Ein guter Trade beginnt nicht mit dem Klick auf „Buy“ oder „Sell“.
Er beginnt viel früher.
Nämlich mit der Frage:
Gibt es überhaupt ein Setup, das meinen Trading-Regeln entspricht?
Genau hier liegt ein Problem vieler Trader. Sie öffnen den Chart, sehen eine Bewegung und suchen anschließend nach einer Begründung für den Einstieg. Ein bisschen Support, ein Indikator, vielleicht noch eine Candlestick-Formation – und schon wird aus einer spontanen Idee ein vermeintliches Trading Setup.
Professionelles Trading funktioniert anders.
Ein Trading Setup ist eine klar definierte Kombination bestimmter Marktbedingungen, die dir sagt, wann ein Trade interessant wird und wann nicht.
Dabei geht es nicht darum, den perfekten Einstieg zu finden oder jeden Trade zu gewinnen.
Es geht darum, ein Setup zu entwickeln, das:
- eindeutig erkennbar ist
- wiederholbar ist
- ein kalkulierbares Risiko besitzt
- zu deinem Trading-Stil passt
- getestet werden kann
In dieser Anleitung zeigen wir dir, wie du in 8 Schritten ein hochwertiges Trading Setup findest und systematisch bewertest.

Was ist ein Trading Setup?
Ein Trading Setup beschreibt die konkreten Bedingungen, unter denen ein Trader einen möglichen Trade sucht.
Ein Setup kann beispielsweise aus folgenden Elementen bestehen:
Trend + Support + Pullback + Price Action + Breakout
Oder:
Range + Widerstand + Fehlausbruch + Rejection
Oder:
Liquiditätsbruch + Retest + Marktstruktur + Einstiegssignal
Das Setup selbst ist dabei noch nicht zwangsläufig der Trade.
Es definiert zunächst:
Unter welchen Bedingungen möchte ich überhaupt handeln?
Erst wenn diese Bedingungen erfüllt sind, kommt der konkrete Einstieg.
Was macht ein gutes Trading Setup aus?
Ein gutes Trading Setup sollte möglichst objektiv beschrieben werden können.
Statt:
„Der Chart sieht gerade bullish aus.“
besser:
„Der Markt befindet sich auf dem 15-Minuten-Chart in einem Aufwärtstrend, bildet nach einem Pullback ein Higher Low und bricht anschließend das vorherige Swing High.“
Das zweite Beispiel lässt sich deutlich besser testen.
Ein gutes Setup sollte deshalb möglichst konkrete Regeln besitzen.
Dazu gehören:
- Markt
- Zeitrahmen
- Handelszeit
- Trend
- Setup-Bedingungen
- Entry
- Stop Loss
- Take Profit
- Positionsgröße
- Ausschlusskriterien
Schritt 1: Wähle den richtigen Markt
Bevor du nach einem Setup suchst, musst du entscheiden, was du überhaupt handeln möchtest.
Nicht jeder Markt verhält sich gleich.
Forex, Gold, Nasdaq, DAX, Aktien und Futures haben unterschiedliche Eigenschaften.
Beispielsweise kann der Nasdaq innerhalb kurzer Zeit sehr dynamische Bewegungen zeigen.
Gold kann ebenfalls starke Bewegungen produzieren und reagiert häufig empfindlich auf wichtige US-Daten.
Forex-Paare bewegen sich wiederum in anderen Strukturen und Handelszeiten.
Deshalb solltest du nicht versuchen, eine Strategie blind auf alles anzuwenden.
Beispiel
Du möchtest Daytrading betreiben und entscheidest dich für:
Nasdaq
Jetzt kannst du deine Strategie gezielt auf diesen Markt testen.
Das ist deutlich sinnvoller als:
„Ich trade einfach alles, was sich gerade bewegt.“
Weniger Märkte können mehr sein
Gerade beim Aufbau eines Trading-Systems kann es sinnvoll sein, zunächst wenige Märkte zu beobachten.
Beispielsweise:
Nasdaq + Gold
oder:
EUR/USD + GBP/USD
So lernst du typische Bewegungsmuster kennen, anstatt ständig zwischen völlig unterschiedlichen Märkten zu wechseln.
Schritt 2: Definiere deinen Trading-Zeitrahmen
Als Nächstes brauchst du einen klaren Zeitrahmen.
