Eine starke Abwärtsbewegung bedeutet nicht automatisch, dass der Markt ohne Unterbrechung weiter fällt. Häufig kommt es nach einem deutlichen Sell-off zu einer kurzen Erholung. Der Kurs stabilisiert sich, bewegt sich etwas nach oben oder seitwärts und vermittelt zunächst den Eindruck, dass die Verkäufer ihre Kontrolle verlieren.
Genau diese Situation beschreibt die Bärenflagge, international auch Bear Flag genannt.
Die Formation gehört zu den klassischen Trendfortsetzungsmustern der technischen Analyse. Auf einen starken Kursrückgang folgt eine vergleichsweise kurze Konsolidierung, bevor der Markt die ursprüngliche Abwärtsbewegung wieder aufnimmt. Typischerweise verläuft diese Konsolidierung leicht aufwärts und bildet einen Kanal, der optisch an eine Flagge erinnert.
Das Entscheidende beim Trading ist allerdings nicht die Form allein. Eine Bärenflagge ist keine Garantie für weiter fallende Kurse. Erst der tatsächliche Ausbruch aus der Konsolidierung liefert einen möglichen Trigger für einen Trade.
Was ist eine Bärenflagge?
Eine Bärenflagge ist eine bärische Chartformation innerhalb eines bestehenden Abwärtstrends.
Sie besteht vereinfacht aus drei Phasen:
Starker Abverkauf → Konsolidierung → Ausbruch nach unten
Der erste starke Kursrückgang wird als Flaggenmast bezeichnet.
Danach folgt die eigentliche Flagge. In dieser Phase steigt der Kurs häufig leicht an oder bewegt sich seitwärts. Gleichzeitig wird die vorherige Abwärtsbewegung verdaut.
Bricht der Kurs anschließend unter die untere Begrenzung der Flagge, kann dies auf eine Fortsetzung des Abwärtstrends hindeuten. Genau deshalb wird die Bear Flag als Trendfortsetzungsformation und nicht als klassisches Umkehrmuster eingeordnet.

Wie sieht eine Bear Flag aus?
Optisch lässt sich die Formation relativ einfach beschreiben.
Zunächst fällt der Markt dynamisch:
↓ ↓ ↓ ↓
Danach folgt eine kleinere Gegenbewegung:
↗ ↗ ↗
Diese Erholung verläuft häufig innerhalb eines leicht aufwärts gerichteten parallelen Kanals.
Anschließend kommt der erneute Ausbruch:
↓↓↓↓
Dadurch entsteht die typische Form:
Flaggenmast → Flagge → Ausbruch
Der wichtige Punkt:
Die Flagge selbst ist nicht das Verkaufssignal.
Erst der Ausbruch aus der Konsolidierung macht aus der möglichen Formation ein handelbares Setup.
Aufbau der Bärenflagge
Eine klassische Bear Flag lässt sich in einzelne Bestandteile zerlegen.
1. Der Flaggenmast
Am Anfang steht eine deutliche Abwärtsbewegung.
Je klarer und impulsiver dieser Abverkauf ist, desto besser passt der Markt zunächst zum klassischen Bear-Flag-Bild.
Der Flaggenmast zeigt, dass die Verkäufer bereits deutlich die Kontrolle übernommen haben.
2. Die Konsolidierung
Nach dem Abverkauf verliert die Bewegung an Dynamik.
Der Markt fällt nicht einfach weiter, sondern beginnt sich zu stabilisieren.
Typisch ist eine leichte Gegenbewegung nach oben.
Das kann beispielsweise so aussehen:
100 → 80 → 84 → 82 → 87
Die Erholung zwischen 80 und 87 ist dabei die Flagge.
3. Der Ausbruch
Der entscheidende Moment kommt, wenn der Kurs die untere Begrenzung der Konsolidierung nach unten verlässt.
Damit wird die Formation bestätigt.
Trader beobachten an dieser Stelle häufig:
- Bruch der unteren Flaggenlinie
- zunehmendes Volumen
- erneute Dynamik
- Fortsetzung der vorherigen Marktstruktur
Ein Ausbruch nach oben verändert dagegen die ursprüngliche Bear-Flag-Idee und kann ein Fehlsignal darstellen.
Warum entsteht eine Bärenflagge?
Die Formation lässt sich auch über das Verhalten der Marktteilnehmer erklären.
