren Kursen.

Dadurch steigt die Angst erneut.

Ein solcher Kreislauf kann sehr starke Bewegungen erzeugen.

Wann beginnt ein Bärenmarkt?

Es gibt zwei unterschiedliche Fragen:

Wann ist die 20-Prozent-Marke erreicht?

und:

Wann beginnt die bearishe Marktstruktur?

Das ist nicht unbedingt dasselbe.

Ein Trader kann bereits lange vor einem 20-prozentigen Rückgang erkennen, dass sich die Marktstruktur verschlechtert.

Beispielsweise:

  • Aufwärtstrend verliert Momentum
  • neues Hoch scheitert
  • Higher Low wird gebrochen
  • Lower High entsteht
  • neues Tief folgt

Das kann ein frühes Warnsignal sein.

Die klassische 20-Prozent-Definition ist dagegen eher eine nachträgliche Klassifizierung der Marktphase.

Wie erkennt man einen Bärenmarkt im Chart?

Ein Trader kann verschiedene Faktoren kombinieren.

Marktstruktur

Entstehen Lower Highs und Lower Lows?

Unterstützungen

Werden wichtige Unterstützungen gebrochen?

Widerstände

Scheitern Erholungen an vorherigen Unterstützungen oder Widerständen?

Momentum

Verliert der Markt bei Erholungen schnell an Dynamik?

Volumen

Nehmen Verkäufe bei Abwärtsbewegungen zu?

Übergeordneter Timeframe

Ist der Abwärtstrend auch auf höheren Zeitebenen sichtbar?

Keiner dieser Faktoren ist alleine ausreichend.

Die Kombination ergibt ein wesentlich besseres Bild.

Bärenmarkt mit gleitenden Durchschnitten analysieren

Moving Averages können ebenfalls zur Trendanalyse eingesetzt werden.

Ein bearishes Umfeld kann beispielsweise dadurch gekennzeichnet sein, dass:

  • der Kurs unter wichtigen gleitenden Durchschnitten liegt,
  • diese Durchschnitte nach unten zeigen,
  • kurzfristige Durchschnitte unter langfristigen Durchschnitten liegen.

Das kann die Trendrichtung visuell vereinfachen.

Aber auch hier gilt:

Ein Moving Average ist kein Bärenmarkt-Indikator.

Er bildet vergangene Kursbewegungen ab und sollte mit der tatsächlichen Marktstruktur kombiniert werden.

Wie tradet man einen Bärenmarkt?

Ein Bärenmarkt bietet grundsätzlich andere Möglichkeiten als ein Bullenmarkt.

Trader können beispielsweise:

  • Short Breakouts handeln
  • Pullbacks verkaufen
  • Momentum nutzen
  • Widerstände für Short-Setups beobachten
  • kurzfristige Gegenbewegungen handeln

Für viele Trendfolger gilt:

Im Bärenmarkt haben Short-Setups zunächst Priorität.

Das bedeutet aber nicht, dass jede Short-Position automatisch profitabel ist.

Short Trading im Bärenmarkt

Beim Short Trading wird auf fallende Kurse spekuliert.

Vereinfacht:

Ein Trader leiht sich einen Vermögenswert oder nutzt ein Finanzinstrument, das von fallenden Kursen profitiert.

Fällt der Preis, kann die Position einen Gewinn erzielen.

Steigt der Preis dagegen, entsteht ein Verlust.

Bei CFDs oder Futures ist die Funktionsweise entsprechend des jeweiligen Produkts ausgestaltet.

Short Trading ist allerdings mit besonderen Risiken verbunden.

Bei bestimmten Instrumenten können Verluste erheblich sein, wenn der Markt stark gegen die Position läuft.

Pullback Trading im Bärenmarkt

Auch im Bärenmarkt können Pullbacks interessante Setups liefern.

Ein typisches Szenario:

Abwärtsbewegung

Erholung

Widerstand

Bearishes Signal

Short

Die Erholung kann beispielsweise an einem vorherigen Supportbereich stoppen, der nach dem Bruch zum Widerstand geworden ist.

Der Trader wartet dann auf eine Bestätigung, bevor eine Short-Position eröffnet wird.

Breakout Trading im Bärenmarkt

Eine weitere Strategie ist der Handel von Ausbrüchen nach unten.

Der Markt bewegt sich beispielsweise mehrere Stunden oder Tage innerhalb einer Range.

Dann fällt der Kurs unter das Range-Tief.

Wenn der Ausbruch bestätigt wird, kann ein Short-Setup entstehen.

Doch auch hier besteht das Risiko eines Fehlausbruchs.

Der Kurs kann unter die Unterstützung fallen und anschließend sofort wieder darüber steigen.

