Bullish Engulfing

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Candlestick-Formationen gehören zu den beliebtesten Werkzeugen der technischen Analyse. Eine der bekanntesten Umkehrformationen ist das Engulfing Pattern.

Dabei geht es nicht einfach darum, dass eine Kerze größer ist als die vorherige. Entscheidend ist, wie sich Käufer und Verkäufer zwischen zwei aufeinanderfolgenden Kerzen verschieben.

Das Engulfing Pattern gibt es in zwei Varianten:

  • Bullish Engulfing – kann auf eine mögliche Aufwärtsbewegung beziehungsweise Trendumkehr nach oben hindeuten
  • Bearish Engulfing – kann auf eine mögliche Abwärtsbewegung beziehungsweise Trendumkehr nach unten hindeuten

Besonders interessant werden die Formationen dort, wo bereits eine klare Marktstruktur vorhanden ist – beispielsweise an Unterstützungen, Widerständen, nach starken Abwärtsbewegungen oder in einem übergeordneten Trend.

Doch genau hier liegt auch ein häufiger Fehler: Ein Engulfing Pattern ist kein automatisches Kaufsignal oder Verkaufssignal.

Die Formation liefert zunächst eine Information über das Kräfteverhältnis zwischen Käufern und Verkäufern. Ob daraus tatsächlich ein guter Trade entsteht, hängt vom Kontext ab.

Was ist ein Engulfing Pattern?

„Engulfing“ bedeutet sinngemäß verschlingen oder umschließen.

Bei einem klassischen Engulfing Pattern umfasst der Kerzenkörper der zweiten Kerze den Kerzenkörper der vorherigen Kerze.

Es handelt sich damit um eine Zwei-Kerzen-Formation.

Die erste Kerze zeigt zunächst eine Bewegung in eine Richtung.

Die zweite Kerze bewegt sich anschließend deutlich in die Gegenrichtung und übertrifft dabei den Körper der vorherigen Kerze.

Genau diese Veränderung macht das Pattern interessant.

Beim Bullish Engulfing übernehmen die Käufer die Kontrolle.

Beim Bearish Engulfing übernehmen die Verkäufer die Kontrolle.

Bullish Engulfing

Das Bullish Engulfing ist die bullische Variante des Engulfing Patterns.

Typischerweise entsteht es nach einer Abwärtsbewegung oder an einer relevanten Unterstützungszone.

Die erste Kerze ist bearish.

Danach eröffnet die zweite Kerze zunächst schwach oder in der Nähe des vorherigen Schlusskurses, dreht aber deutlich nach oben.

Am Ende schließt sie so stark, dass ihr Kerzenkörper den Körper der vorherigen bearishen Kerze vollständig umschließt.

Vereinfacht:

Bearish Candle → Bullish Candle → bullische Übernahme

Das kann darauf hindeuten, dass die Verkäufer zunächst weiterhin dominieren, die Käufer anschließend aber deutlich stärker in den Markt kommen.

Wie entsteht ein Bullish Engulfing?

Stell dir vor, ein Markt befindet sich seit mehreren Stunden oder Tagen in einem Abwärtstrend.

Die Verkäufer kontrollieren den Markt.

Es entsteht eine rote beziehungsweise bearish geschlossene Kerze.

In der nächsten Periode kommen zunächst erneut Verkäufer in den Markt.

Doch anschließend verändert sich das Kräfteverhältnis.

Käufer beginnen aggressiv zu kaufen.

Der Kurs steigt deutlich.

Am Ende schließt die zweite Kerze oberhalb des Eröffnungskurses und ihr Körper umfasst den Körper der vorherigen Kerze.

Das Entscheidende ist damit nicht einfach die Farbe der Kerzen.

Es geht um die Veränderung der Marktteilnehmer.

Die Verkäufer konnten den Markt zunächst weiter nach unten drücken.

Dann übernehmen die Käufer innerhalb einer einzigen Kerze die Kontrolle.

Bullish Engulfing Beispiel

Angenommen, Gold befindet sich in einer kurzfristigen Abwärtsbewegung.

Eine Kerze eröffnet bei:

2.500 USD

und schließt bei:

2.490 USD

Die nächste Kerze eröffnet bei:

2.492 USD

und steigt anschließend deutlich.