Stell dir einen Markt vor, der innerhalb kurzer Zeit stark fällt.
Viele Verkäufer sind bereits positioniert.
Nach dem ersten Abverkauf nehmen einige Trader Gewinne mit. Gleichzeitig versuchen Käufer, den niedrigeren Preis für einen Einstieg zu nutzen.
Dadurch entsteht eine Gegenbewegung.
Der Markt steigt etwas.
Doch die Erholung reicht nicht aus, um die ursprüngliche Abwärtsstruktur nachhaltig zu verändern.
Stattdessen bleibt die Nachfrage begrenzt.
Wenn anschließend neue Verkäufer in den Markt kommen und die Unterstützung der Flagge brechen, kann die Abwärtsbewegung wieder an Dynamik gewinnen.
Die Bear Flag beschreibt damit vereinfacht eine Pause innerhalb eines bestehenden Verkäufermarktes.
Bärenflagge erkennen: Diese Merkmale sind entscheidend
Nicht jede kleine Aufwärtsbewegung nach einem Kursrückgang ist automatisch eine Bärenflagge.
Für die Identifikation sind mehrere Faktoren interessant.
Klarer vorheriger Abwärtstrend
Ohne vorherigen Abwärtstrend fehlt der wichtigste Bestandteil der Formation.
Die Bear Flag ist ein Trendfortsetzungsmuster.
Deutlicher Flaggenmast
Dem Muster sollte eine erkennbare Abwärtsbewegung vorausgehen.
Ein kleiner Rückgang von wenigen Punkten innerhalb einer Seitwärtsphase reicht nicht aus.
Gegenläufige Konsolidierung
Die Flagge bewegt sich häufig leicht gegen den übergeordneten Trend.
Bei der Bärenflagge bedeutet das:
Abwärtstrend → leichte Aufwärtsbewegung
Relativ enge Handelsspanne
Die Konsolidierung sollte nicht völlig unkontrolliert verlaufen.
Idealerweise bewegt sich der Kurs innerhalb eines erkennbaren Kanals.
Ausbruch nach unten
Erst der Bruch der unteren Begrenzung liefert den entscheidenden Hinweis auf die mögliche Trendfortsetzung.
Volumen
In klassischen Darstellungen nimmt das Handelsvolumen während der Konsolidierung häufig ab und zieht beim Ausbruch wieder an. Das kann die Aussage des Ausbruchs unterstützen, sollte aber nicht als zwingende Voraussetzung für jeden Markt betrachtet werden.
Bärenflagge und Volumen
Das Volumen ist besonders interessant, wenn es darum geht, die Qualität einer Flagge einzuschätzen.
Während des ersten Abverkaufs kann eine hohe Aktivität auftreten.
In der anschließenden Konsolidierung nimmt das Volumen idealerweise ab.
Das passt zur Idee, dass der Markt lediglich eine Pause einlegt.
Kommt es anschließend zum Ausbruch nach unten und nimmt gleichzeitig die Aktivität zu, kann das die Fortsetzungsthese unterstützen.
Allerdings sollte man hier nicht in ein starres Schema verfallen.
Nicht jeder Markt verfügt über ein zentrales Börsenvolumen. Gerade im Forex- und CFD-Handel hängt die Aussagekraft der angezeigten Volumendaten vom jeweiligen Datenfeed ab.
Bärenflagge vs. Bärenwimpel
Bärenflagge und Bärenwimpel werden häufig miteinander verwechselt.
Der wesentliche Unterschied liegt in der Form der Konsolidierung.
Bei der Bärenflagge verläuft die Konsolidierung typischerweise innerhalb eines parallelen Kanals.
Beim Bärenwimpel laufen die Begrenzungen dagegen zusammen.
Vereinfacht:
Bear Flag → paralleler Kanal
Bear Pennant → konvergierendes Dreieck
Beide Formationen verfolgen jedoch dieselbe Grundidee:
starker Abverkauf → kurze Konsolidierung → mögliche Fortsetzung nach unten.
Bärenflagge vs. Bullenflagge
Die Bärenflagge ist das Gegenstück zur Bullenflagge.
Bei der Bullenflagge:
starker Anstieg → Konsolidierung → Ausbruch nach oben
Bei der Bärenflagge:
starker Rückgang → Konsolidierung → Ausbruch nach unten
Die Logik bleibt also gleich.