Momentum Trading im Bärenmarkt

In starken Abwärtsphasen kann Momentum Trading besonders interessant sein.

Wenn der Markt ein wichtiges Tief bricht und die Verkäufer gleichzeitig aggressiv auftreten, kann die Bewegung schnell beschleunigen.

Allerdings kann Momentum auch abrupt enden.

Deshalb sollten Trader insbesondere bei gehebelten Produkten auf:

  • Positionsgröße
  • Stop Loss
  • Volatilität
  • Spread
  • Liquidität

achten.

Kann man im Bärenmarkt Long gehen?

Ja.

Auch ein Bärenmarkt besteht nicht ausschließlich aus fallenden Kursen.

Starke Erholungen können attraktive kurzfristige Long-Setups bieten.

Für einen Trader ist allerdings wichtig, zwischen:

Long gegen den übergeordneten Trend

und

Long innerhalb einer bestätigten Trendwende

zu unterscheiden.

Ein kurzfristiger Long-Trade gegen einen Bärenmarkt kann funktionieren.

Ein langfristiger Long-Ansatz benötigt dagegen eine andere Begründung.

Bärenmarkt und Reversal Trading

Eine der schwierigsten Aufgaben ist die Suche nach dem Ende eines Bärenmarktes.

Trader beobachten dafür beispielsweise:

  • Verlust der Abwärtsdynamik
  • höhere Tiefs
  • Ausbruch über wichtige Widerstände
  • Trendlinienbruch
  • Veränderung des Volumens
  • bullishe Chartformationen

Eine mögliche Umkehrstruktur könnte so aussehen:

Lower Low

Higher Low

Higher High

Damit verändert sich die Marktstruktur.

Aber auch ein einzelnes Higher High bedeutet noch nicht automatisch, dass ein langfristiger Bullenmarkt begonnen hat.

Bärenmarkt und Kapitalschutz

Für Trader ist ein Bärenmarkt nicht nur eine Chance.

Er kann auch erhebliche Risiken mit sich bringen.

Starke Abwärtsbewegungen können extrem schnell verlaufen.

Besonders gefährlich wird es bei hohem Hebel.

Ein Trader sollte deshalb bereits vor dem Einstieg wissen:

Wo ist meine Idee ungültig?

Daraus ergibt sich der Stop Loss.

Warum Stop Loss im Bärenmarkt wichtig ist

Ein Bärenmarkt kann zwar grundsätzlich Short-Setups begünstigen.

Doch kein Setup funktioniert immer.

Ein Short kann beispielsweise direkt vor einer starken Gegenbewegung eröffnet werden.

Ohne Stop Loss kann ein Trader schnell deutlich mehr verlieren als geplant.

Deshalb sollte das Risiko vor dem Trade definiert werden.

Nicht erst nachdem sich der Markt gegen die Position bewegt.

Bärenmarkt und Volatilität

Bärenmärkte können besonders volatil sein.

Die Angst der Marktteilnehmer führt teilweise zu sehr schnellen Bewegungen.

Dadurch können:

  • Spreads größer werden
  • Slippage auftreten
  • Stops schneller ausgelöst werden
  • Positionsgrößen zu groß werden

Ein Trader sollte deshalb nicht nur die Richtung des Marktes analysieren.

Auch die aktuelle Volatilität gehört zur Risikobewertung.

Bärenmarkt beim DAX

Der DAX kann in einen Bärenmarkt geraten, wenn sich eine längerfristige Abwärtsbewegung entwickelt.

Für Trader ist dabei die Marktstruktur entscheidend.

Beispielsweise:

18.000 → 17.200 → 17.600 → 16.500 → 17.000 → 15.800

Die Hochs werden niedriger.

Die Tiefs werden ebenfalls niedriger.

Das ist eine typische bearishe Struktur.

Ein Trader könnte in diesem Umfeld nach Short-Pullbacks suchen, statt fallende Kurse einfach blind zu verkaufen.

Bärenmarkt beim Nasdaq

Auch der Nasdaq kann längere Abwärtsphasen erleben.

Aufgrund des hohen Anteils wachstumsorientierter Unternehmen können Veränderungen bei:

  • Zinsen
  • Liquidität
  • Gewinnerwartungen
  • Technologieausgaben

eine wichtige Rolle spielen.

Für Daytrader können schnelle Bewegungen interessante Chancen bieten.

Gleichzeitig steigt bei hoher Volatilität das Risiko falscher Einstiege.

Bärenmarkt bei Gold

Gold kann ebenfalls fallen, obwohl es häufig als Krisen- oder Absicherungsinstrument betrachtet wird.

