Long und Short Trading

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Wer mit dem Trading beginnt, stößt sehr schnell auf zwei Begriffe: Long und Short. Ein Trader geht Long, wenn er auf steigende Kurse setzt. Eine Short-Position wird dagegen eröffnet, wenn fallende Kurse erwartet werden. Damit bilden Long und Short die beiden grundlegenden Handelsrichtungen im Trading.

Das Prinzip klingt zunächst einfach. Trotzdem entstehen gerade bei Short-Positionen häufig Missverständnisse. Wie kann man etwas verkaufen, das man gar nicht besitzt? Warum kann man mit fallenden Kursen Geld verdienen? Und ist ein Short-Trade eigentlich riskanter als ein Long-Trade?

Besonders beim CFD Trading spielen Long und Short eine zentrale Rolle. CFDs ermöglichen es, auf steigende und fallende Kurse zu spekulieren, ohne den zugrunde liegenden Basiswert selbst zu besitzen. Gleichzeitig sorgt der mögliche Hebel dafür, dass sich Kursbewegungen nicht nur auf Gewinne, sondern genauso auf Verluste auswirken.

Was bedeutet Long im Trading?

Long bedeutet, dass ein Trader auf steigende Kurse setzt.

Eine Long-Position wird eröffnet, wenn du davon ausgehst, dass der Preis eines Finanzinstruments steigen wird.

Das Grundprinzip ist:

Kaufen → Kurs steigt → verkaufen → Gewinn

Beispiel:

Du kaufst eine Aktie bei 100 €.

Der Kurs steigt anschließend auf 110 €.

Verkaufst du deine Position bei 110 €, beträgt der Kursgewinn 10 € je Aktie, bevor Kosten berücksichtigt werden.

Fällt die Aktie dagegen auf 90 €, entsteht ein Verlust von 10 € je Aktie.

Bei einer Long-Position ist die Richtung des Trades also zunächst sehr intuitiv:

Steigt der Markt, ist das positiv. Fällt der Markt, ist das negativ.

Eine Long-Position kann beispielsweise über Aktien, Futures, Optionen oder CFDs aufgebaut werden. Die genaue Funktionsweise hängt vom jeweiligen Finanzinstrument ab. Bei einem CFD besitzt der Trader den zugrunde liegenden Basiswert nicht. Stattdessen wird die Kursveränderung des CFDs gehandelt.

Was bedeutet Short im Trading?

Short bedeutet, dass ein Trader auf fallende Kurse setzt.

Genau hier wird das Prinzip für viele Anfänger zunächst schwieriger.

Bei einem klassischen Leerverkauf werden Wertpapiere verkauft, die der Trader zunächst nicht selbst besitzt. Sie werden vereinfacht gesagt geliehen und später zurückgekauft. Fallen die Kurse zwischen Verkauf und Rückkauf, kann daraus ein Gewinn entstehen.

Das Grundprinzip lautet:

Verkaufen → Kurs fällt → zurückkaufen → Gewinn

Beispiel:

Du verkaufst eine Aktie bei 100 €.

Der Kurs fällt anschließend auf 80 €.

Du kaufst die Aktie zurück.

Die Differenz von 20 € je Aktie wäre – vor Kosten – dein Gewinn.

Steigt die Aktie dagegen von 100 € auf 120 €, entsteht beim Short-Trade ein Verlust von 20 € je Aktie.

Bei CFDs ist der Vorgang technisch anders, weil kein klassischer Leerverkauf des Basiswertes erforderlich ist. Du kannst einen CFD direkt in Short-Richtung eröffnen und damit auf einen fallenden Kurs spekulieren.

Long und Short einfach gegenübergestellt

Der Unterschied lässt sich auf einen Satz reduzieren:

Long = steigende Kurse

Short = fallende Kurse

Long Short
Erwartung Kurs steigt Kurs fällt
Eröffnung Kaufen Verkaufen
Gewinn bei steigenden Kursen fallenden Kursen
Verlust bei fallenden Kursen steigenden Kursen
Typische Bezeichnung bullish bearish

Das Entscheidende ist aber nicht die Bezeichnung.

Ein Trader sollte vor jedem Trade wissen, warum er Long oder Short gehen möchte.

Wie funktioniert ein Long-Trade?

Nehmen wir einen Trader, der den Nasdaq analysiert.

Der Index befindet sich in einem Aufwärtstrend. Es entstehen höhere Hochs und höhere Tiefs. Nach einem Rücksetzer erreicht der Markt eine vorherige Unterstützungszone.