Nur die Richtung ändert sich.
Die Grafik oben dient nicht als Bear-Flag-Darstellung, sondern lediglich zur Visualisierung eines einfachen Verlaufs. Für die eigentliche Formation sind Marktstruktur und Ausbruch entscheidend.
Bärenflagge traden: Der Einstieg
Der häufigste Ansatz besteht darin, nicht bereits während der Konsolidierung Short zu gehen, sondern den Ausbruch nach unten abzuwarten.
Das hat einen entscheidenden Vorteil:
Der Trader wartet auf eine Bestätigung, dass die Verkäufer tatsächlich wieder die Kontrolle übernehmen.
Ein mögliches Schema lautet:
Abwärtstrend
→ Flagge
→ Bruch der unteren Begrenzung
→ Short Entry
→ Stop Loss
→ Kursziel
Damit wird die Formation nicht gehandelt, weil sie optisch gut aussieht, sondern weil eine konkrete Marktreaktion stattfindet.
Beispiel für einen Bear-Flag-Trade
Nehmen wir einen fiktiven Aktienkurs.
Der Kurs fällt von:
150 € auf 110 €
Das ist der Flaggenmast.
Anschließend steigt der Kurs innerhalb eines engen Kanals:
110 € → 114 € → 118 € → 115 € → 120 €
Die Erholung bildet die Flagge.
Danach fällt der Kurs unter:
110 €
Damit wird die Bear Flag nach unten aufgelöst.
Ein Trader könnte nun einen Short-Einstieg prüfen.
Wichtig ist:
Der Ausbruch bei 110 € ist nicht automatisch ein profitabler Trade. Er ist lediglich der Trigger, der die ursprüngliche Formation bestätigt.
Stop Loss bei der Bärenflagge
Der Stop Loss sollte dort liegen, wo die Trading-Idee ungültig wird.
Eine Möglichkeit ist ein Niveau oberhalb des letzten relevanten Hochs innerhalb der Flagge.
Beispiel:
Flaggenhoch: 120 €
Ein Trader könnte den Stop oberhalb dieses Bereichs platzieren.
Der konkrete Abstand hängt jedoch von Volatilität, Marktstruktur und Tradingstil ab.
Ein Stop sollte nicht einfach deshalb gewählt werden, weil er „möglichst klein“ sein soll.
Ein zu enger Stop kann dazu führen, dass normale Kursbewegungen die Position aus dem Markt werfen, obwohl die eigentliche Bear-Flag-Idee weiterhin intakt wäre.
Kursziel der Bärenflagge
Eine häufig verwendete Methode zur Bestimmung des Kursziels orientiert sich an der Höhe des Flaggenmasts.
Im Beispiel:
150 € → 110 €
Der Flaggenmast beträgt:
40 €
Bricht der Kurs bei 110 € nach unten aus, könnte die Mastlänge als Orientierung für ein theoretisches Kursziel verwendet werden:
110 € − 40 € = 70 €
Das ist jedoch kein garantiert erreichbares Kursziel.
Die Mastprojektion ist eine klassische charttechnische Methode. In der Praxis sollte zusätzlich geprüft werden, ob auf dem Weg dorthin beispielsweise eine starke Unterstützung liegt.
Warum das Kursziel nicht blind gehandelt werden sollte
Ein mathematisch abgeleitetes Ziel kann bei einem echten Trend funktionieren.
Der Markt muss sich aber nicht exakt an die Formation halten.
Angenommen, das rechnerische Ziel liegt bei:
70 €
Zwischen Ausbruch und Ziel befindet sich jedoch eine starke Unterstützung bei:
85 €
Dann kann diese Zone für die Tradeplanung relevanter sein als das theoretische Ziel.
Charttechnik liefert Szenarien.
Sie liefert keine Garantie dafür, dass der Markt einen bestimmten Preis erreicht.
Bärenflagge im Daytrading
Die Bear Flag kann auch im Daytrading eingesetzt werden.
Gerade auf kleineren Zeiteinheiten entstehen regelmäßig kurze Konsolidierungen nach starken Bewegungen.
Ein mögliches Szenario:
Der Nasdaq fällt während der US-Session stark.
Danach stabilisiert sich der Markt für mehrere Minuten.
Es entsteht ein kleiner aufwärts gerichteter Kanal.
Anschließend bricht der Nasdaq unter das kurzfristige Tief.
