Bullenmarkt

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Steigende Kurse, neue Hochs, optimistische Anleger und immer mehr Käufer: Genau dieses Umfeld wird an den Finanzmärkten als Bullenmarkt bezeichnet.

Der Begriff klingt zunächst eindeutig. Schließlich steigen die Kurse.

In der Praxis ist die Abgrenzung aber etwas schwieriger. Nicht jede starke Rally ist automatisch ein neuer Bullenmarkt. Auch innerhalb eines langfristigen Aufwärtstrends gibt es Korrekturen, Rücksetzer und Phasen, in denen die Stimmung plötzlich kippt.

Für Trader ist deshalb nicht nur die Frage interessant, ob ein Markt steigt. Entscheidend ist auch, wie der Aufwärtstrend aufgebaut ist, welche Marktstruktur dahintersteht und ob eine Bewegung lediglich eine kurzfristige Rally oder Teil eines größeren Bullenmarktes ist.

Was ist ein Bullenmarkt?

Ein Bullenmarkt bezeichnet eine längere Phase steigender Kurse an einem Finanzmarkt. Häufig wird auch der Begriff Hausse verwendet.

Eine allgemein verwendete Faustregel definiert einen Bullenmarkt als einen Anstieg eines breiten Marktindex um mindestens 20 % gegenüber einem vorherigen Tief. Teilweise wird zusätzlich ein Zeitraum von mindestens zwei Monaten verwendet. Diese 20-Prozent-Grenze ist allerdings keine universelle Definition für jeden Markt und jeden Vermögenswert.

Wichtiger als die einzelne Prozentzahl ist deshalb das grundlegende Konzept:

Ein Bullenmarkt ist eine übergeordnete Aufwärtsphase, in der steigende Kurse und eine positive Marktstimmung über einen längeren Zeitraum dominieren.

Dabei kann es durchaus zu zwischenzeitlichen Rücksetzern kommen.

Ein Bullenmarkt bedeutet also nicht:

„Der Markt steigt jeden Tag.“

Vielmehr können sich Aufwärtsbewegungen, Korrekturen und Konsolidierungen abwechseln, während die übergeordnete Struktur bullish bleibt.

Warum heißt es Bullenmarkt?

Der Begriff Bull Market stammt aus der bildhaften Gegenüberstellung von Bulle und Bär.

Ein Bulle greift typischerweise mit einer Aufwärtsbewegung seiner Hörner an. Der Bulle wurde deshalb zum Symbol für steigende Kurse.

Der Bär steht dagegen für fallende Kurse, weil sein typischer Prankenhieb nach unten gerichtet ist. Daraus entstanden die Begriffe:

Bullish = optimistisch bzw. auf steigende Kurse ausgerichtet

Bearish = pessimistisch bzw. auf fallende Kurse ausgerichtet

Diese Begriffe findest du heute praktisch überall im Trading.

Woran erkennt man einen Bullenmarkt?

Ein Bullenmarkt lässt sich nicht allein daran erkennen, dass der Kurs gerade eine grüne Kerze bildet.

Interessanter ist die Struktur des Marktes.

Typische Merkmale sind:

  • langfristig steigende Kurse
  • höhere Hochs
  • höhere Tiefs
  • zunehmendes Anlegervertrauen
  • positive Marktstimmung
  • häufig steigende Unternehmensgewinne
  • starke Nachfrage nach Risikoanlagen
  • zwischenzeitliche Korrekturen innerhalb des Aufwärtstrends

Besonders die Abfolge von Higher Highs und Higher Lows ist für Trader wichtig.

Ein Markt, der immer wieder neue Hochs erreicht und seine Korrekturen oberhalb vorheriger Tiefs beendet, zeigt eine typische Aufwärtsstruktur.

Bullenmarkt einfach am Chart erkennen

Nehmen wir einen fiktiven Index.

Der Markt startet bei:

10.000 Punkten

Er steigt auf:

10.500

korrigiert auf:

10.250

und steigt anschließend auf:

11.000

Danach fällt er auf:

10.700

und erreicht anschließend:

11.500

Die Bewegungen sehen vereinfacht so aus:

10.000 → 10.500 → 10.250 → 11.000 → 10.700 → 11.500

Was fällt auf?

Die Hochs steigen.