Der Trader erwartet, dass die Käufer dort wieder aktiv werden.

Er eröffnet eine Long-Position.

Beispiel:

Entry: 20.000 Punkte

Stop Loss: 19.900 Punkte

Take Profit: 20.300 Punkte

Das Risiko beträgt 100 Punkte.

Das mögliche Kursziel liegt 300 Punkte entfernt.

Der Trade hat damit theoretisch ein Chance-Risiko-Verhältnis von 1:3.

Wichtig ist dabei:

Der Trader verdient nicht deshalb Geld, weil er „Long“ ist.

Er verdient nur dann Geld, wenn sich der Markt tatsächlich in die erwartete Richtung bewegt und der Gewinn groß genug ist, um Verluste und Handelskosten langfristig zu übertreffen.

Wie funktioniert ein Short-Trade?

Jetzt drehen wir das Szenario um.

Der Nasdaq befindet sich in einem Abwärtstrend.

Es entstehen tiefere Hochs und tiefere Tiefs.

Nach einem kurzen Anstieg erreicht der Markt einen Widerstandsbereich. Dort scheitert der Ausbruch nach oben und der Kurs beginnt wieder zu fallen.

Der Trader erwartet eine Fortsetzung des Abwärtstrends.

Er eröffnet eine Short-Position.

Beispiel:

Entry: 20.000 Punkte

Stop Loss: 20.100 Punkte

Take Profit: 19.700 Punkte

Auch hier beträgt das Risiko 100 Punkte.

Das Kursziel liegt 300 Punkte entfernt.

Damit ergibt sich ebenfalls ein theoretisches Chance-Risiko-Verhältnis von 1:3.

Der Unterschied liegt lediglich in der erwarteten Marktrichtung.

Long oder Short: Was ist besser?

Keine der beiden Richtungen ist grundsätzlich besser.

Ein häufiger Denkfehler besteht darin, Long und Short wie zwei unterschiedliche Trading-Strategien zu behandeln.

Eigentlich beschreiben sie zunächst nur die Richtung der Position.

Ein Trend-Trader kann Long gehen.

Ein Trend-Trader kann aber genauso Short gehen.

Ein Breakout-Trader kann einen Ausbruch nach oben Long handeln oder einen Ausbruch nach unten Short.

Ein Reversal Trader kann nach einer Trendumkehr ebenfalls beide Richtungen handeln.

Deshalb ist die entscheidende Frage nicht:

„Ist Long oder Short besser?“

Sondern:

„Welche Richtung wird durch mein Setup aktuell unterstützt?“

Long und Short im CFD Trading

CFDs sind für das Verständnis von Long und Short besonders interessant.

Bei einem CFD besitzt du den Basiswert nicht direkt. Stattdessen partizipierst du an dessen Kursbewegung.

Dadurch kannst du sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse setzen. Bei einer Long-Position wählst du vereinfacht gesagt „Kaufen“, bei einer Short-Position „Verkaufen“.

Das macht CFDs für Trader flexibel.

Ein Trader muss nicht darauf warten, dass ein Markt langfristig steigt.

Auch ein Abwärtstrend kann gehandelt werden.

Allerdings sind CFDs häufig gehebelte Produkte. Dadurch kann bereits eine relativ kleine Margin ein größeres Markt-Exposure ermöglichen. Der Hebel verstärkt dabei nicht nur mögliche Gewinne, sondern ebenso mögliche Verluste.

Wie funktioniert der Hebel bei Long und Short?

Nehmen wir vereinfacht einen CFD mit einem Positionswert von 10.000 €.

Angenommen, dafür müssen lediglich 1.000 € Margin hinterlegt werden.

Dann entspricht das einem Hebel von:

10.000 € ÷ 1.000 € = 10

Steigt der Basiswert um 1 %, entspricht das bei einer 10.000-€-Position einem Gewinn von etwa 100 € vor Kosten.

Fällt der Basiswert um 1 %, entsteht dagegen ein Verlust von etwa 100 €.

Das funktioniert bei Short genauso.

Fällt der Basiswert um 1 %, kann die Short-Position gewinnen.

Steigt der Basiswert um 1 %, verliert die Position.

Der Hebel verändert also nicht die grundlegende Logik von Long und Short.

Er sorgt dafür, dass sich eine bestimmte Kursbewegung stärker auf das eingesetzte Kapital auswirken kann.

Long und Short beim Trading von Forex

Im Forex Trading sind Long und Short besonders wichtig, weil Währungen immer als Paar gehandelt werden.

Nehmen wir EUR/USD.