Willst du:
- Scalping betreiben?
- Daytrading?
- Swing Trading?
Davon hängt ab, wie dein Setup aussehen kann.
Scalping
Trades dauern teilweise nur wenige Minuten.
Daytrading
Positionen werden typischerweise innerhalb des Handelstages eröffnet und geschlossen.
Swing Trading
Trades können mehrere Tage oder länger gehalten werden.
Ein Setup, das auf dem 5-Minuten-Chart funktioniert, muss nicht automatisch auf dem Tageschart funktionieren.
Deshalb solltest du deine Strategie immer in Verbindung mit einem konkreten Zeitrahmen definieren.
Schritt 3: Bestimme den Markt-Kontext
Jetzt kommt einer der wichtigsten Punkte:
Was macht der Markt gerade?
Bevor du einen Einstieg suchst, solltest du den übergeordneten Kontext bestimmen.
Ist der Markt:
- bullish?
- bearish?
- seitwärts?
- volatil?
- ruhig?
- in einer Range?
- nach einem starken Impuls in einer Korrektur?
Ein identisches Chartmuster kann je nach Kontext völlig unterschiedlich bewertet werden.
Beispiel
Der Nasdaq befindet sich in einem starken Aufwärtstrend.
Dann entsteht ein kleiner Rücksetzer.
Ein Long-Setup nach diesem Pullback kann interessant sein.
Im Gegensatz dazu:
Der Nasdaq befindet sich in einer engen Range.
Das gleiche Signal taucht mitten in der Range auf.
Die Ausgangslage ist völlig anders.
Deshalb:
Erst Kontext, dann Setup.
Schritt 4: Suche nach relevanten Levels
Jetzt markierst du Bereiche, an denen der Markt bereits reagiert hat.
Dazu gehören beispielsweise:
- Support
- Resistance
- vorherige Hochs
- vorherige Tiefs
- Tageshoch
- Tagestief
- Session High
- Session Low
- wichtige Swing Points
- Breakout-Level
- Liquiditätsbereiche
Diese Levels helfen dir dabei, den Chart zu strukturieren.
Beispiel
Der Nasdaq notiert bei:
20.100
Du erkennst einen wichtigen Widerstand bei:
20.150
Jetzt weißt du:
Ein Long-Einstieg direkt unter 20.150 könnte weniger interessant sein, wenn dort bereits Verkaufsdruck aufgetreten ist.
Ein Breakout über 20.150 könnte dagegen ein völlig anderes Setup darstellen.
Schritt 5: Warte auf dein eigentliches Setup
Jetzt wird es interessant.
Du hast:
Markt
Zeitrahmen
Kontext
wichtige Levels
Jetzt wartest du auf deine konkrete Formation.
Ein Setup könnte beispielsweise so aussehen:
- Aufwärtstrend
- Widerstand wird gebrochen
- Kurs läuft zurück
- Retest des ehemaligen Widerstands
- Käufer übernehmen wieder
- Long-Einstieg
Das Entscheidende:
Du musst nicht jede Bewegung handeln.
Du wartest auf genau die Konstellation, die du vorher definiert hast.
Beispiel: Breakout & Retest
Nehmen wir einen Widerstand bei:
100
Der Markt handelt mehrere Stunden darunter.
Dann steigt der Kurs:
99 → 100 → 101
Der Widerstand wurde gebrochen.
Jetzt könnte der Trader sofort kaufen.
Oder er wartet auf einen Retest.
Der Kurs fällt zurück:
101 → 100,20 → 100,05
Der ehemalige Widerstand hält.
Anschließend entsteht erneut Kaufdruck.
Jetzt liegt ein klareres Setup vor:
Breakout → Retest → Bestätigung → Einstieg
Das ist deutlich strukturierter als:
„Der Kurs steigt, ich kaufe.“
Schritt 6: Definiere den Einstieg
Jetzt brauchst du eine klare Entry-Regel.
Das klingt banal, ist aber enorm wichtig.
Denn:
„Ich steige ein, wenn es gut aussieht.“
ist keine Trading-Regel.
Eine bessere Regel wäre beispielsweise:
Long-Einstieg nach Breakout und Retest, wenn das Hoch der Bestätigungskerze überschritten wird.
Oder:
Short-Einstieg, wenn das letzte Swing Low nach einem Pullback gebrochen wird.