Auch die Tiefs steigen.

Genau diese Struktur ist für einen Aufwärtstrend charakteristisch.

Eine Korrektur von 11.000 auf 10.700 bedeutet deshalb nicht automatisch das Ende des Bullenmarktes.

Sie kann schlicht ein Higher Low darstellen.

Bullenmarkt und Aufwärtstrend sind nicht exakt dasselbe

Die Begriffe werden häufig synonym verwendet, obwohl sie unterschiedliche Ebenen beschreiben können.

Ein Aufwärtstrend kann relativ kurzfristig sein.

Beispielsweise kann der Nasdaq auf einem 15-Minuten-Chart über mehrere Stunden steigen.

Das macht daraus noch keinen langfristigen Bullenmarkt.

Ein Bullenmarkt beschreibt normalerweise eine deutlich größere Marktphase.

Du kannst deshalb gleichzeitig Folgendes beobachten:

Langfristiger Bullenmarkt

und innerhalb dieses Bullenmarktes:

kurzfristiger Abwärtstrend

und später:

erneuter kurzfristiger Aufwärtstrend

Das ist einer der Gründe, warum Trader verschiedene Zeitebenen betrachten.

Bullenmarkt vs. Bärenmarkt

Das Gegenstück zum Bullenmarkt ist der Bärenmarkt.

Während im Bullenmarkt steigende Kurse und Optimismus dominieren, sind im Bärenmarkt fallende Kurse und Pessimismus charakteristisch.

Bullenmarkt Bärenmarkt
steigende Kurse fallende Kurse
Higher Highs Lower Lows
Higher Lows Lower Highs
Optimismus Pessimismus
hohe Nachfrage hoher Verkaufsdruck
bullishe Marktstruktur bearishe Marktstruktur

Auch hier gilt: Ein einzelner Rückgang oder Anstieg macht noch keinen vollständigen Wechsel des Marktregimes.

Wie entsteht ein Bullenmarkt?

Ein Bullenmarkt kann aus unterschiedlichen Gründen entstehen.

Häufig spielen mehrere Faktoren gleichzeitig eine Rolle.

Dazu gehören beispielsweise:

  • steigende Unternehmensgewinne
  • bessere Konjunkturerwartungen
  • sinkende Zinsen
  • expansive Geldpolitik
  • steigende Investitionen
  • positive wirtschaftliche Entwicklungen
  • technologische Innovationen
  • hohe Liquidität
  • zunehmendes Anlegervertrauen

Die Börse reagiert dabei nicht ausschließlich auf die aktuelle Wirtschaftslage.

Sehr häufig werden Erwartungen für die Zukunft gehandelt.

Wenn Anleger beispielsweise davon ausgehen, dass sich die Wirtschaft in den kommenden Monaten verbessert, können Aktienkurse bereits steigen, bevor die tatsächlichen Wirtschaftsdaten deutlich besser werden.

Die Rolle der Anlegerpsychologie

Ein Bullenmarkt ist nicht nur ein wirtschaftliches Phänomen.

Auch die Psychologie der Marktteilnehmer spielt eine große Rolle.

Am Anfang eines neuen Aufwärtstrends sind viele Anleger möglicherweise noch skeptisch.

Die Kurse steigen.

Immer mehr Marktteilnehmer erkennen, dass der Trend tatsächlich Bestand haben könnte.

Weitere Käufer kommen hinzu.

Die steigende Nachfrage treibt die Kurse weiter nach oben.

Irgendwann entsteht zunehmend Optimismus.

Später kann daraus Euphorie werden.

Genau an diesem Punkt wird ein Bullenmarkt interessant – aber auch gefährlich.

Denn steigende Kurse können selbst zur Ursache weiterer Käufe werden.

Bullenmarkt und FOMO

Ein wichtiger psychologischer Faktor ist FOMO – Fear of Missing Out.

Wenn Anleger sehen, dass ein Markt bereits stark gestiegen ist, entsteht schnell die Angst:

„Wenn ich jetzt nicht kaufe, verpasse ich die nächste große Bewegung.“

Weitere Käufer kommen in den Markt.

Die Kurse steigen.

Dadurch entsteht wiederum mehr Aufmerksamkeit.

Und diese Aufmerksamkeit kann weitere Käufer anziehen.

