Gap Trading

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Ein Markt schließt am Vorabend bei einem bestimmten Kurs und eröffnet am nächsten Handelstag deutlich höher oder niedriger. Zwischen Schlusskurs und Eröffnung entsteht eine Lücke im Chart.

Diese Kurslücke wird als Gap bezeichnet.

Für Trader können solche Gaps interessante Trading-Möglichkeiten bieten. Gleichzeitig entstehen durch die schnelle Kursbewegung besondere Risiken. Ein Gap bedeutet deshalb nicht automatisch, dass der Markt anschließend wieder zu seinem vorherigen Schlusskurs zurückkehrt.

Gap Trading beschäftigt sich genau mit diesen Kurslücken und den Bewegungen, die daraus entstehen können.

Was ist ein Gap im Trading?

Ein Gap bezeichnet eine Kurslücke zwischen zwei aufeinanderfolgenden Kursbereichen, in denen über einen bestimmten Zeitraum kein Handel zu den dazwischenliegenden Preisen stattgefunden hat.

Besonders häufig sind Gaps bei Märkten zu beobachten, die nicht durchgehend gehandelt werden.

Bei Aktien kann beispielsweise der Börsenschluss am Freitag bei 100 Euro liegen. Am Montag eröffnet die Aktie aufgrund neuer Nachrichten bei 106 Euro.

Zwischen 100 und 106 Euro entsteht eine Kurslücke.

Bei Märkten mit nahezu durchgehendem Handel, beispielsweise vielen Forex-Märkten, treten klassische Gaps deutlich seltener auf. Rund um das Wochenende können sie jedoch ebenfalls entstehen.

Wie entstehen Gaps?

Gaps entstehen häufig durch eine starke Veränderung der Erwartungen zwischen zwei Handelsperioden.

Das kann beispielsweise durch Unternehmensnachrichten, Wirtschaftsdaten, politische Ereignisse oder überraschende Entwicklungen an anderen Märkten ausgelöst werden.

Bei Aktien können Quartalszahlen oder Übernahmegerüchte eine Rolle spielen.

Bei Indizes können wichtige Konjunkturdaten oder Zentralbankentscheidungen starke Bewegungen verursachen.

Der Markt eröffnet dann möglicherweise deutlich oberhalb oder unterhalb des vorherigen Schlusskurses.

Welche Arten von Gaps gibt es?

Nicht jedes Gap besitzt dieselbe Bedeutung.

In der technischen Analyse werden verschiedene Gap-Arten unterschieden.

Dazu gehören unter anderem Common Gaps, Breakaway Gaps, Runaway Gaps und Exhaustion Gaps.

Die Einordnung hängt davon ab, wo das Gap innerhalb der aktuellen Marktstruktur entsteht und wie sich der Kurs anschließend entwickelt.

Common Gap

Ein Common Gap entsteht häufig innerhalb einer bestehenden Seitwärtsbewegung und besitzt vergleichsweise wenig Aussagekraft.

Solche Gaps können beispielsweise durch eine kurzfristige Veränderung des Handelsinteresses entstehen.

Da sie häufig innerhalb einer bestehenden Range auftreten, werden sie von Tradern teilweise für kurzfristige Gap-Strategien beobachtet.

Breakaway Gap

Ein Breakaway Gap entsteht typischerweise beim Ausbruch aus einer wichtigen Chartformation oder Handelsspanne.

Der Kurs verlässt dabei einen Bereich mit hoher Relevanz und eröffnet deutlich außerhalb der bisherigen Struktur.

Ein solches Gap kann auf eine stärkere Veränderung der Marktstruktur hindeuten.

Trader sollten jedoch nicht allein aufgrund des Gaps in den Markt einsteigen.

Entscheidend ist, ob der Ausbruch durch weitere Faktoren bestätigt wird.

Runaway Gap

Ein Runaway Gap tritt häufig innerhalb eines bereits bestehenden Trends auf.

Der Markt bewegt sich beispielsweise bereits deutlich nach oben und eröffnet anschließend nochmals mit einer Kurslücke.

Das kann auf eine starke Dynamik im bestehenden Trend hindeuten.

Solche Gaps werden deshalb häufig auch als Continuation Gaps bezeichnet.

Exhaustion Gap

Ein Exhaustion Gap kann gegen Ende einer starken Bewegung auftreten.