Sie schließt bei:

2.510 USD

Der Körper der zweiten Kerze reicht damit von ungefähr 2.492 bis 2.510 USD und umfasst den Körper der vorherigen bearishen Kerze.

Das kann ein Bullish Engulfing darstellen.

Aber jetzt kommt der entscheidende Punkt:

Nicht jedes Bullish Engulfing ist ein gutes Long-Setup.

Entsteht die Formation mitten in einer beliebigen Seitwärtsbewegung, kann ihre Aussagekraft deutlich geringer sein.

Entsteht sie dagegen direkt an einer wichtigen Unterstützung nach einer starken Abwärtsbewegung, wird sie interessanter.

Bullish Engulfing an einer Unterstützung

Besonders häufig wird das Bullish Engulfing als mögliches Reversal-Signal an einer Unterstützung eingesetzt.

Beispiel:

Der Markt fällt.

Dabei erreicht er ein vorheriges Tief.

Dort reagieren die Käufer.

Es entsteht ein Bullish Engulfing.

Jetzt hast du mehrere Informationen:

Abwärtsbewegung

Unterstützung

Bullish Engulfing

Diese Kombination ist wesentlich interessanter als das Candlestick Pattern allein.

Denn die Formation bestätigt eine mögliche Reaktion an einem Preisbereich, an dem bereits vorher Käufer aktiv waren.

Bullish Engulfing im Aufwärtstrend

Ein Bullish Engulfing muss nicht zwingend eine komplette Trendumkehr ankündigen.

Es kann auch innerhalb eines bestehenden Aufwärtstrends auftreten.

Beispielsweise:

Der Markt befindet sich im Aufwärtstrend.

Dann kommt eine kurzfristige Korrektur.

An einer vorherigen Unterstützung entsteht ein Bullish Engulfing.

Der Trader interpretiert die Formation nicht als komplette Trendwende, sondern als möglichen Continuation Entry.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Ein Candlestick Pattern kann sowohl für Reversal- als auch für Trendfortsetzungsstrategien verwendet werden.

Bearish Engulfing

Das Bearish Engulfing ist das Gegenstück zum Bullish Engulfing.

Hier übernehmen die Verkäufer die Kontrolle.

Typischerweise entsteht die Formation nach einer Aufwärtsbewegung oder an einem relevanten Widerstand.

Die erste Kerze ist bullish.

Danach folgt eine bearish geschlossene Kerze, deren Körper den Körper der vorherigen bullishen Kerze vollständig umfasst.

Vereinfacht:

Bullish Candle → Bearish Candle → bearische Übernahme

Das kann darauf hindeuten, dass Käufer zunächst den Markt kontrollieren, anschließend aber starke Verkäufer auftreten.

Wie entsteht ein Bearish Engulfing?

Stell dir einen Markt vor, der über mehrere Stunden gestiegen ist.

Die Käufer dominieren.

Dann entsteht eine bullish geschlossene Kerze.

In der nächsten Periode steigen die Kurse zunächst möglicherweise weiter.

Anschließend kommen Verkäufer in den Markt.

Der Kurs fällt deutlich.

Die zweite Kerze schließt weit unterhalb ihres Eröffnungskurses und umfasst dabei den Körper der vorherigen bullishen Kerze.

Das Kräfteverhältnis hat sich innerhalb einer Kerze deutlich verändert.

Die Käufer waren zunächst dominant.

Am Ende haben die Verkäufer die Kontrolle übernommen.

Bearish Engulfing Beispiel

Angenommen, der Nasdaq steigt bis in einen wichtigen Widerstandsbereich.

Die vorherige Kerze:

Open: 20.000

Close: 20.050

Die nächste Kerze eröffnet bei:

20.048

und fällt anschließend deutlich.

Sie schließt bei:

19.980

Der bearish Kerzenkörper umfasst damit den Körper der vorherigen bullishen Kerze.

Es entsteht ein Bearish Engulfing.

Wenn dieses Pattern zusätzlich direkt an einem relevanten Widerstand entsteht, kann die Formation deutlich interessanter sein.