Die Entwicklung hängt unter anderem von:

  • US-Dollar
  • Zinsen
  • Realzinsen
  • Inflationserwartungen
  • Zentralbankpolitik
  • geopolitischer Lage

ab.

Gold ist deshalb keineswegs automatisch ein Vermögenswert, der in jedem Bärenmarkt steigt.

Bärenmarkt im Forex Trading

Im Forex Trading muss die Richtung immer relativ betrachtet werden.

Wenn beispielsweise EUR/USD fällt, bedeutet das:

Der Euro verliert gegenüber dem US-Dollar an Wert.

Für einen Forex-Trader kann ein bearisher Trend im Währungspaar daher eine Short-Chance darstellen.

Der Begriff Bärenmarkt wird im Forex-Bereich allerdings seltener verwendet als bei Aktienindizes.

Historische Bärenmärkte

Die Börsengeschichte kennt zahlreiche bedeutende Bärenmärkte.

Dazu gehören beispielsweise:

  • die Weltwirtschaftskrise ab 1929
  • die Dotcom-Krise ab 2000
  • die Finanzkrise 2007/2008
  • der Corona-Crash 2020

Diese Phasen unterscheiden sich erheblich in Ursache, Dauer und Geschwindigkeit.

Besonders interessant ist der Unterschied zwischen einem klassischen, länger anhaltenden Bärenmarkt und einem sehr schnellen Crash.

Der Bärenmarkt während der Finanzkrise

Die Finanzkrise 2008 ist eines der bekanntesten Beispiele.

Probleme im US-Immobilienmarkt und im Finanzsystem führten zu massiven Verwerfungen.

Aktienmärkte weltweit verloren deutlich an Wert.

Banken gerieten unter Druck.

Die Unsicherheit stieg massiv.

Für Anleger war die Phase psychologisch besonders schwierig, weil selbst zwischenzeitliche Erholungen häufig nicht dauerhaft waren.

Der Bärenmarkt während der Dotcom-Krise

Ende der 1990er-Jahre stiegen Technologieaktien teilweise extrem stark.

Die Erwartungen an das Internet und neue Geschäftsmodelle waren enorm.

Als sich zeigte, dass viele Unternehmen die hohen Erwartungen nicht erfüllen konnten, drehte die Stimmung.

Der Nasdaq fiel massiv.

Die Dotcom-Krise zeigt, dass ein Bärenmarkt häufig auf eine vorherige Phase starker Euphorie folgen kann.

Corona-Crash 2020

Der Börsencrash im Frühjahr 2020 war ein besonders schnelles Beispiel für eine extreme Abwärtsbewegung.

Innerhalb kurzer Zeit verloren zahlreiche Aktienindizes massiv an Wert.

Gleichzeitig folgte eine außergewöhnlich schnelle Erholung.

Genau dieses Beispiel zeigt, warum die reine Betrachtung historischer Kursrückgänge nicht ausreicht.

Nicht jeder Bärenmarkt verläuft gleich.

Bärenmarkt und langfristiges Investieren

Für langfristige Anleger kann ein Bärenmarkt besonders unangenehm sein.

Das Depot verliert möglicherweise über Monate oder Jahre an Wert.

Gleichzeitig können fallende Kurse aber auch niedrigere Einstiegspreise schaffen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Kursrückgang automatisch eine Kaufchance darstellt.

Ein Unternehmen kann während eines Bärenmarktes nicht nur günstiger, sondern auch fundamental schwächer geworden sein.

Deshalb sollte zwischen:

„Der Kurs ist gefallen“

und:

„Die Aktie ist fundamental attraktiver bewertet“

unterschieden werden.

Bärenmarkt und Diversifikation

Ein Bärenmarkt zeigt häufig auch die Grenzen einer scheinbaren Diversifikation.

Wenn mehrere Positionen stark von demselben wirtschaftlichen Faktor abhängig sind, können sie gleichzeitig fallen.

Ein Portfolio aus mehreren Technologieaktien ist beispielsweise nicht automatisch ausreichend diversifiziert, nur weil zehn verschiedene Unternehmen enthalten sind.

Entscheidend ist die tatsächliche Korrelation der Anlagen.

Bärenmarkt und Cash

In einem Bärenmarkt kann Liquidität eine wichtige Rolle spielen.

Wer einen Teil seines Kapitals nicht investiert hat, kann flexibler auf neue Chancen reagieren.

Für Trader bedeutet Cash zudem:

Kein Trade ist ebenfalls eine Entscheidung.

Nicht jede Marktphase muss gehandelt werden.

Wenn Volatilität und Unsicherheit extrem hoch sind und kein sauberes Setup vorhanden ist, kann das Warten sinnvoller sein als ein erzwungener Trade.