Der Markt eröffnet beispielsweise noch einmal deutlich höher, obwohl sich der Trend bereits weit entwickelt hat.

Anschließend verliert die Bewegung an Dynamik oder dreht.

Ein solches Gap kann deshalb im Zusammenhang mit einer möglichen Trendwende interessant sein.

Allerdings lässt sich im Moment der Entstehung nicht sicher sagen, ob es sich tatsächlich um ein Erschöpfungs-Gap handelt.

Erst die anschließende Kursentwicklung liefert weitere Informationen.

Was bedeutet Gap Close?

Der Begriff Gap Close bezeichnet die Situation, in der der Kurs den Bereich der vorher entstandenen Kurslücke wieder vollständig durchläuft.

Angenommen, eine Aktie schließt bei 100 Euro und eröffnet am nächsten Tag bei 105 Euro.

Wenn der Kurs anschließend wieder auf 100 Euro fällt, wurde das Gap geschlossen.

Daraus entstand die Idee verschiedener Gap-Filling-Strategien.

Wichtig ist jedoch:

Nicht jedes Gap wird geschlossen.

Ein Gap kann sehr lange bestehen bleiben oder sich sogar zu einer starken Trendbewegung entwickeln.

Warum schließen sich manche Gaps?

Ein Gap kann geschlossen werden, wenn die ursprüngliche Marktbewegung nicht nachhaltig ist und sich die Erwartungen der Marktteilnehmer wieder verändern.

Beispielsweise kann ein Markt nach einem starken Eröffnungssprung zunächst Käufer anziehen. Bleibt anschließend aber die Anschlussbewegung aus, können Verkäufer die Kontrolle übernehmen.

Der Kurs bewegt sich zurück in Richtung des vorherigen Schlusskurses.

Das ist jedoch nur eine mögliche Entwicklung.

Ein Gap Close darf niemals als sicher angenommen werden.

Gap Trading Strategie: Gap Fill

Eine bekannte Gap-Trading-Strategie basiert auf der Annahme, dass sich der Kurs nach einem Gap wieder in Richtung des vorherigen Schlusskurses bewegt.

Bei einem Gap nach oben würde ein Trader beispielsweise nach Short-Signalen suchen.

Bei einem Gap nach unten könnte nach Long-Signalen gesucht werden.

Entscheidend ist dabei, nicht blind gegen das Gap zu handeln.

Ein sinnvoller Ansatz kann darin bestehen, zunächst abzuwarten, ob sich tatsächlich eine Umkehrstruktur entwickelt.

Beispiel für eine Gap-Fill-Strategie

Eine Aktie schließt am Vortag bei 100 Euro.

Am nächsten Morgen eröffnet sie bei 106 Euro.

Das Gap beträgt damit 6 Euro.

Der Trader eröffnet nicht sofort eine Short-Position.

Stattdessen wartet er beispielsweise darauf, dass der Markt nach dem Gap zunächst Stärke zeigt, anschließend ein relevantes Intraday-Level verliert und eine Umkehrstruktur entsteht.

Erst dann entsteht ein mögliches Short-Setup.

Der Stop-Loss wird anhand der vorher definierten Marktstruktur gesetzt.

Damit wird aus der bloßen Beobachtung eines Gaps ein konkreter Trading-Prozess.

Gap-and-Go Strategie

Das Gegenstück zur Gap-Fill-Strategie ist die Gap-and-Go-Strategie.

Hier wird davon ausgegangen, dass das Gap nicht geschlossen wird, sondern die Bewegung weiterläuft.

Ein Markt eröffnet beispielsweise deutlich oberhalb des Vortagesschlusses und zeigt anschließend weiterhin starke Nachfrage.

Statt auf eine Rückkehr zum Schlusskurs zu spekulieren, sucht der Trader nach einer Fortsetzung der Bewegung.

Diese Strategie wird besonders häufig im kurzfristigen Aktien- und Index-Trading beobachtet.

Gap Breakout Trading

Ein Gap kann auch als Ausgangspunkt für einen Breakout dienen.

Entscheidend ist dabei die Eröffnungsrange.

Der Trader wartet beispielsweise die ersten Minuten nach Markteröffnung ab und definiert daraus eine Range.

Bricht der Markt anschließend mit hoher Dynamik aus dieser Range aus, kann daraus ein Trading-Setup entstehen.