Bearish Engulfing an einem Widerstand

Eine typische Kombination sieht so aus:

Aufwärtstrend

Widerstand

Bearish Engulfing

Hier entsteht ein möglicher Reversal-Bereich.

Der Markt steigt bis zu einem Preisniveau, an dem zuvor bereits Verkäufer aktiv waren.

Zunächst können die Käufer den Kurs noch weiter nach oben treiben.

Dann folgt eine starke bearish geschlossene Kerze.

Das kann ein erstes Zeichen dafür sein, dass der Aufwärtsdruck nachlässt.

Ein Short-Trade sollte allerdings nicht allein aufgrund dieser einen Formation eröffnet werden.

Bullish Engulfing vs. Bearish Engulfing

Merkmal Bullish Engulfing Bearish Engulfing
Richtung Bullish Bearish
Erste Kerze Bearish Bullish
Zweite Kerze Bullish Bearish
Typischer Kontext Abwärtsbewegung Aufwärtsbewegung
Interessanter Bereich Unterstützung Widerstand
Mögliche Aussage Käufer übernehmen Kontrolle Verkäufer übernehmen Kontrolle
Typische Anwendung Long Short

Beide Formationen funktionieren nach demselben Grundprinzip:

Eine Marktseite verliert die Kontrolle, die andere übernimmt sie.

Warum ist Engulfing überhaupt interessant?

Candlesticks sind letztlich eine Darstellung des Kampfes zwischen Käufern und Verkäufern.

Eine einzelne Kerze zeigt:

  • Eröffnung
  • Hoch
  • Tief
  • Schlusskurs

Ein Engulfing Pattern geht einen Schritt weiter.

Du vergleichst zwei aufeinanderfolgende Perioden.

Dadurch kannst du erkennen, ob sich das kurzfristige Kräfteverhältnis verändert.

Beim Bullish Engulfing:

Verkäufer → Käufer

Beim Bearish Engulfing:

Käufer → Verkäufer

Genau diese Dynamik macht die Formation für Price-Action-Trader interessant.

Engulfing Pattern allein traden?

Das ist einer der häufigsten Fehler.

Ein Trader sieht:

Bullish Engulfing

und kauft sofort.

Oder:

Bearish Engulfing

und geht sofort Short.

Das Problem:

Candlestick Patterns entstehen ständig.

Nicht jede Formation hat dieselbe Bedeutung.

Ein Bullish Engulfing mitten in einer unklaren Seitwärtsbewegung ist etwas anderes als ein Bullish Engulfing an einem starken Support nach einem impulsiven Abverkauf.

Deshalb sollte das Pattern immer im Kontext betrachtet werden.

Der Kontext ist wichtiger als die Kerze

Ein guter Ansatz besteht darin, zunächst den Chart zu analysieren und erst danach nach Candlestick-Formationen zu suchen.

Frage dich:

Wo befindet sich der Markt?

Gibt es einen Trend?

Gibt es eine Range?

Wo liegen wichtige Hochs und Tiefs?

Wo befinden sich Support und Resistance?

Hat der Markt gerade Liquidität abgeholt?

Wie stark war die vorherige Bewegung?

Passt das Engulfing zu dieser Marktstruktur?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, wird die Candlestick-Formation wirklich interessant.

Bullish Engulfing und Support

Ein besonders klassischer Ansatz:

Der Markt fällt in eine Unterstützung.

Dort bildet sich ein Bullish Engulfing.

Der Trader wartet auf eine Bestätigung.

Diese kann beispielsweise sein:

  • Bruch des Hochs der Engulfing-Kerze
  • weiterer bullischer Impuls
  • Break einer kurzfristigen Struktur
  • Retest der Zone

Der Entry muss dabei nicht direkt beim Schlusskurs des Bullish Engulfing erfolgen.

Je nach Strategie kann es sinnvoller sein, auf eine weitere Bestätigung zu warten.

Bearish Engulfing und Resistance

Das gleiche Prinzip gilt umgekehrt.

Der Markt steigt in einen Widerstand.

Dort entsteht ein Bearish Engulfing.

Mögliche Bestätigung:

  • Bruch des Tiefs der Engulfing-Kerze
  • bearish Momentum
  • Bruch einer kurzfristigen Struktur
  • Retest des Widerstands

Auch hier gilt:

Das Pattern liefert den Hinweis – die Marktstruktur liefert den Kontext.

