Ausstiegsstrategien Trading

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Ein guter Einstieg ist beim Trading wichtig. Doch genauso entscheidend ist die Frage, wann ein Trade beendet wird. Viele Trader verbringen einen großen Teil ihrer Zeit damit, den perfekten Einstieg zu suchen und beschäftigen sich gleichzeitig viel zu wenig mit dem Ausstieg.

Dabei entscheidet der Ausstieg maßgeblich darüber, wie viel von einer Bewegung tatsächlich als Gewinn übrig bleibt und wie groß ein Verlust am Ende ausfällt.

Eine Ausstiegsstrategie im Trading beschreibt deshalb die Regeln, nach denen eine offene Position geschlossen wird. Der Trade kann beispielsweise bei Erreichen eines vorher definierten Kursziels beendet werden, durch einen Stop Loss automatisch geschlossen werden oder aufgrund einer Veränderung der Marktstruktur vorzeitig beendet werden.

Welche Methode sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Trading Strategie, dem Timeframe, der Volatilität und dem persönlichen Risikomanagement ab.

Wichtig ist vor allem, dass der Ausstieg nicht erst spontan entschieden wird, wenn der Trader bereits in der Position steckt.

Was ist eine Ausstiegsstrategie?

Eine Ausstiegsstrategie legt fest, unter welchen Bedingungen ein Trader eine offene Position schließt.

Das kann ein Gewinnziel sein. Bei einem Long Trade könnte beispielsweise vorher festgelegt werden, dass die Position bei einem bestimmten Widerstandsbereich geschlossen wird.

Ebenso kann ein Verlustlimit definiert werden. Wenn der Markt eine bestimmte Kursmarke erreicht und dadurch die ursprüngliche Trade-Idee ungültig wird, wird die Position über den Stop Loss geschlossen.

Es gibt aber auch dynamische Ausstiegsstrategien. Dabei wird der Trade beispielsweise solange gehalten, wie der Trend intakt ist. Erst wenn sich die Marktstruktur verändert, wird die Position geschlossen.

Damit gibt es nicht die eine perfekte Ausstiegsstrategie.

Entscheidend ist, dass die Methode zur eigenen Strategie passt und sich eindeutig testen lässt.

Warum ist der Ausstieg beim Trading so wichtig?

Der Ausstieg bestimmt nicht nur, ob ein einzelner Trade mit Gewinn oder Verlust endet.

Er beeinflusst auch das Chance-Risiko-Verhältnis, die Trefferquote und letztlich die gesamte Statistik einer Trading Strategie.

Ein Trader kann beispielsweise eine gute Einstiegsstrategie besitzen, aber Gewinne regelmäßig viel zu früh schließen. Dadurch werden viele kleine Gewinne realisiert, während einzelne Verluste deutlich größer ausfallen.

Umgekehrt kann ein Trader Gewinne sehr lange laufen lassen, aber dadurch häufig bereits vorhandene Buchgewinne wieder abgeben.

Beide Situationen zeigen, dass ein guter Einstieg allein nicht ausreicht.

Trading ist ein vollständiger Prozess:

Einstieg, Risiko, Trade Management und Ausstieg müssen zusammenpassen.

Stop Loss als Ausstiegsstrategie

Der Stop Loss ist eine der wichtigsten Methoden, um einen Trade zu beenden.

Er definiert das Kursniveau, bei dem eine Position automatisch geschlossen werden soll, wenn sich der Markt gegen den Trader bewegt.

Der Stop Loss dient dabei vor allem der Verlustbegrenzung.

Entscheidend ist jedoch, wo er platziert wird.

Ein Stop Loss sollte nicht einfach möglichst eng gesetzt werden, nur damit der mögliche Verlust klein bleibt. Viel sinnvoller ist es, zunächst zu bestimmen, an welcher Stelle die ursprüngliche Trade-Idee nicht mehr gültig ist.

Erst anschließend wird die Positionsgröße so angepasst, dass das Risiko zum eigenen Trading Plan passt.

Ein zu enger Stop Loss kann dazu führen, dass normale Marktschwankungen die Position beenden, obwohl sich die erwartete Bewegung anschließend trotzdem entwickelt.

Take Profit als Ausstiegsstrategie

Der Take Profit funktioniert genau andersherum.

Hier wird vor dem Trade ein Kursziel festgelegt, bei dessen Erreichen die Position automatisch geschlossen wird.

Ein Trader kann beispielsweise einen Long Trade eröffnen und gleichzeitig einen Take Profit an einem vorher definierten Widerstandsbereich platzieren.

Erreicht der Markt dieses Niveau, wird der Gewinn realisiert.