Das kann einen Bullenmarkt erheblich verstärken.

Allerdings kann genau dieser Mechanismus später auch zu übertriebenen Bewertungen und spekulativen Übertreibungen führen.

Bullenmarkt und Korrekturen

Eine der wichtigsten Eigenschaften eines Bullenmarktes ist, dass Korrekturen völlig normal sind.

Ein Markt kann beispielsweise 20 % steigen, anschließend 8 % korrigieren und danach weiter steigen.

Die 8-prozentige Korrektur beendet den Bullenmarkt nicht automatisch.

Für Trader ist deshalb die Frage entscheidend:

Ist die übergeordnete Marktstruktur noch intakt?

Ein Rücksetzer kann sogar notwendig sein.

Ohne Korrekturen können Märkte zunehmend überhitzen.

Was ist eine Bullenmarktrally?

Eine Bullenmarktrally beschreibt eine deutliche Aufwärtsbewegung.

Dabei muss eine Rally nicht zwangsläufig den Beginn eines langfristigen Bullenmarktes bedeuten.

Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer Rally innerhalb eines Bullenmarktes und einer Rally innerhalb eines Bärenmarktes.

Denn auch während eines langfristigen Abwärtstrends können die Kurse kräftig steigen.

Eine solche Gegenbewegung wird häufig als Bärenmarktrally bezeichnet.

Das macht die Interpretation von Kursanstiegen schwieriger.

Steigende Kurse allein beweisen noch keinen neuen Bullenmarkt.

Bullenmarkt oder nur Bärenmarktrally?

Das ist eine der schwierigsten Fragen für Trader.

Stell dir einen Index vor, der zuvor von 20.000 auf 15.000 Punkte gefallen ist.

Anschließend steigt er innerhalb weniger Wochen auf 17.500.

Die Bewegung ist beeindruckend.

Trotzdem kann der übergeordnete Abwärtstrend weiterhin bestehen.

Vielleicht bildet der Markt bei 17.500 ein Lower High und fällt anschließend erneut.

Der kurzfristige Aufwärtstrend war dann real.

Aber der langfristige Bärenmarkt wurde dadurch nicht beendet.

Deshalb sollte die Betrachtung immer vom Zeitrahmen abhängen.

Bullenfalle im Bullenmarkt

Auch während bullish wirkender Marktphasen können sogenannte Bullenfallen entstehen.

Bei einer Bullenfalle steigt der Kurs beispielsweise über einen wichtigen Widerstand und erzeugt dadurch den Eindruck eines neuen Aufwärtssignals.

Trader gehen Long.

Doch der Ausbruch scheitert.

Der Kurs fällt zurück und kann anschließend deutlich weiter fallen.

Eine Bullenfalle ist deshalb besonders problematisch für Trader, die Breakouts ohne weitere Bestätigung handeln.

Ein Ausbruch allein reicht nicht immer.

Wie tradet man einen Bullenmarkt?

Ein Bullenmarkt bietet grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten.

Eine klassische Strategie besteht darin, Long-Positionen in Richtung des übergeordneten Trends zu suchen.

Dabei muss nicht versucht werden, das absolute Tief zu erwischen.

Ein Trader kann beispielsweise auf eine Korrektur warten.

Angenommen:

Der Markt befindet sich im Aufwärtstrend.

Dann kommt eine Korrektur.

Der Kurs erreicht eine vorherige Unterstützung.

Dort entsteht ein bullishes Candlestick Pattern.

Der Trader sucht einen Long-Einstieg.

Das Prinzip lautet:

Trend → Korrektur → Unterstützung → Long-Setup

Pullback Trading im Bullenmarkt

Pullbacks gehören zu den bekanntesten Ansätzen für das Trading in einem Aufwärtstrend.

Der Markt steigt nicht einfach linear.

Stattdessen:

Aufwärtsbewegung → Rücksetzer → Aufwärtsbewegung

Der Rücksetzer kann dabei verschiedene Ursachen haben.

Einige Trader nehmen Gewinne mit.

Andere warten auf bessere Einstiegskurse.

Neue Käufer steigen anschließend ein.

Für einen Trader kann genau diese Korrektur interessant sein.

Breakout Trading im Bullenmarkt

Eine weitere Möglichkeit ist das Handeln von Breakouts.