Engulfing und Stop Loss

Der Stop Loss kann bei einem Bullish Engulfing beispielsweise unterhalb des Tiefs der Formation oder unterhalb einer relevanten Unterstützungszone liegen.

Bei einem Bearish Engulfing kann der Stop oberhalb des Hochs der Formation oder oberhalb des relevanten Widerstands liegen.

Welche Variante sinnvoller ist, hängt von der Strategie ab.

Ein wichtiger Punkt:

Der Stop sollte dort liegen, wo die Trading-Idee ungültig wird.

Nicht einfach dort, wo der Abstand zum Entry besonders klein ist.

Engulfing und Take Profit

Auch das Kursziel sollte nicht willkürlich gewählt werden.

Bei einem Bullish Engulfing können beispielsweise folgende Ziele interessant sein:

  • vorheriges Hoch
  • Widerstandszone
  • Liquiditätsbereich
  • Range-Hoch
  • nächster Swing High

Beim Bearish Engulfing entsprechend:

  • vorheriges Tief
  • Unterstützungszone
  • Range-Tief
  • Swing Low
  • Liquiditätsbereich

Damit entsteht eine klare Struktur:

Entry → Stop → Ziel

Erst danach lässt sich sinnvoll beurteilen, ob das Setup überhaupt interessant ist.

Engulfing mit Chance-Risiko-Verhältnis

Angenommen, du gehst nach einem Bullish Engulfing Long.

Entry:

100

Stop:

95

Ziel:

115

Dann beträgt das Risiko:

5 Punkte

und die mögliche Chance:

15 Punkte

Das ergibt ein theoretisches CRV von:

1:3

Ob der Trade tatsächlich sinnvoll ist, hängt aber nicht allein vom CRV ab.

Ein Ziel von 115 macht wenig Sinn, wenn der Markt bei 108 auf einen massiven Widerstand trifft und statistisch nur selten darüber hinausläuft.

Das Kursziel muss zur Marktstruktur passen.

Engulfing beim Forex Trading

Bullish und Bearish Engulfing werden häufig im Forex Trading eingesetzt.

Beispielsweise bei:

  • EUR/USD
  • GBP/USD
  • USD/JPY
  • AUD/USD
  • USD/CHF

Gerade auf höheren Zeiteinheiten können Engulfing-Formationen an wichtigen Unterstützungen und Widerständen interessant sein.

Auf sehr kleinen Zeiteinheiten entstehen dagegen sehr viele Candlestick-Signale.

Dadurch steigt die Gefahr von Fehlsignalen.

Engulfing beim Gold Trading

Gold eignet sich ebenfalls für die Analyse von Candlestick-Formationen.

Allerdings kann die hohe Volatilität dazu führen, dass sich Kerzen sehr schnell verändern.

Ein Bullish Engulfing auf Gold sollte deshalb beispielsweise nicht isoliert betrachtet werden.

Interessanter wird die Formation, wenn gleichzeitig:

  • eine Unterstützung erreicht wird,
  • ein vorheriges Tief getestet wird,
  • eine Liquiditätsabholung stattfindet,
  • die Marktstruktur einen Reversal zulässt.

Engulfing beim Nasdaq Trading

Auch beim Nasdaq können Engulfing Patterns auftreten.

Besonders rund um wichtige Preisbereiche können starke Umkehrkerzen entstehen.

Allerdings sollte der Trader gerade bei Indizes auf die Handelszeit achten.

Eine Formation während einer ruhigen Phase kann eine andere Aussagekraft haben als ein Engulfing während einer starken US-Marktbewegung.

Auch Nachrichten können kurzfristig starke Candlestick-Formationen erzeugen.

Engulfing im Daytrading

Beim Daytrading können Engulfing Patterns auf kleinen Zeiteinheiten eingesetzt werden.

Beispielsweise:

15-Minuten-Chart → Marktstruktur

5-Minuten-Chart → Setup

1-Minuten-Chart → Entry

Das ist nur ein mögliches Vorgehen.

Entscheidend ist, dass die Zeiteinheiten eine klare Aufgabe haben.