Der große Vorteil besteht darin, dass der Trader nicht während der laufenden Bewegung entscheiden muss, ob er den Gewinn mitnehmen soll.

Das reduziert emotionale Entscheidungen.

Allerdings hat ein fester Take Profit auch einen Nachteil: Der Markt kann nach dem Erreichen des Kursziels weiterlaufen.

Die Frage lautet deshalb nicht, ob ein Take Profit grundsätzlich gut oder schlecht ist.

Die entscheidende Frage ist, ob die gewählte Methode zur eigenen Strategie passt.

Chance-Risiko-Verhältnis und Ausstieg

Ausstiegsstrategien stehen in direktem Zusammenhang mit dem Chance-Risiko-Verhältnis.

Angenommen, ein Trader riskiert 100 Euro und plant einen möglichen Gewinn von 200 Euro.

Das entspricht einem Chance-Risiko-Verhältnis von 1:2.

Ob diese Strategie profitabel sein kann, hängt jedoch nicht allein vom Verhältnis ab.

Auch die Trefferquote spielt eine Rolle.

Eine Strategie mit einem Chance-Risiko-Verhältnis von 1:2 kann trotz einer relativ niedrigen Trefferquote profitabel sein, wenn die Gewinner konsequent realisiert und die Verluste begrenzt werden.

Genau deshalb sollte eine Ausstiegsstrategie immer als Bestandteil der Gesamtstatistik betrachtet werden.

Teilgewinnmitnahmen

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, eine Position schrittweise zu schließen.

Dabei wird beispielsweise ein Teil der Position an einem ersten Kursziel verkauft, während der restliche Teil weiterläuft.

Dieses Vorgehen wird häufig als Partial Take Profit oder Teilgewinnmitnahme bezeichnet.

Der Vorteil liegt darin, dass ein Teil des Gewinns bereits gesichert wird, während gleichzeitig die Möglichkeit besteht, von einer größeren Bewegung zu profitieren.

Allerdings verändert eine Teilgewinnmitnahme auch die Statistik einer Strategie.

Wer beispielsweise die Hälfte der Position sehr früh schließt, reduziert damit nicht nur das Risiko, sondern auch den möglichen Gewinn.

Deshalb sollte auch diese Methode getestet und nicht einfach nach Gefühl eingesetzt werden.

Trailing Stop als dynamischer Ausstieg

Ein Trailing Stop bewegt sich mit dem Kurs.

Bei einem Long Trade kann der Stop Loss beispielsweise schrittweise nach oben angepasst werden, wenn sich der Markt in die gewünschte Richtung bewegt.

Dadurch kann ein Trader versuchen, einen Teil eines laufenden Gewinns zu schützen und gleichzeitig die Position weiterlaufen zu lassen.

Trailing Stops können besonders bei Trendfolge-Strategien interessant sein.

Allerdings besteht auch hier ein Risiko: Wird der Trailing Stop zu eng gewählt, kann eine normale Korrektur den Trade beenden, obwohl der übergeordnete Trend weiterhin intakt ist.

Die richtige Distanz hängt deshalb unter anderem von der Volatilität und dem gehandelten Timeframe ab.

Break-Even Stop

Beim Break-Even Stop wird der Stop Loss nach einer bestimmten Kursbewegung auf den Einstiegspreis verschoben.

Der Gedanke dahinter ist einfach: Wenn der Markt ausreichend weit in die gewünschte Richtung gelaufen ist, soll der Trade nicht mehr mit einem ursprünglichen Risiko enden.

Das klingt zunächst attraktiv.

In der Praxis kann ein zu frühes Verschieben auf Break-Even jedoch problematisch sein.

Märkte bewegen sich selten geradlinig. Eine Position kann zunächst deutlich ins Plus laufen, anschließend zum Einstieg zurückkommen und danach trotzdem in die ursprünglich erwartete Richtung weiterlaufen.

Wer den Stop zu schnell auf Break-Even setzt, wird deshalb möglicherweise regelmäßig aus guten Trades ausgestoppt.

Auch der Break-Even-Ausstieg sollte daher Teil einer klar getesteten Regel sein.

Ausstieg nach Marktstruktur

Nicht jeder Ausstieg muss an einem festen Kursziel hängen.

Trader, die stark mit Price Action und Marktstruktur arbeiten, können einen Trade auch beenden, wenn sich die ursprüngliche Struktur verändert.

Ein Long Trade basiert beispielsweise auf einem intakten Aufwärtstrend.

Solange höhere Hochs und höhere Tiefs entstehen, bleibt die Position bestehen.

Wenn jedoch ein relevantes vorheriges Tief gebrochen wird und dadurch die ursprüngliche Marktstruktur nicht mehr gegeben ist, kann das ein Signal zum Ausstieg darstellen.