Das kann ein mögliches Bear-Flag-Setup darstellen.
Für Daytrader ist dabei besonders wichtig, nicht jede kleine Gegenbewegung als Flagge zu interpretieren.
Der übergeordnete Kontext entscheidet.
Bärenflagge im Swing Trading
Auch für Swing Trader kann das Pattern interessant sein.
Hier wird die Formation auf größeren Timeframes beobachtet.
Beispielsweise kann ein Trader im Tageschart einen starken Abwärtstrend erkennen.
Danach folgt eine mehrtägige Konsolidierung.
Bricht der Kurs anschließend nach unten aus, kann daraus ein Swing-Trade entstehen.
Die Position wird dann möglicherweise mehrere Tage oder Wochen gehalten.
Je größer der Timeframe, desto größer können allerdings auch Stop und potenzielle Schwankungen ausfallen.
Bärenflagge im Forex Trading
Auch im Forex Trading kann die Bear Flag auftreten.
Ein Beispiel wäre EUR/USD.
Der Markt fällt deutlich:
1,1000 → 1,0850
Danach erholt sich EUR/USD:
1,0850 → 1,0900
und bewegt sich mehrere Stunden in einem kleinen aufwärts gerichteten Kanal.
Fällt der Kurs anschließend unter das Konsolidierungstief, könnte ein Bear-Flag-Setup entstehen.
Für Forex Trader können zusätzlich Session, Liquidität und wichtige Wirtschaftsdaten eine Rolle spielen.
Eine Flagge kurz vor einem bedeutenden Zinsentscheid sollte beispielsweise anders bewertet werden als ein Setup in einer normalen Marktphase.
Bärenflagge beim Nasdaq
Der Nasdaq eignet sich aufgrund seiner häufig dynamischen Bewegungen ebenfalls für die Beobachtung von Flaggenformationen.
Ein typisches Szenario:
Der Markt eröffnet stark schwächer.
Es kommt zu einem impulsiven Sell-off.
Danach beginnt eine kurze Gegenbewegung.
Der Kurs schafft es nicht, die vorherige Abwärtsbewegung nachhaltig zu neutralisieren.
Bricht anschließend das Konsolidierungstief, kann sich eine Bear Flag bestätigen.
Besonders interessant ist dabei die Kombination aus:
Impuls → Konsolidierung → Breakout
statt der Versuch, mitten im ersten Abverkauf hinterherzushorten.
Bärenflagge bei Gold
Auch Gold kann Bear Flags ausbilden.
Hier sollte allerdings besonders auf Volatilität und wichtige Nachrichten geachtet werden.
Gold kann nach einem starken Impuls sehr schnell Gegenbewegungen entwickeln.
Eine kleine Aufwärtsbewegung ist deshalb nicht automatisch eine saubere Flagge.
Interessanter wird das Setup, wenn:
- der übergeordnete Trend bearish ist,
- eine klare Konsolidierung entsteht,
- der Kurs die untere Begrenzung testet,
- der Breakout bestätigt wird,
- und das Risiko sauber definiert werden kann.
Bärenflagge und Price Action
Eine Bear Flag lässt sich sehr gut mit Price Action kombinieren.
Statt ausschließlich auf die geometrische Form zu achten, kann der Trader untersuchen:
Wie reagiert der Markt an der oberen Begrenzung?
Wie werden neue Hochs aufgenommen?
Wie stark sind die Rücksetzer?
Wo entstehen neue Tiefs?
Was passiert beim Breakout?
So wird aus einem einfachen Chartmuster eine Marktstrukturanalyse.
Bear Flag mit Unterstützung und Widerstand
Besonders interessant wird eine Bärenflagge, wenn die Formation an bereits relevanten Kurszonen entsteht.
Beispielsweise:
Ein Markt fällt stark.
Dann steigt er innerhalb einer Flagge zurück zu einem vorherigen Supportbereich, der nun als Resistance fungiert.
Dort wird der Kurs abgewiesen.
Anschließend bricht die Flagge nach unten.
Jetzt arbeiten mehrere Informationen zusammen:
Abwärtstrend
Resistance
Bear Flag
Breakdown
Das kann ein deutlich besserer Kontext sein als eine isolierte Flaggenformation.
Bärenflagge mit Moving Average
Ein Moving Average kann als zusätzlicher Kontextfilter verwendet werden.