Oder:
Entry beim Ausbruch aus der definierten Range.
Je genauer deine Regel ist, desto besser kannst du sie später testen.
Market Order oder Pending Order?
Je nach Setup kannst du unterschiedliche Ordertypen verwenden.
Bei einem Breakout kann beispielsweise eine:
Buy Stop Order
interessant sein.
Bei einem bearishen Breakout:
Bei einem Pullback:
Die Orderart sollte dabei zu deinem Setup passen.
Schritt 7: Stop Loss und Risiko bestimmen
Jetzt kommt der Teil, den viele Trader zu spät berücksichtigen.
Der Stop Loss sollte nicht einfach dort liegen, wo du bereit bist, „irgendwie“ ausgestoppt zu werden.
Er sollte zur Marktstruktur und deinem Risiko passen.
Beispiel
Long-Einstieg:
100 €
Relevantes Swing Low:
96 €
Stop Loss:
95,80 €
Risiko:
4,20 € pro Einheit
Jetzt kannst du deine Positionsgröße anhand des maximalen Kontorisikos bestimmen.
Angenommen:
Trading-Konto:
10.000 €
Maximales Risiko:
0,5 %
Das entspricht:
50 €
Wenn du pro Einheit 4,20 € riskierst, ergibt sich daraus eine maximal mögliche Positionsgröße von ungefähr:
50 € ÷ 4,20 € = 11,9 Einheiten
In der Praxis musst du natürlich den tatsächlichen Kontrakt- oder Punktwert des gehandelten Instruments berücksichtigen.
Wichtig
Nicht die Positionsgröße bestimmt dein Risiko.
Du solltest das Risiko zuerst festlegen und anschließend die Positionsgröße berechnen.
Schritt 8: Take Profit und CRV festlegen
Jetzt fehlt noch der mögliche Ausstieg.
Dabei solltest du nicht einfach sagen:
„Ich nehme 100 Punkte.“
Das Kursziel sollte ebenfalls zum Setup passen.
Mögliche Ziele können sein:
- vorheriges Hoch
- vorheriges Tief
- Support
- Resistance
- Liquiditätsbereich
- Range-Grenze
- fest definiertes CRV
Beispiel
Entry:
100
Stop Loss:
95
Risiko:
5 Punkte
Take Profit:
110
Chance:
10 Punkte
Damit ergibt sich:
CRV = 1:2
Du riskierst also 5 Punkte, um 10 Punkte mögliche Bewegung zu handeln.
Das Trading Setup ist jetzt komplett
Du hast nun:
1. Markt
Nasdaq
2. Zeitrahmen
15 Minuten
3. Kontext
Aufwärtstrend
4. Level
Widerstand bei 20.150
5. Setup
Breakout & Retest
6. Entry
Bestätigung nach Retest
7. Stop Loss
Unter dem relevanten Swing Low
8. Take Profit
Nächstes relevantes Kursziel
Jetzt hast du nicht mehr einfach eine Trading-Idee.
Du hast ein regelbasiertes Trading Setup.
Ein komplettes Beispiel
Nehmen wir einen fiktiven Nasdaq-Trade.
Ausgangslage
Der Nasdaq befindet sich im 15-Minuten-Chart in einem Aufwärtstrend.
Ein Widerstand liegt bei:
20.000
Der Markt testet diesen Bereich mehrfach.
Breakout
Der Kurs steigt auf:
20.050
Der Widerstand wurde gebrochen.
Retest
Der Nasdaq fällt zurück auf:
20.005
Der ehemalige Widerstand hält.
Bestätigung
Eine bullishe Kerze entsteht.
Das Hoch der Kerze wird bei:
20.025
gebrochen.
→ Long-Einstieg bei 20.025
Stop Loss
Relevantes Swing Low:
19.950
→ Stop Loss bei:
19.940
Risiko:
85 Punkte
Kursziel
Nächstes relevantes Hoch:
20.280
Potenzielle Bewegung:
255 Punkte
Damit ergibt sich ungefähr:
CRV 1:3
Das ist ein Beispiel für ein vollständig definiertes Setup.
Das beste Trading Setup existiert nicht
Der Titel „das beste Trading Setup“ klingt zunächst so, als gäbe es eine geheime Formation, die besser funktioniert als alle anderen.