Geht ein Trader EUR/USD Long, erwartet er vereinfacht gesagt, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar an Wert gewinnt.

Beispielsweise:

EUR/USD: 1,1000 → 1,1100

Der Long-Trade entwickelt sich positiv.

Geht der Trader EUR/USD Short, erwartet er dagegen:

EUR/USD: 1,1000 → 1,0900

Die Bewegung nach unten wäre für die Short-Position positiv.

Bei Währungspaaren ist deshalb wichtig zu verstehen, dass eine Long-Position immer die relative Entwicklung zweier Währungen abbildet.

Long und Short bei Gold

Auch Gold kann sowohl Long als auch Short gehandelt werden.

Ein Trader könnte beispielsweise nach einem starken Rücksetzer eine Unterstützungszone identifizieren.

Kommt es dort zu einer bullischen Reaktion, könnte ein Long-Setup entstehen.

Umgekehrt kann ein Trader nach einem starken Anstieg an einem wichtigen Widerstand nach einem bearischen Reversal suchen.

Entsteht anschließend ein Strukturbruch nach unten, könnte ein Short-Setup interessant werden.

Das Entscheidende ist nicht:

„Gold steigt langfristig, deshalb Long.“

Sondern:

„Was zeigt der Markt an meinem konkreten Einstiegspunkt?“

Long und Short beim Nasdaq

Der Nasdaq ist ein gutes Beispiel dafür, warum Trader beide Richtungen beherrschen sollten.

Der Index kann innerhalb eines Tages starke Bewegungen in beide Richtungen entwickeln.

Ein Trader könnte beispielsweise morgens eine bullische Marktstruktur erkennen und Long handeln.

Später bricht diese Struktur.

Aus einem Higher Low wird ein Lower Low.

Der Markt bildet anschließend ein Lower High.

Jetzt kann sich die Markteinschätzung ändern.

Der Trader muss nicht an seiner ursprünglichen Long-Idee festhalten.

Wenn das eigene Regelwerk es vorsieht, kann nun ein Short-Setup entstehen.

Ein guter Trader ist nicht mit einer Richtung verheiratet.

Long und Short beim DAX

Auch der DAX kann sowohl Long als auch Short gehandelt werden.

Besonders im Daytrading wechseln sich Trends, Rücksetzer und kurzfristige Richtungswechsel ab.

Ein Trader könnte beispielsweise einen Ausbruch über das Tageshoch Long handeln.

Scheitert dieser Ausbruch anschließend und fällt der DAX wieder unter eine wichtige Unterstützung, kann daraus ein Short-Szenario entstehen.

Damit wird deutlich:

Der gleiche Kursbereich kann zunächst ein Long-Setup und später ein Short-Setup liefern.

Entscheidend ist, was der Markt tatsächlich macht.

Wann sollte man Long gehen?

Eine Long-Position kann beispielsweise interessant werden, wenn mehrere bullische Faktoren zusammenkommen.

Dazu gehören etwa:

  • übergeordneter Aufwärtstrend,
  • Higher Highs und Higher Lows,
  • Reaktion an einer Unterstützung,
  • bullischer Breakout,
  • erfolgreicher Retest,
  • bullische Price Action,
  • zunehmendes Momentum.

Aber auch hier gilt:

Keines dieser Signale garantiert einen steigenden Kurs.

Ein Long-Trade ist immer eine Wahrscheinlichkeitsentscheidung.

Wann sollte man Short gehen?

Eine Short-Position kann beispielsweise interessant werden, wenn der Markt eine bearische Struktur zeigt.

Mögliche Faktoren sind:

  • Abwärtstrend,
  • Lower Highs und Lower Lows,
  • Widerstand,
  • gescheiterter Breakout,
  • bearisher Retest,
  • Strukturbruch,
  • nachlassendes Kaufmomentum.

Auch hier gilt:

Ein Signal ist keine Garantie.

Der entscheidende Unterschied zwischen einem strukturierten Trade und einer bloßen Marktmeinung liegt deshalb häufig im Risikomanagement.

Long und Short anhand der Marktstruktur

Für viele Trader ist die Marktstruktur hilfreicher als die Frage, ob ein einzelner Indikator gerade „Long“ oder „Short“ signalisiert.

Ein Aufwärtstrend besteht vereinfacht aus:

Higher High → Higher Low → Higher High → Higher Low

Ein Abwärtstrend aus:

Lower Low → Lower High → Lower Low → Lower High

Solange diese Struktur intakt bleibt, gibt es keinen zwingenden Grund anzunehmen, dass der Trend bereits beendet ist.