Das Gap liefert dabei den Kontext, während die anschließende Marktstruktur das eigentliche Signal liefert.

Gaps und Volumen

Volumen kann bei der Analyse von Gaps eine interessante zusätzliche Information liefern.

Ein Gap mit deutlich erhöhtem Handelsvolumen kann auf eine starke Beteiligung der Marktteilnehmer hindeuten.

Besonders interessant wird die Kombination aus Gap, Volumen und Preisstruktur.

Ein Markt eröffnet beispielsweise deutlich höher, erreicht ein neues Hoch und wird gleichzeitig von hohem Volumen begleitet.

Ob daraus eine Fortsetzung oder eine Umkehr entsteht, muss anhand der weiteren Kursentwicklung beurteilt werden.

Volumen allein ist kein Kaufsignal.

Gaps und News Trading

Viele größere Gaps entstehen durch Nachrichten.

Das kann bei Aktien beispielsweise durch Unternehmenszahlen oder Nachrichten über eine Übernahme geschehen.

Bei Indizes können makroökonomische Daten eine Rolle spielen.

Gerade solche Gaps können besonders volatil sein.

Für Trader bedeutet das:

Je größer die erwartete Bewegung, desto wichtiger wird das Risikomanagement.

Ein großer Gap kann zwar interessante Chancen bieten, aber gleichzeitig zu schnellen und schwer kontrollierbaren Bewegungen führen.

Gap Trading bei Aktien

Aktien gehören zu den beliebtesten Märkten für Gap Trading.

Der Grund ist einfach:

Aktienmärkte haben feste Handelszeiten.

Nach Handelsschluss können Nachrichten veröffentlicht werden, während die Aktie selbst nicht gehandelt wird.

Bei der nächsten Börseneröffnung wird die neue Information in den Preis eingearbeitet.

Dadurch können deutliche Kurslücken entstehen.

Besonders bei stark gehandelten Aktien lassen sich solche Bewegungen gut beobachten.

Gap Trading beim Nasdaq

Auch beim Nasdaq sind Gaps im kurzfristigen Trading interessant.

Der Nasdaq kann nach wichtigen Nachrichten oder aufgrund der Entwicklung anderer Märkte deutlich oberhalb oder unterhalb des vorherigen Schlusskurses eröffnen.

Trader beobachten deshalb häufig die Eröffnung, die erste Handelsrange und die Reaktion des Marktes auf wichtige Kursbereiche.

Eine mögliche Strategie besteht darin, nicht das Gap selbst zu handeln, sondern die Marktstruktur nach dem Gap.

Gap Trading beim DAX

Auch der DAX kann mit Kurslücken eröffnen.

Besonders nach dem Wochenende können Nachrichten aus den USA, Asien oder Europa die Erwartungen für den deutschen Aktienmarkt verändern.

Ein DAX-Gap kann deshalb sowohl für kurzfristiges Trading als auch für die Analyse der Marktstimmung interessant sein.

Auch hier gilt:

Ein Gap allein liefert keine zuverlässige Prognose für die weitere Richtung.

Gap Trading im Forex

Beim Forex Trading sind Gaps seltener als bei Aktien, weil der Devisenmarkt während der Woche nahezu rund um die Uhr gehandelt wird.

Typischerweise können Gaps vor allem nach dem Wochenende entstehen.

Wenn sich die Erwartungen der Marktteilnehmer zwischen Freitagabend und Montagmorgen stark verändern, kann der Markt mit einer deutlichen Kurslücke eröffnen.

Allerdings ist das Forex-Gap nicht mit einem klassischen Aktien-Gap während einer täglichen Börsenschließung gleichzusetzen.

Gap Trading im Futures-Markt

Auch bei Futures können Kurslücken auftreten, abhängig von Handelszeiten und dem betrachteten Kontrakt.

Für Futures-Trader können insbesondere die Übergänge zwischen verschiedenen Handelszeiten interessant sein.

Dabei sollte genau darauf geachtet werden, welche Handelszeiten und Daten die verwendete Plattform darstellt.

Gap Trading und Stop-Loss

Gaps können für das Risikomanagement besondere Herausforderungen darstellen.

Wenn der Markt mit einer Kurslücke über deinen Stop-Loss eröffnet, kann die Position unter Umständen deutlich schlechter geschlossen werden als am ursprünglich geplanten Stop-Level.