Der Vorteil einer solchen Methode besteht darin, dass der Trade nicht zwangsläufig bei einem vorher festgelegten Kursziel beendet wird.

Stattdessen versucht der Trader, möglichst lange von der bestehenden Bewegung zu profitieren.

Zeitbasierter Ausstieg

Eine weitere Möglichkeit ist ein zeitbasierter Ausstieg.

Dabei wird vorher festgelegt, wie lange eine Position maximal gehalten wird.

Das kann insbesondere bei bestimmten Daytrading-Strategien sinnvoll sein.

Ein Trader könnte beispielsweise entscheiden, dass Positionen am Ende der eigenen Handelssession geschlossen werden, unabhängig davon, ob das ursprüngliche Kursziel erreicht wurde.

Auch hier geht es nicht darum, dass diese Methode grundsätzlich besser ist.

Sie kann sinnvoll sein, wenn die Strategie nur unter bestimmten Marktbedingungen einen statistischen Vorteil besitzt.

Ausstieg bei fehlender Bewegung

Ein interessanter Ansatz besteht darin, einen Trade zu beenden, wenn der Markt nicht das erwartete Verhalten zeigt.

Angenommen, ein Trader handelt einen Breakout.

Nach dem Einstieg erwartet er eine schnelle Fortsetzung der Bewegung. Stattdessen bleibt der Markt über längere Zeit seitwärts und verliert Momentum.

Der Kurs hat den Stop Loss noch nicht erreicht.

Trotzdem kann die ursprüngliche Trade-Idee an Qualität verloren haben.

Ein regelbasierter Ausstieg aufgrund fehlender Dynamik kann in solchen Strategien sinnvoll sein.

Der entscheidende Punkt ist jedoch, dass die Bedingung vorher definiert wird.

Sonst besteht die Gefahr, dass der Trader nachträglich für jeden beliebigen Trade eine Begründung findet.

Ausstieg bei Nachrichten

Auch wichtige Nachrichten können ein Grund sein, eine Position zu schließen.

Wenn beispielsweise eine Position kurz vor einer wichtigen Zentralbankentscheidung offen ist, kann sich das Marktverhalten innerhalb weniger Sekunden stark verändern.

Spread und Slippage können steigen und die Volatilität kann deutlich zunehmen.

Ob ein Trader solche Situationen vermeiden oder bewusst handeln möchte, hängt von seiner Strategie ab.

Entscheidend ist, dass die Entscheidung nicht erst im Moment der Nachricht getroffen wird.

Ein Trading Plan sollte bereits vorher festlegen, wie mit solchen Situationen umgegangen wird.

Ausstiegsstrategien beim Scalping

Beim Scalping spielen Ausstiege eine besonders große Rolle.

Da die einzelnen Trades häufig nur kleine Kursbewegungen erfassen, können Spread und Ausführungskosten einen erheblichen Teil des erwarteten Gewinns ausmachen.

Ein Scalper benötigt deshalb eine sehr klare Definition für Gewinnziel und Verlustbegrenzung.

Ein Trade sollte nicht plötzlich vom kurzfristigen Scalping Setup zu einer langfristigen Position werden, nur weil der Markt gegen den Trader läuft.

Genau dieses Verhalten ist ein häufiger Fehler.

Der geplante Ausstieg wird ignoriert und aus einem kurzfristigen Trade wird ein Hoffnungs-Trade.

Ausstiegsstrategien beim Daytrading

Auch beim Daytrading hängt die passende Ausstiegsstrategie stark vom Setup ab.

Ein Breakout kann beispielsweise ein schnelles Kursziel besitzen, während ein Trendfolge-Setup länger gehalten werden kann.

Deshalb sollte nicht jeder Trade nach demselben Schema geschlossen werden.

Ein sinnvoller Ansatz besteht darin, bereits beim Erstellen des Setups festzulegen, welche Art von Bewegung erwartet wird.

Wenn der Trader beispielsweise eine starke Momentum-Bewegung handelt, kann ein dynamischer Ausstieg sinnvoller sein.

Wenn der Trade dagegen auf eine Bewegung bis zu einem klar definierten Widerstand abzielt, kann ein fester Take Profit besser passen.

Warum Trader Gewinne zu früh schließen

Ein sehr häufiges Problem ist das zu frühe Schließen von Gewinnern.

Der Markt bewegt sich einige Punkte in die gewünschte Richtung und der Trader bekommt Angst, dass der Gewinn wieder verschwindet.

Also wird die Position geschlossen.

Das Problem ist nicht, dass Gewinne mitgenommen werden.

Das Problem entsteht, wenn der Ausstieg nicht auf einer Regel basiert.