Beispielsweise liegt der Markt unter einem längerfristigen gleitenden Durchschnitt.
Die Flagge entwickelt sich unterhalb dieses Durchschnitts.
Der Kurs erreicht den Moving Average während der Erholung, wird dort abgewiesen und bricht anschließend nach unten aus.
Damit stimmen Trendstruktur und Reversal-Zone stärker miteinander überein.
Der Moving Average sollte dabei nicht als alleiniger Auslöser verwendet werden.
Bärenflagge mit Fibonacci
Auch Fibonacci Retracements können zur Einordnung einer Flagge verwendet werden.
Nach einem starken Abverkauf kann die anschließende Erholung beispielsweise einen Teil der Bewegung retracen.
Interessant wird die Situation, wenn die Flagge gleichzeitig an einem relevanten Fibonacci-Level auf Widerstand trifft.
Beispielsweise:
38,2 % Retracement
oder
50 % Retracement
oder
61,8 % Retracement
Ein solches Level bestätigt die Bear Flag allerdings nicht automatisch.
Es liefert lediglich zusätzlichen Kontext.
Die häufigsten Fehler beim Bear-Flag-Trading
Zu früh Short gehen
Der Trader erkennt eine mögliche Flagge und eröffnet sofort eine Short-Position.
Problem:
Der Ausbruch wurde noch gar nicht bestätigt.
Jede Gegenbewegung als Flagge interpretieren
Ein starker Abverkauf und eine kleine Erholung reichen nicht automatisch.
Die Konsolidierung sollte eine nachvollziehbare Struktur besitzen.
Stop Loss zu eng setzen
Ein zu enger Stop kann bei volatilen Märkten schnell ausgelöst werden.
Kursziel blind berechnen
Die Flaggenmast-Methode liefert eine Orientierung, aber kein garantiertes Ziel.
Marktphase ignorieren
Eine Bear Flag innerhalb eines starken übergeordneten Aufwärtstrends ist etwas anderes als eine Bear Flag innerhalb eines klaren Abwärtstrends.
Hebel zu aggressiv einsetzen
Ein gutes Chartmuster macht eine übergroße Position nicht plötzlich sicher.
Was passiert, wenn die Bärenflagge nach oben ausbricht?
Das ist einer der wichtigsten Punkte.
Eine Bear Flag ist eine bärische Erwartung, keine Garantie.
Bricht der Kurs stattdessen nach oben aus und verlässt die Formation deutlich, ist die ursprüngliche Short-Idee zunächst infrage gestellt.
Der Trader sollte dann nicht versuchen, die Position mit Gewalt zu rechtfertigen.
Genau hier zeigt sich gutes Risikomanagement:
Wenn das Setup ungültig ist, wird die Idee beendet.
Ein Fehlausbruch kann sogar eine interessante Information liefern.
Wenn die Verkäufer einen starken Abwärtstrend nicht fortsetzen können und der Kurs stattdessen aus der Flagge nach oben ausbricht, kann sich daraus eine stärkere Erholung oder sogar eine Trendumkehr entwickeln.
Bear Flag ist nicht automatisch ein Short-Signal
Das ist wahrscheinlich der wichtigste Punkt des gesamten Patterns.
Eine Formation kann perfekt aussehen und trotzdem scheitern.
Deshalb sollte der Trader nicht denken:
„Bear Flag = Short.“
Besser:
„Bear Flag = mögliches Short-Szenario, sofern der Markt die Formation bestätigt.“
Diese kleine sprachliche Veränderung macht einen großen Unterschied.
Sie verhindert, dass aus einer Wahrscheinlichkeitsanalyse eine vermeintliche Gewissheit wird.
Bärenflagge und Chance-Risiko-Verhältnis
Vor jedem Trade sollte geprüft werden, ob sich das Setup überhaupt lohnt.
Angenommen:
Entry: 100
Stop: 105
Ziel: 85
Dann beträgt das Risiko:
5 Punkte
und die mögliche Gewinnstrecke:
15 Punkte
Das entspricht einem Chance-Risiko-Verhältnis von:
1:3
Damit muss nicht jeder Trade gewinnen, damit die Strategie langfristig interessant sein kann.
Entscheidend ist die Kombination aus:
Trefferquote + durchschnittlichem Gewinn + durchschnittlichem Verlust + Kosten.
Wie zuverlässig ist die Bärenflagge?