Der Stop-Loss garantiert deshalb nicht zwingend einen exakten Ausführungspreis.

Das ist besonders bei starken Nachrichtenbewegungen wichtig.

Positionsgröße beim Gap Trading

Gerade wegen möglicher schneller Bewegungen sollte die Positionsgröße nicht zu groß gewählt werden.

Ein Gap kann sich innerhalb weniger Minuten stark ausweiten.

Wer mit hohem Hebel handelt und eine zu große Position eröffnet, kann dadurch schnell einen erheblichen Verlust erleiden.

Das Risiko sollte deshalb bereits vor dem Einstieg definiert werden.

Gap Trading ist kein Selbstläufer

Eine der größten Gefahren beim Gap Trading besteht darin, historische Muster zu stark zu verallgemeinern.

Nur weil sich viele Gaps in bestimmten Situationen geschlossen haben, bedeutet das nicht, dass das nächste Gap ebenfalls geschlossen wird.

Der Markt kann jederzeit anders reagieren.

Deshalb sollte eine Gap-Strategie immer anhand historischer Daten getestet werden.

Gap Trading Backtesting

Wer Gap Trading systematisch betreiben möchte, sollte seine Regeln testen.

Dabei reicht es nicht aus, einige bekannte Gaps auf dem Chart anzusehen.

Definiere zunächst exakt:

Wann gilt ein Gap als gültig?

Wie groß muss es sein?

Welche Marktbedingungen müssen vorhanden sein?

Wann erfolgt der Einstieg?

Wo liegt der Stop-Loss?

Wo wird der Gewinn realisiert?

Wann wird nicht gehandelt?

Erst dann kann die Strategie objektiv getestet werden.

Welche Gap-Strategie ist die beste?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht.

Die beste Strategie hängt vom Markt, der Zeiteinheit und dem individuellen Trading-Stil ab.

Ein Daytrader kann beispielsweise mit Opening Gaps arbeiten.

Ein Swing Trader kann dagegen Breakaway Gaps innerhalb größerer Chartstrukturen analysieren.

Entscheidend ist nicht, möglichst viele Gap-Strategien zu kennen.

Entscheidend ist, eine Strategie mit klaren Regeln zu entwickeln und statistisch zu überprüfen.

Typische Fehler beim Gap Trading

Ein häufiger Fehler besteht darin, jedes Gap sofort zu handeln.

Ein Gap ist zunächst nur eine Information.

Ein weiterer Fehler ist die Annahme, dass jedes Gap geschlossen wird.

Auch das ist falsch.

Ebenso problematisch ist ein zu hohes Risiko.

Gerade Gap-Bewegungen können sehr schnell und volatil sein.

Wer mit zu großer Position handelt, kann bereits durch eine kleine Gegenbewegung erheblich unter Druck geraten.

Gap Trading mit einem festen Trading System

Gap Trading lässt sich besonders gut in ein übergeordnetes Trading System integrieren.

Das System kann beispielsweise festlegen, welche Gaps überhaupt gehandelt werden.

Anschließend werden Marktphase, Volumen, Price Action und relevante Kurslevel analysiert.

Nur wenn alle Bedingungen erfüllt sind, entsteht ein gültiges Setup.

Dadurch wird verhindert, dass der Trader jedes Gap spontan interpretiert.

Fazit: Gap Trading richtig lernen

Gap Trading bietet interessante Möglichkeiten, weil Kurslücken häufig auf eine deutliche Veränderung der Marktaktivität oder Erwartungen hinweisen.

Trader können dabei unterschiedliche Ansätze verfolgen.

Zu den bekanntesten gehören Gap Fill, Gap-and-Go, Breakout Trading und die Kombination von Gaps mit Volumen und Price Action.

Dabei sollte jedoch niemals davon ausgegangen werden, dass sich ein Gap automatisch schließt oder dass ein großes Gap zwangsläufig eine Fortsetzung des Trends bedeutet.

Der entscheidende Faktor ist ein klarer Trading-Plan.

Definiere deine Gap-Kriterien, teste deine Strategie anhand historischer Daten und begrenze dein Risiko konsequent.

Denn auch beim Gap Trading gilt:

Nicht das Gap selbst macht den Trade. Entscheidend ist, was der Markt danach macht.