Wenn eine Strategie beispielsweise darauf ausgelegt ist, große Trends zu handeln, kann das ständige Mitnehmen kleiner Gewinne die gesamte Statistik verschlechtern.

Ein Trader muss deshalb lernen, zwischen einem sinnvollen Ausstieg und einem emotionalen Ausstieg zu unterscheiden.

Warum Trader Verluste zu lange laufen lassen

Das Gegenstück ist das zu lange Halten von Verlusttrades.

Der Trader weiß eigentlich, dass der Stop Loss erreicht werden sollte.

Doch statt die Position zu schließen, wird der Stop weiter entfernt.

„Der Markt dreht bestimmt noch.“

Genau hier wird aus einem geplanten Risiko ein unkontrollierter Verlust.

Ein Stop Loss ist nur dann sinnvoll, wenn er tatsächlich respektiert wird.

Wer ihn bei jedem Verlust verschiebt, hat faktisch keinen festen Stop Loss.

Ausstiegsstrategien testen statt raten

Die beste Ausstiegsstrategie lässt sich nicht durch eine allgemeine Regel bestimmen.

Sie muss zur jeweiligen Strategie passen.

Deshalb sollten unterschiedliche Ausstiegsmethoden getestet werden.

Ein Trader kann beispielsweise vergleichen, wie sich ein festes Kursziel gegenüber einem Trailing Stop entwickelt oder wie sich Teilgewinnmitnahmen auf die Gesamtperformance auswirken.

Dabei sollte nicht nur die Trefferquote betrachtet werden.

Auch durchschnittlicher Gewinn, durchschnittlicher Verlust, maximaler Drawdown, Profit Factor und die Verteilung der Gewinner und Verlierer können wichtige Informationen liefern.

Erst durch eine ausreichende Anzahl von Trades lässt sich erkennen, ob eine Ausstiegsregel tatsächlich einen Vorteil besitzt.

Ausstiegsstrategien und Trading Psychologie

Ein großer Vorteil einer klaren Ausstiegsstrategie besteht darin, dass sie Entscheidungen während des Trades reduziert.

Je mehr Entscheidungen spontan getroffen werden müssen, desto größer ist der Einfluss von Emotionen.

Wenn der Trader bereits vor dem Einstieg weiß, unter welchen Bedingungen die Position geschlossen wird, entsteht ein klarer Rahmen.

Das bedeutet nicht, dass jeder Trade automatisch funktioniert.

Es bedeutet, dass der Trader nicht bei jeder Kursbewegung seinen gesamten Plan neu erfinden muss.

Genau diese Wiederholbarkeit ist ein wichtiger Bestandteil professionellen Tradings.

Der richtige Ausstieg ist nicht immer der maximale Gewinn

Ein häufiger Denkfehler besteht darin, einen guten Trade daran zu messen, ob der Trader den maximal möglichen Gewinn erwischt hat.

Das ist unrealistisch.

Niemand kann zuverlässig am exakten Hoch verkaufen oder am exakten Tief kaufen.

Ein guter Ausstieg bedeutet deshalb nicht, dass die gesamte Bewegung erfasst wurde.

Ein guter Ausstieg bedeutet, dass die Position entsprechend der vorher definierten Handelslogik beendet wurde.

Wenn der Markt nach dem Ausstieg noch weiterläuft, ist das kein Fehler.

Der Trade wurde bereits nach den eigenen Regeln abgeschlossen.

Fazit: Welche Ausstiegsstrategie ist die beste?

Es gibt keine universell beste Ausstiegsstrategie im Trading.

Ein fester Take Profit kann für eine bestimmte Strategie hervorragend funktionieren. Ein Trailing Stop kann bei einer Trendfolgestrategie sinnvoller sein. Ein Ausstieg nach Marktstruktur kann sich wiederum für Price-Action-Trader anbieten.

Entscheidend ist nicht, welche Methode theoretisch am besten klingt.

Entscheidend ist, welche Methode für deine konkrete Strategie statistisch funktioniert und konsequent umgesetzt werden kann.

Der Stop Loss begrenzt das Risiko. Der Take Profit realisiert einen vorher definierten Gewinn. Dynamische Ausstiege wie Trailing Stops oder marktstrukturbasierte Regeln ermöglichen es, Positionen länger laufen zu lassen.

Was du vermeiden solltest, ist ein spontaner Ausstieg aus Angst, Gier oder Hoffnung.

Denn der beste Ausstieg ist nicht der, bei dem du zufällig das absolute Hoch oder Tief erwischst.

Der beste Ausstieg ist der, den du vorher definierst, testest und anschließend konsequent ausführst.

Genau dadurch wird aus einer einzelnen Trade-Entscheidung eine wiederholbare Trading Strategie.