Wenn du auf jedem Chart nach einem anderen Signal suchst, entsteht schnell widersprüchliche Analyse.

Engulfing im Swing Trading

Für Swing Trader können Engulfing Patterns auf höheren Zeiteinheiten besonders interessant sein.

Beispielsweise:

Tageschart → Bullish Engulfing an Support

oder

Tageschart → Bearish Engulfing an Resistance

Hier hat die Formation eine andere Bedeutung als auf einem 1-Minuten-Chart.

Eine Tageskerze repräsentiert eine komplette Handelssitzung.

Eine Minute dagegen nur einen sehr kleinen Ausschnitt des Marktes.

Deshalb sollte die Bedeutung eines Candlestick Patterns immer zusammen mit dem Timeframe betrachtet werden.

Welcher Timeframe ist für Engulfing am besten?

Es gibt keinen universell besten Timeframe.

Engulfing Patterns können auf nahezu jedem Chart auftreten.

Allerdings gilt:

Je kleiner der Timeframe, desto mehr Signale entstehen – und desto mehr Noise gibt es.

Auf höheren Zeiteinheiten entstehen weniger Signale.

Diese können dafür stärker mit größeren Marktbewegungen verbunden sein.

Ein Trader sollte deshalb nicht einfach den Timeframe mit den meisten Engulfing-Formationen auswählen.

Entscheidend ist, welcher Timeframe zur eigenen Strategie passt.

Engulfing und Volumen

Volumen kann zusätzliche Informationen liefern.

Ein Bullish Engulfing mit deutlich erhöhtem Volumen kann beispielsweise interessanter sein als eine Formation mit sehr geringem Handelsvolumen.

Warum?

Weil die starke Kerze gleichzeitig von einem erhöhten Handelsinteresse begleitet wird.

Auch hier gilt:

Mehr Volumen macht das Pattern nicht automatisch profitabel.

Es liefert lediglich zusätzlichen Kontext.

Engulfing und Trend

Ein Engulfing Pattern kann gegen den bestehenden Trend oder innerhalb des Trends gehandelt werden.

Reversal

Aufwärtstrend → Bearish Engulfing → möglicher Short

oder

Abwärtstrend → Bullish Engulfing → möglicher Long

Continuation

Aufwärtstrend → Korrektur → Bullish Engulfing → möglicher Long

oder

Abwärtstrend → Korrektur → Bearish Engulfing → möglicher Short

Für viele Trader ist die zweite Variante interessant, weil sie nicht versucht, jeden großen Trendwechsel am Hoch oder Tief zu erwischen.

Bullish Engulfing als Trendfortsetzung

Stell dir einen klaren Aufwärtstrend vor.

Der Markt bildet:

Higher High → Higher Low → Higher High

Dann folgt eine kleine Korrektur.

An einem vorherigen Higher Low entsteht ein Bullish Engulfing.

Hier kann die Formation als Hinweis dienen, dass die Käufer wieder in Richtung des übergeordneten Trends aktiv werden.

Der Trader handelt damit nicht unbedingt eine Trendumkehr.

Er handelt die Fortsetzung eines bestehenden Trends.

Bearish Engulfing als Trendfortsetzung

Das gleiche Prinzip funktioniert im Abwärtstrend.

Der Markt bildet:

Lower Low → Lower High → Lower Low

Dann folgt eine Korrektur nach oben.

An einem vorherigen Widerstandsbereich entsteht ein Bearish Engulfing.

Das Pattern kann hier als Hinweis dienen, dass die Verkäufer wieder die Kontrolle übernehmen.

Bullish und Bearish Engulfing richtig backtesten

Wer Engulfing Patterns systematisch handeln möchte, sollte die Formation nicht nur auf dem Chart anschauen.

Sie sollte quantitativ getestet werden.

Beispielsweise:

  • Welcher Timeframe?
  • Welcher Markt?
  • Welche Marktphase?
  • Support/Resistance erforderlich?
  • Trend oder Reversal?
  • Entry direkt beim Close?
  • Entry beim Break des Hochs?
  • Stop unter dem Tief?
  • Fester TP?
  • CRV?
  • Teilgewinn?
  • Welche Handelszeiten?