So funktioniert Trading nicht.
Es gibt nicht das eine perfekte Setup.
Ein Breakout-Setup kann hervorragend zu einem Momentum-Trader passen.
Ein Pullback-Setup kann für einen Trendfolger sinnvoller sein.
Ein Range-Trader arbeitet möglicherweise lieber mit Rejections an den Grenzen einer Seitwärtsphase.
Das beste Setup ist deshalb dasjenige, das:
zu deinem Markt, deinem Trading-Stil und deinen getesteten Regeln passt.
Ein Setup muss nicht kompliziert sein
Viele Trader glauben, eine profitable Strategie müsse aus möglichst vielen Bedingungen bestehen.
Beispielsweise:
- RSI unter 30
- MACD-Crossover
- EMA 20 über EMA 50
- Preis über VWAP
- Volumen über Durchschnitt
- Bollinger Band
- Fibonacci 61,8 %
- Support
- Candlestick Pattern
Das Problem:
Je mehr Bedingungen du verlangst, desto weniger Trades entstehen.
Und irgendwann wird das Setup so speziell, dass es im Backtest zwar hervorragend aussieht, in der Realität aber kaum noch vorkommt.
Ein gutes Setup darf einfach sein.
Entscheidend ist nicht die Anzahl der Regeln.
Entscheidend ist deren Qualität.
Trading Setup mit oder ohne Indikatoren?
Ein Trading Setup kann komplett ohne Indikatoren funktionieren.
Beispielsweise:
Marktstruktur + Support & Resistance + Price Action
Du kannst aber auch gezielt Indikatoren ergänzen.
Zum Beispiel:
VWAP → Intraday-Kontext
EMA → Trend
ATR → Volatilität
Dabei sollte jeder Indikator eine klare Aufgabe haben.
Wenn du nicht erklären kannst, warum ein Indikator Bestandteil deiner Strategie ist, brauchst du ihn wahrscheinlich nicht.
Trading Setup anhand von Marktstruktur
Eine besonders interessante Möglichkeit besteht darin, das Setup direkt aus der Preisstruktur abzuleiten.
Beispiel:
Der Markt bildet:
Higher High → Higher Low → Higher High
Dann kommt eine Korrektur.
Der Trader wartet auf:
Higher Low
und anschließend den Bruch des letzten kurzfristigen Hochs.
Das Setup lautet damit:
Aufwärtstrend → Pullback → Higher Low → Breakout
Kein komplizierter Indikator notwendig.
Trading Setup für Breakouts
Breakouts gehören zu den bekanntesten Trading Setups.
Eine mögliche Struktur:
- Markt bildet eine Range.
- Widerstand wird mehrfach getestet.
- Volatilität nimmt ab.
- Kurs bricht aus.
- Ausbruch wird bestätigt.
- Einstieg.
- Stop unterhalb der Breakout-Struktur.
- Ziel am nächsten relevanten Level.
Aber auch hier gilt:
Nicht jeder Ausbruch ist ein guter Breakout.
Ein Markt kann kurz über ein Level steigen und sofort wieder zurückfallen.
Das ist ein klassischer Fakeout.
Trading Setup für Pullbacks
Bei einem Pullback-Setup wird nicht der erste Impuls gehandelt.
Stattdessen wartest du auf eine Korrektur.
Beispiel:
Der Markt steigt:
100 → 105 → 110
Anstatt bei 110 hinterherzulaufen, wartest du auf einen Rücksetzer.
Der Markt fällt auf:
107
und zeigt dort erneut Stärke.
Jetzt entsteht möglicherweise ein Long-Setup.
Der Vorteil:
Du handelst nicht unbedingt mitten in der Bewegung, sondern wartest auf eine strukturierte Korrektur.
Trading Setup für Fehlausbrüche
Auch ein Fakeout kann ein Setup sein.
Beispiel:
Widerstand:
100
Der Markt steigt kurz auf:
102
Anschließend fällt er zurück unter:
100
Der Ausbruch wurde negiert.
Ein Trader könnte nun – abhängig von seinen Regeln – einen Short-Einstieg suchen.
Das Setup wäre:
Breakout → Rejection → Rückkehr unter Level → Short
Gerade hier ist die Bestätigung wichtig.
Trading Setup mit mehreren Zeiteinheiten
Eine weitere Möglichkeit ist die Analyse mehrerer Timeframes.