Der Markt bewegt sich beispielsweise mehrere Tage innerhalb einer engen Range.

Dann steigt der Kurs über das Range-Hoch.

Wenn gleichzeitig das Volumen zunimmt und die übergeordnete Marktstruktur bullish ist, kann ein Breakout-Setup entstehen.

Aber auch hier gilt:

Nicht jeder Ausbruch ist ein echter Ausbruch.

Ein schneller Rückfall unter das Ausbruchsniveau kann eine Bullenfalle darstellen.

Trendfolge im Bullenmarkt

Eine klassische Trendfolgestrategie versucht, bestehende Aufwärtsbewegungen zu nutzen.

Hilfsmittel können beispielsweise sein:

  • gleitende Durchschnitte
  • Trendlinien
  • Higher Highs und Higher Lows
  • Marktstruktur
  • Momentum-Indikatoren
  • Unterstützungen
  • Breakouts

Ein Trendfolger versucht dabei nicht unbedingt vorherzusagen, wann der Bullenmarkt beginnt.

Er wartet auf einen erkennbaren Trend und versucht, einen Teil der Bewegung mitzunehmen.

Bullenmarkt mit Moving Averages erkennen

Gleitende Durchschnitte können zur Einordnung eines Trends verwendet werden.

Beispielsweise kann ein Trader beobachten, ob:

  • der Kurs oberhalb eines wichtigen Moving Average liegt,
  • der Moving Average steigt,
  • kurzfristige Durchschnitte oberhalb langfristiger Durchschnitte liegen.

Ein solcher Ansatz kann die Marktstruktur vereinfachen.

Aber auch hier gilt:

Ein Moving Average macht aus einem Markt nicht automatisch einen Bullenmarkt.

Er ist lediglich ein Werkzeug zur Trendanalyse.

Bullenmarkt und Momentum

In einem starken Bullenmarkt kann das Momentum über längere Zeit hoch bleiben.

Das bedeutet:

Der Markt steigt schnell und Rücksetzer werden relativ zügig gekauft.

Das kann dazu führen, dass klassische Overbought-Signale allein wenig aussagekräftig sind.

Ein Markt kann beispielsweise über längere Zeit einen hohen RSI aufweisen und trotzdem weiter steigen.

Das zeigt einen wichtigen Unterschied:

Überkauft bedeutet nicht automatisch „muss fallen“.

In starken Trends können Märkte lange überdehnt wirken.

Bullenmarkt und Short Trading

Ein Bullenmarkt bedeutet nicht, dass Short-Trading unmöglich ist.

Auch innerhalb eines Aufwärtstrends gibt es:

  • Korrekturen
  • Gewinnmitnahmen
  • kurzfristige Abwärtstrends
  • News-Reaktionen
  • Fehlausbrüche

Ein erfahrener Trader kann solche Bewegungen handeln.

Allerdings sollte der übergeordnete Trend berücksichtigt werden.

Ein Short gegen einen starken Bullenmarkt ist grundsätzlich eine andere Ausgangslage als ein Long in Richtung des Trends.

Für viele Trader bedeutet ein Bullenmarkt deshalb vor allem:

Long-Setups haben Priorität, solange die übergeordnete Struktur bullish bleibt.

Bullenmarkt beim Nasdaq

Der Nasdaq ist für Trader besonders interessant, weil Technologie- und Wachstumswerte häufig stark auf Veränderungen bei:

  • Zinsen
  • Liquidität
  • Gewinnerwartungen
  • Technologieinvestitionen
  • Konjunkturerwartungen

reagieren.

In einem starken Aufwärtstrend können Pullbacks und Breakouts deshalb interessante Trading-Situationen darstellen.

Gleichzeitig kann die Volatilität hoch sein.

Ein Bullenmarkt bedeutet nicht automatisch einen einfachen Markt.

Bullenmarkt beim DAX

Auch beim DAX können langfristige Aufwärtsphasen von kurzfristigen Korrekturen unterbrochen werden.

Für Trader ist deshalb die Marktstruktur entscheidend.

Beispielsweise:

Higher High → Higher Low → Higher High

zeigt einen klassischen Aufwärtstrend.

Wird dagegen ein wichtiges Higher Low gebrochen und anschließend kein neues Hoch erreicht, kann sich die Struktur verändern.