Eine pauschale Trefferquote für die Bärenflagge lässt sich nicht seriös auf jeden Markt und jeden Timeframe übertragen.
Das ist wichtig, weil Chartformationen stark vom Kontext abhängen.
Eine Bear Flag im:
- starken Abwärtstrend,
- liquiden Markt,
- passenden Timeframe,
- klaren Breakout
kann sich völlig anders verhalten als dieselbe optische Formation in einer Seitwärtsphase.
Deshalb sollte man Aussagen wie „Bear Flags funktionieren zu X Prozent“ immer kritisch betrachten.
Für die eigene Strategie ist ein Backtest mit klar definierten Regeln wesentlich aussagekräftiger.
Bärenflagge Backtesting
Wer Bear Flags systematisch handeln möchte, sollte das Pattern zunächst historisch untersuchen.
Dabei müssen die Regeln eindeutig sein.
Zum Beispiel:
Was ist ein starker Abwärtstrend?
Wie groß muss der Flaggenmast sein?
Wie lange darf die Konsolidierung dauern?
Wie weit darf die Flagge steigen?
Was zählt als Breakout?
Wo liegt der Stop?
Wie wird das Ziel bestimmt?
Ohne solche Regeln kann ein Backtest schnell zu einer nachträglichen Interpretation werden.
Eine einfache Bear-Flag-Checkliste
Vor einem Trade kann folgende Checkliste helfen:
1. Besteht ein klarer Abwärtstrend?
2. Gab es einen deutlichen Abverkauf?
3. Ist ein klarer Flaggenmast erkennbar?
4. Hat sich anschließend eine Konsolidierung gebildet?
5. Verläuft diese eher seitwärts oder leicht aufwärts?
6. Ist die untere Begrenzung eindeutig?
7. Bricht der Kurs tatsächlich nach unten aus?
8. Ist der Stop logisch definierbar?
9. Gibt es ein realistisches Kursziel?
10. Passt das Chance-Risiko-Verhältnis?
Wenn mehrere dieser Punkte fehlen, sollte das Setup kritisch hinterfragt werden.
Bärenflagge als Teil eines Trading-Systems
Eine Bear Flag muss keine komplette Strategie sein.
Sie kann vielmehr ein Baustein innerhalb eines Trading-Systems sein.
Zum Beispiel:
Marktfilter: übergeordneter Abwärtstrend
Location: Resistance / vorheriger Support
Pattern: Bear Flag
Trigger: Breakout unter Flaggen-Tief
Stop: oberhalb der relevanten Struktur
Target: nächste Unterstützung oder projizierte Flaggenhöhe
Damit wird das Pattern in einen größeren Entscheidungsprozess eingebettet.
Fazit: Bärenflagge richtig traden
Die Bärenflagge (Bear Flag) ist eine klassische bärische Trendfortsetzungsformation. Sie entsteht nach einem starken Abverkauf, gefolgt von einer kurzen Konsolidierung oder leichten Erholung. Bricht der Kurs anschließend aus der unteren Begrenzung aus, kann dies die Fortsetzung des Abwärtstrends bestätigen.
Das Entscheidende ist jedoch nicht, eine möglichst schöne Flagge im Chart zu finden.
Viel wichtiger ist der Kontext.
Ein gutes Bear-Flag-Setup besteht beispielsweise aus:
klarem Abwärtstrend
→ starkem Impuls
→ Konsolidierung
→ relevanter Widerstandszone
→ Breakout nach unten
→ klar definiertem Risiko
Die häufigste Falle besteht darin, bereits während der Konsolidierung Short zu gehen. Damit wird eine mögliche Formation gehandelt, obwohl der entscheidende Ausbruch noch gar nicht stattgefunden hat.
Auch das theoretische Kursziel aus der Flaggenmast-Methode sollte nicht blind übernommen werden. Unterstützung, Volatilität und die tatsächliche Marktstruktur bleiben wichtiger.
Letztlich ist die Bärenflagge deshalb kein Vorhersageinstrument, das dir garantiert sagt, wohin sich der Markt bewegen wird.
Sie ist ein Framework, mit dem sich eine bestimmte Marktsituation strukturiert analysieren lässt.
Nicht die Flagge selbst macht den Trade interessant – sondern die Kombination aus Marktstruktur, Ausbruch und kontrolliertem Risiko.