Beispielsweise:
1-Stunden-Chart → übergeordneter Trend
15-Minuten-Chart → Setup
5-Minuten-Chart → Einstieg
Das kann helfen, den kurzfristigen Einstieg mit dem übergeordneten Markt-Kontext zu verbinden.
Beispiel:
1-Stunden-Chart:
Aufwärtstrend
15-Minuten-Chart:
Pullback an Support
5-Minuten-Chart:
bullisher Breakout
→ Long-Setup.
Aber auch hier solltest du aufpassen, nicht so viele Zeiteinheiten einzubauen, dass du für jede Entscheidung zehn verschiedene Charts analysieren musst.
Wann ist ein Trading Setup kein Setup?
Das ist mindestens genauso wichtig wie die Frage, wann du handeln solltest.
Kein Setup liegt beispielsweise vor, wenn:
- der Markt mitten in einer Range steht
- dein definiertes Level noch nicht erreicht wurde
- das Risiko zu groß ist
- der Stop Loss keinen sinnvollen Platz hat
- wichtige Marktbedingungen fehlen
- du nur handelst, weil dir langweilig ist
- du einen Verlust zurückholen möchtest
Der beste Trade kann deshalb manchmal sein:
Kein Trade.
Trading Setup Checkliste
Vor jedem Trade kannst du eine einfache Checkliste verwenden:
Markt
Welchen Markt trade ich?
Zeitrahmen
Auf welchem Timeframe entsteht das Setup?
Kontext
Trend oder Range?
Level
Wo befindet sich die relevante Zone?
Setup
Welche Formation muss entstehen?
Entry
Was löst meinen Einstieg aus?
Stop Loss
Wo ist meine Trading-Idee eindeutig falsch?
Risiko
Wie viel Geld riskiere ich?
Ziel
Wo liegt mein realistisches Kursziel?
CRV
Ist das Verhältnis von Risiko und möglicher Chance sinnvoll?
Wenn du diese Fragen nicht beantworten kannst, ist das Setup möglicherweise noch nicht fertig.
Trading Setup testen: Backtesting
Ein Setup ist nicht deshalb gut, weil es auf fünf Charts hintereinander funktioniert hat.
Du brauchst Daten.
Beim Backtesting wird überprüft, wie sich deine Strategie unter historischen Marktbedingungen verhalten hätte.
Dabei solltest du beispielsweise festhalten:
- Anzahl der Trades
- Gewinner
- Verlierer
- Trefferquote
- durchschnittlicher Gewinn
- durchschnittlicher Verlust
- Profit Factor
- maximaler Drawdown
- durchschnittliches CRV
Erst dadurch bekommst du ein realistisches Bild davon, ob dein Setup tatsächlich einen statistischen Vorteil besitzen könnte.
Trefferquote allein sagt nichts aus
Angenommen, deine Strategie gewinnt:
70 % der Trades
Das klingt hervorragend.
Wenn du aber pro Gewinntrade nur:
50 €
verdienst und pro Verlusttrade:
200 €
verlierst, kann die Strategie trotzdem unprofitabel sein.
Umgekehrt kann eine Strategie mit nur:
40 % Trefferquote
profitabel sein, wenn die Gewinner deutlich größer sind als die Verlierer.
Deshalb solltest du beim Testen nicht nur auf die Trefferquote schauen.
Trading Setup und Erwartungswert
Ein wichtiger Begriff ist der Erwartungswert.
Vereinfacht:
Erwartungswert = Trefferquote × durchschnittlicher Gewinn − Verlustquote × durchschnittlicher Verlust
Beispiel:
Trefferquote:
40 %
Durchschnittlicher Gewinn:
300 €
Verlustquote:
60 %
Durchschnittlicher Verlust:
100 €
Dann:
0,40 × 300 € − 0,60 × 100 € = 60 €
Der durchschnittliche Erwartungswert wäre in diesem vereinfachten Beispiel:
+60 € pro Trade
Natürlich sind reale Trading-Ergebnisse komplexer und unterliegen Gebühren, Slippage und Schwankungen.
Aber das Beispiel zeigt:
Du musst nicht jeden zweiten Trade gewinnen, um langfristig einen positiven Erwartungswert zu haben.