Das ist häufig relevanter als eine einzelne rote Tageskerze.

Bullenmarkt bei Gold

Auch bei Gold kann von bullishen Marktphasen gesprochen werden.

Dabei spielen unter anderem folgende Faktoren eine Rolle:

  • Inflationserwartungen
  • Zinsen
  • US-Dollar
  • Zentralbankkäufe
  • geopolitische Unsicherheit
  • Nachfrage nach Absicherung

Für Trader ist allerdings auch hier die technische Marktstruktur entscheidend.

Ein steigender Goldpreis kann beispielsweise kurzfristig korrigieren, ohne dass dadurch der übergeordnete Aufwärtstrend beendet wird.

Bullenmarkt im Forex Trading

Bei Forex ist die Bezeichnung etwas differenzierter.

Eine Währung kann nicht einfach unabhängig von einer anderen steigen.

Wenn EUR/USD steigt, bedeutet das gleichzeitig:

Euro stärker relativ zum US-Dollar

und:

US-Dollar schwächer relativ zum Euro

Deshalb wird im Forex Trading häufig präziser von einem bullishen Trend in einem bestimmten Währungspaar gesprochen.

Beispielsweise:

EUR/USD bullish

bedeutet, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar aufwertet.

Historische Bullenmärkte

Die Börsengeschichte kennt zahlreiche bedeutende Bullenmärkte.

Zu den häufig genannten Beispielen gehören:

  • der Aufschwung der 1920er-Jahre
  • der Nachkriegsboom ab Ende der 1940er-Jahre
  • der langfristige Aufwärtstrend der 1980er- und 1990er-Jahre
  • der Bullenmarkt ab 2009 bis zum Corona-Crash 2020

Die einzelnen Marktphasen unterscheiden sich erheblich.

Einige wurden von starkem Wirtschaftswachstum getragen.

Andere waren stark von technologischem Fortschritt, niedrigen Zinsen oder steigender Liquidität geprägt.

Der Bullenmarkt von 2009 bis 2020

Ein besonders bekanntes Beispiel ist die lange Aufwärtsphase nach der globalen Finanzkrise.

Nach den starken Kursverlusten während der Finanzkrise begann 2009 eine langjährige Aufwärtsbewegung an den US-Aktienmärkten.

Niedrige Zinsen und eine expansive Geldpolitik unterstützten dabei das Marktumfeld.

Die Phase endete mit dem massiven Einbruch zu Beginn der COVID-19-Pandemie 2020.

Interessant daran:

Auch innerhalb dieser langfristigen Hausse gab es zahlreiche deutliche Korrekturen.

Ein langfristiger Bullenmarkt besteht also nicht aus einer geraden Linie nach oben.

Der Bullenmarkt der 1990er-Jahre

Die 1990er-Jahre waren insbesondere durch den starken Aufstieg des Technologiesektors geprägt.

Neue Technologien und das Internet erzeugten hohe Wachstumserwartungen.

Technologieaktien stiegen teilweise massiv.

Gegen Ende des Jahrzehnts wurden die Erwartungen zunehmend spekulativ.

Die anschließende Dotcom-Blase zeigte, dass ein Bullenmarkt auch in eine Phase extremer Überbewertung übergehen kann.

Bullenmarkt und Spekulationsblasen

Ein starker Bullenmarkt kann irgendwann zu einer Euphoriephase führen.

Die Kurssteigerungen selbst werden dann zum Argument für weitere Käufe:

„Der Kurs ist gestiegen, also wird er weiter steigen.“

Das kann zu immer höheren Bewertungen führen.

Neue Anleger kommen hinzu, weil sie die bisherigen Kursgewinne sehen.

Die fundamentale Bewertung rückt möglicherweise in den Hintergrund.

Genau hier entsteht das Risiko einer Spekulationsblase.

Ein Bullenmarkt muss also nicht zwangsläufig mit einer Blase enden.

Aber starke Aufwärtsbewegungen können die Voraussetzungen dafür schaffen.

Wie endet ein Bullenmarkt?

Ein Bullenmarkt kann auf verschiedene Weise enden.