Die größten Fehler im Bärenmarkt

Zu früh Long gehen

Ein Markt wirkt billig und wird gekauft, obwohl der Abwärtstrend noch intakt ist.

Jeden Rücksetzer shorten

Nicht jede Erholung endet sofort in einem neuen Tief.

Zu großer Hebel

Starke Gegenbewegungen können Short-Positionen schnell unter Druck setzen.

FOMO auf der Short-Seite

Auch fallende Märkte können das Gefühl erzeugen, eine Bewegung zu verpassen.

Marktstruktur ignorieren

Wer nur auf einzelne Kerzen schaut, kann den übergeordneten Trend übersehen.

Stop Loss verschieben

Ein Verlusttrade wird nicht dadurch besser, dass der Stop immer weiter entfernt wird.

Wie lange dauert ein Bärenmarkt?

Die Dauer kann stark variieren.

Ein Bärenmarkt kann relativ kurz und sehr schnell sein.

Andere Bärenmärkte ziehen sich über mehrere Jahre.

Entscheidend sind unter anderem:

  • Ursache des Rückgangs
  • Wirtschaftslage
  • Geldpolitik
  • Unternehmensgewinne
  • Anlegervertrauen
  • Bewertung der Märkte

Deshalb lässt sich nicht seriös vorhersagen:

„Dieser Bärenmarkt dauert sechs Monate.“

Die Entwicklung muss anhand der tatsächlichen Marktbedingungen beurteilt werden.

Wann endet ein Bärenmarkt?

Auch das lässt sich nicht exakt im Voraus bestimmen.

Mögliche Anzeichen einer Bodenbildung können sein:

  • Abwärtsbewegung verliert Momentum
  • Verkaufsdruck nimmt ab
  • höhere Tiefs entstehen
  • wichtige Widerstände werden zurückerobert
  • Marktbreite verbessert sich
  • Anlegerstimmung stabilisiert sich
  • fundamentale Erwartungen verbessern sich

Keines dieser Signale garantiert einen Boden.

Ein Markt kann mehrfach versuchen, einen Boden auszubilden, bevor der eigentliche Aufwärtstrend beginnt.

Bärenmarkt oder Bodenbildung?

Eine der schwierigsten Aufgaben für Anleger und Trader ist die Unterscheidung zwischen:

„Der Markt fällt nur noch kurz“

und:

„Der Markt bildet tatsächlich einen Boden.“

Ein einzelnes starkes Kaufsignal reicht dafür meistens nicht aus.

Interessanter ist die Entwicklung über mehrere Swing-Punkte.

Beispielsweise:

Lower Low → Higher Low → Higher High

ist strukturell wesentlich aussagekräftiger als eine einzelne grüne Tageskerze nach einem starken Kursverlust.

Fazit: Was ist ein Bärenmarkt?

Ein Bärenmarkt bezeichnet eine länger anhaltende Phase fallender Kurse. Als verbreitete Faustregel gilt bei breiten Aktienindizes ein Rückgang von mindestens 20 % gegenüber einem vorherigen Hoch.

Für Trader ist jedoch nicht nur die Prozentzahl entscheidend.

Viel wichtiger ist die Marktstruktur.

Während ein Bullenmarkt typischerweise durch Higher Highs und Higher Lows gekennzeichnet ist, entstehen im Bärenmarkt häufig Lower Highs und Lower Lows.

Bärenmärkte verlaufen außerdem nicht geradlinig. Zwischen starken Abwärtsbewegungen können kräftige Bärenmarktrallys entstehen. Genau diese Gegenbewegungen machen das Trading anspruchsvoll.

Für Trader können insbesondere Short-Pullbacks, Breakouts und Momentum-Strategien interessant sein. Gleichzeitig sollte das Risiko kontrolliert werden, denn hohe Volatilität und starke Gegenbewegungen können gerade bei gehebelten Produkten schnell zu Verlusten führen.

Auch langfristige Anleger sollten einen Bärenmarkt nicht ausschließlich als Problem betrachten. Fallende Kurse können neue Chancen schaffen – vorausgesetzt, die zugrunde liegenden Vermögenswerte sind weiterhin attraktiv und das eigene Risiko bleibt kontrollierbar.

Am Ende ist deshalb nicht die Frage entscheidend:

„Ist der Markt gerade 20 % gefallen?“

Sondern:

„Welche Marktstruktur liegt vor, warum fällt der Markt und passt meine Strategie zu diesem Umfeld?“

Wer diese Zusammenhänge versteht, kann Bärenmärkte besser einordnen und sowohl Chancen als auch Risiken realistischer beurteilen.