Erst wenn diese Regeln definiert sind, lässt sich die tatsächliche Performance analysieren.

Warum viele Engulfing-Strategien nicht funktionieren

Das Problem ist häufig nicht das Pattern selbst.

Das Problem ist eine fehlende Definition.

Ein Trader sagt:

„Ich handle Bullish Engulfings.“

Aber was genau ist ein Bullish Engulfing?

Muss der zweite Körper den ersten vollständig umfassen?

Müssen die Dochte berücksichtigt werden?

Muss die Formation an Support entstehen?

Wie stark muss die vorherige Bewegung sein?

Wann erfolgt der Entry?

Wo liegt der Stop?

Wo liegt der Take Profit?

Ohne klare Antworten lässt sich keine saubere Strategie testen.

Häufige Fehler beim Engulfing Trading

Fehler 1: Jede Formation handeln

Nicht jedes Engulfing ist gleich relevant.

Fehler 2: Marktstruktur ignorieren

Eine Kerze allein sagt wenig über den Gesamtmarkt aus.

Fehler 3: Gegen den starken Trend handeln

Ein Bearish Engulfing in einem extrem starken Aufwärtstrend kann schnell scheitern.

Fehler 4: Entry ohne Risikoanalyse

Auch ein gutes Pattern kann falsch liegen.

Fehler 5: Stop zu eng setzen

Eine normale Schwankung kann die Position ausstoppen.

Fehler 6: Take Profit willkürlich setzen

Das Kursziel sollte aus der Strategie entstehen.

Fehler 7: Keine Daten sammeln

Ohne Backtesting weißt du nicht, ob deine konkrete Interpretation des Patterns überhaupt einen statistischen Vorteil besitzt.

Bullish Engulfing und Bearish Engulfing: Die wichtigsten Regeln

Wenn du Engulfing Patterns traden möchtest, kannst du dir zunächst folgende Grundregeln merken:

Bullish Engulfing:

  • typischerweise bearish erste Kerze
  • danach bullische Kerze
  • zweiter Körper umfasst den ersten
  • besonders interessant an Support
  • kann Reversal oder Continuation anzeigen

Bearish Engulfing:

  • typischerweise bullish erste Kerze
  • danach bearische Kerze
  • zweiter Körper umfasst den ersten
  • besonders interessant an Resistance
  • kann Reversal oder Continuation anzeigen

Aber die wichtigste Regel steht über allen anderen:

Das Pattern niemals isoliert betrachten.

Fazit: Bullish Engulfing & Bearish Engulfing

Das Bullish Engulfing und das Bearish Engulfing gehören zu den bekanntesten Candlestick-Formationen im Trading.

Das Prinzip ist einfach:

Beim Bullish Engulfing übernehmen die Käufer nach einer bearishen Kerze deutlich die Kontrolle.

Beim Bearish Engulfing übernehmen die Verkäufer nach einer bullishen Kerze die Kontrolle.

Interessant werden die Formationen vor allem dann, wenn sie mit einer sinnvollen Marktstruktur zusammentreffen.

Ein Bullish Engulfing an einer relevanten Unterstützung ist etwas völlig anderes als ein Bullish Engulfing irgendwo mitten in einer unklaren Range.

Genauso ist ein Bearish Engulfing an einem starken Widerstand interessanter als dasselbe Pattern nach einer beliebigen kleinen Aufwärtsbewegung.

Deshalb sollte ein guter Trading-Prozess nicht bei der Candlestick-Formation beginnen.

Er beginnt mit dem Markt:

Wo befindet sich der Kurs?

Was macht die Struktur?

Wo liegen relevante Preisbereiche?

Wie verhält sich der Markt dort?

Und passt das Engulfing tatsächlich zu meinem Setup?

Erst daraus entsteht ein vollständiger Trade.

Das Engulfing Pattern ist also kein magischer Einstiegstrigger.

Es ist vielmehr eine kompakte Darstellung eines möglichen Wechsels im kurzfristigen Kräfteverhältnis zwischen Käufern und Verkäufern.

Und genau deshalb kann es – richtig in eine Strategie eingebettet – ein wertvolles Werkzeug der Price Action sein.