Mögliche Auslöser sind:

  • wirtschaftliche Rezession
  • steigende Zinsen
  • sinkende Unternehmensgewinne
  • starke Überbewertungen
  • Finanzkrisen
  • geopolitische Schocks
  • Liquiditätsentzug
  • Veränderung der Anlegererwartungen

Häufig ist das Ende nicht an einem einzigen Tag erkennbar.

Vielmehr verändert sich die Marktstruktur schrittweise.

Vom Bullenmarkt zum Bärenmarkt

Ein möglicher Übergang kann beispielsweise so aussehen:

Higher Highs

Higher Lows

Trend wird schwächer

Higher Low wird gebrochen

Erstes Lower High

Lower Low

Abwärtstrend

Das ist keine feste Regel.

Aber es zeigt, wie sich eine Marktstruktur grundsätzlich verändern kann.

Für Trader ist deshalb häufig nicht die Frage entscheidend:

„Ist heute der Bullenmarkt vorbei?“

Sondern:

„Welche Marktstruktur zeigt der Chart aktuell?“

Bullenmarkt und Volatilität

Ein verbreiteter Irrtum lautet, Bullenmärkte seien immer ruhig.

Das stimmt nicht.

Auch in einem starken Aufwärtstrend kann die Volatilität erheblich steigen.

Beispielsweise bei:

  • Zentralbankentscheidungen
  • Inflationsdaten
  • Arbeitsmarktdaten
  • geopolitischen Ereignissen
  • Unternehmenszahlen

Ein Bullenmarkt kann deshalb sehr volatil sein.

Der Begriff beschreibt primär die Richtung und übergeordnete Marktphase, nicht eine bestimmte Höhe der Volatilität.

Bullenmarkt und Trading-Strategie

Es gibt nicht die eine perfekte Bullenmarkt-Strategie.

Welche Strategie sinnvoll ist, hängt unter anderem davon ab, ob du:

Ein Scalper interessiert sich vielleicht für kurzfristige Momentum-Bewegungen.

Ein Daytrader sucht Breakouts oder Pullbacks.

Ein Swing Trader kann mehrere Tage oder Wochen innerhalb des übergeordneten Trends handeln.

Ein langfristiger Anleger betrachtet möglicherweise ganz andere Faktoren.

Was sollten Trader im Bullenmarkt beachten?

Ein Bullenmarkt kann sehr verlockend sein.

Genau deshalb steigt das Risiko, irgendwann zu spät hinterherzulaufen.

Wenn ein Markt bereits stark gestiegen ist, bedeutet das nicht automatisch, dass er sofort weiter steigt.

Ein Trader sollte deshalb nicht aus FOMO einen Einstieg erzwingen.

Besser ist es, auf das eigene Setup zu warten.

Das kann beispielsweise eine Korrektur, ein Breakout oder ein klar definiertes Price-Action-Signal sein.

Fazit: Bullenmärkte richtig verstehen

Ein Bullenmarkt bezeichnet eine übergeordnete Phase steigender Kurse und positiver Marktstimmung. Häufig wird als Faustregel ein Anstieg von mindestens 20 % gegenüber einem vorherigen Tief verwendet, wobei diese Definition vor allem für breite Aktienindizes gebräuchlich ist.

Für Trader ist aber mehr entscheidend als die 20-Prozent-Grenze.

Ein echter Aufwärtstrend zeigt sich vor allem in der Marktstruktur:

Higher Highs und Higher Lows.

Korrekturen gehören dabei ganz normal zum Bullenmarkt. Sie bedeuten nicht automatisch, dass der Aufwärtstrend beendet ist.

Interessant wird ein Bullenmarkt insbesondere für Trendfolge-, Pullback- und Breakout-Strategien. Gleichzeitig sollten Trader auf Bullenfallen und übertriebene Euphorie achten.

Denn auch wenn die großen Bewegungen nach oben beeindruckend aussehen:

Ein Bullenmarkt bedeutet nicht, dass jeder Long-Trade funktioniert.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:

„Steigt der Markt?“

Sondern:

„Welche Marktstruktur liegt vor, wo befindet sich der Kurs innerhalb dieser Struktur und passt mein Trading-Setup zu dieser Marktphase?“

Wer diese Unterscheidung versteht, kann Bullenmärkte deutlich besser einordnen – und vermeidet den Fehler, jede kurzfristige Rally bereits als neuen langfristigen Aufwärtstrend zu interpretieren.