Trading Setup und Overfitting
Beim Backtesting lauert eine weitere Gefahr:
Overfitting.
Du passt deine Strategie so lange an historische Daten an, bis sie perfekt funktioniert.
Beispielsweise:
„Der Einstieg funktioniert nur dienstags zwischen 9:15 und 10:05 Uhr, wenn der RSI zwischen 47 und 53 liegt und der EMA exakt 18 Perioden verwendet.“
Auf historischen Daten kann das hervorragend aussehen.
In der Zukunft kann das Setup jedoch komplett versagen.
Warum?
Weil du möglicherweise nicht einen echten Vorteil gefunden hast, sondern die Vergangenheit überoptimiert hast.
Trading Setup im Demokonto testen
Nach dem Backtesting kann ein Test unter realistischeren Bedingungen sinnvoll sein.
Ein Demokonto kann dabei helfen, die Regeln praktisch umzusetzen.
Dabei solltest du nicht nur beobachten:
„Habe ich Geld verdient?“
Sondern:
„Habe ich meine Regeln eingehalten?“
Denn eine Strategie kann statistisch funktionieren, während der Trader sie in der Praxis ständig verändert.
Trading Setup dokumentieren
Ein Trading Journal ist dafür extrem hilfreich.
Notiere beispielsweise:
Datum
Markt
Zeit
Setup
Entry
Stop Loss
Take Profit
Ergebnis
Screenshot
Emotionen
Regel eingehalten?
Nach 50 oder 100 Trades erkennst du möglicherweise Muster, die du bei einzelnen Trades niemals sehen würdest.
Vielleicht stellst du fest:
- Breakouts funktionieren besser als Pullbacks
- bestimmte Handelszeiten sind schwächer
- bestimmte Märkte funktionieren besser
- du gehst zu früh aus Trades
- du handelst bestimmte Setups zu aggressiv
Genau dadurch wird aus Trading Erfahrung auswertbare Erfahrung.
Das beste Trading Setup entsteht durch Testen
Du musst nicht von Anfang an das perfekte Setup kennen.
Ein sinnvoller Prozess ist:
Idee → Regeln → Backtesting → Auswertung → Optimierung → Forward Test → Umsetzung
So entsteht nach und nach ein Trading-System.
Nicht durch das Suchen nach dem nächsten „Geheimindikator“.
8 Schritte zum Trading Setup im Überblick
| Schritt | Frage |
|---|---|
| 1. Markt wählen | Was trade ich? |
| 2. Zeitrahmen bestimmen | Wie lange halte ich Positionen? |
| 3. Kontext analysieren | Trend, Range oder Übergang? |
| 4. Levels markieren | Wo liegen wichtige Bereiche? |
| 5. Setup abwarten | Welche Formation brauche ich? |
| 6. Einstieg definieren | Was löst den Trade aus? |
| 7. Risiko planen | Wo liegt mein Stop und wie groß ist die Position? |
| 8. Ziel definieren & testen | Wo steige ich aus und funktioniert das Setup statistisch? |
Fazit: So findest du ein gutes Trading Setup
Das beste Trading Setup findest du nicht, indem du möglichst viele Charts durchsuchst und irgendwann eine Formation entdeckst, die gut aussieht.
Du entwickelst es systematisch.
Die acht Schritte sind:
1. Markt auswählen
2. Zeitrahmen definieren
3. Markt-Kontext bestimmen
4. Relevante Levels markieren
5. Auf dein Setup warten
6. Einstieg exakt definieren
7. Stop Loss und Risiko festlegen
8. Kursziel bestimmen und das Setup testen
Der wichtigste Schritt ist dabei vielleicht sogar Nummer fünf:
Warten.
Du musst nicht handeln, nur weil der Markt geöffnet ist.
Ein Trading Setup entsteht erst dann, wenn deine vorher definierten Bedingungen tatsächlich erfüllt sind.
Und genau das ist der Unterschied zwischen:
„Ich glaube, der Markt steigt.“
und:
„Mein Setup ist erfüllt. Meine Entry-Regel wurde ausgelöst. Mein Risiko ist definiert. Jetzt kann ich den Trade ausführen.“
Das Ziel ist deshalb nicht, das perfekte Setup zu finden.
Das Ziel ist ein Setup, das du klar erkennen, konsequent handeln und statistisch überprüfen kannst.