Interessant wird es, wenn sich die Struktur verändert.

Beispielsweise:

Higher High → Higher Low → Break des Higher Lows

Das kann ein erstes Warnsignal für eine bearische Veränderung sein.

Umgekehrt:

Lower Low → Lower High → Break des Lower Highs

kann auf eine mögliche bullische Veränderung hindeuten.

Long und Short bei Breakouts

Breakout Trading lässt sich ebenfalls in beide Richtungen anwenden.

Ein Long Breakout entsteht beispielsweise, wenn der Kurs einen Widerstand nach oben verlässt.

Ein Short Breakout entsteht, wenn der Kurs eine Unterstützung nach unten durchbricht.

Problematisch wird es bei sogenannten False Breakouts.

Der Kurs überschreitet einen Widerstand kurz und fällt anschließend wieder darunter.

Oder er unterschreitet einen Support und steigt sofort wieder darüber.

Genau deshalb sollte ein Breakout nicht ausschließlich anhand einer einzigen Kerze beurteilt werden.

Long und Short bei Reversals

Reversal Trading ist ein weiteres gutes Beispiel.

Nach einem starken Aufwärtstrend kann ein Trader nach Anzeichen für eine Trendumkehr suchen.

Beispielsweise:

Widerstand → False Breakout → Lower High → Strukturbruch

Das kann ein bearishes Reversal und damit ein mögliches Short-Setup darstellen.

Nach einem Abwärtstrend kann das Gegenteil passieren:

Support → Rejection → Higher Low → Strukturbruch

Daraus kann sich ein Long-Setup entwickeln.

Das Prinzip bleibt gleich:

Nicht die Richtung erraten, sondern auf eine Veränderung der Marktstruktur warten.

Ist Short Trading riskanter als Long Trading?

Die Antwort hängt vom jeweiligen Finanzinstrument ab.

Bei einem klassischen Long-Kauf einer Aktie ist der maximale Verlust grundsätzlich auf das eingesetzte Kapital begrenzt, wenn man von Sonderfällen wie Handel auf Margin absieht.

Bei einem klassischen Leerverkauf kann das Risiko theoretisch wesentlich größer sein, weil der Kurs eines Wertpapiers unbegrenzt steigen kann.

Verkaufst du beispielsweise bei 100 € und der Kurs steigt auf 200 €, beträgt der Verlust bereits 100 € je Aktie.

Steigt die Aktie auf 500 €, beträgt der Verlust 400 € je Aktie.

Bei CFDs hängt die konkrete Risikostruktur wiederum von den jeweiligen Vertragsbedingungen, dem Hebel und den geltenden Schutzmechanismen ab.

Deshalb sollte man Short nicht pauschal mit „unbegrenztem Risiko“ gleichsetzen, wenn es um ein bestimmtes CFD-Konto geht. Die konkrete Produktstruktur ist entscheidend.

Der Hebel macht Long und Short nicht sicherer

Ein verbreiteter Denkfehler lautet:

„Ich brauche nur wenig Kapital, deshalb ist mein Risiko gering.“

Das Gegenteil kann der Fall sein.

Wenn eine Position mit einem großen Marktwert kontrolliert wird, können kleine Kursbewegungen bereits einen deutlichen Einfluss auf das Konto haben.

Der Hebel wirkt in beide Richtungen.

Ein Long-Trade kann durch einen Kursrückgang schnell Verluste erzeugen.

Ein Short-Trade kann durch einen Kursanstieg schnell Verluste erzeugen.

Deshalb sollte der Hebel niemals mit dem maximal sinnvollen Risiko verwechselt werden.

Stop Loss bei Long und Short

Ein Stop Loss definiert den Punkt, an dem eine Trading-Idee beendet wird.

Bei Long liegt der Stop häufig unterhalb einer relevanten Struktur.

Beispielsweise unter:

  • einem Swing Low,
  • einer Unterstützung,
  • einem Retest-Tief.

Bei Short liegt der Stop häufig oberhalb einer relevanten Struktur.

Zum Beispiel über:

  • einem Swing High,
  • einem Widerstand,
  • einem Retest-Hoch.

Der Stop sollte also nicht einfach auf einen beliebigen Abstand vom Entry gesetzt werden.

Er sollte zur Logik des Setups passen.

Positionsgröße bei Long und Short

Die Positionsgröße sollte sich am Risiko orientieren.

Angenommen, ein Trader möchte maximal 100 € pro Trade riskieren.

Der Long-Einstieg liegt bei:

100 €

Der Stop liegt bei:

98 €

Damit beträgt das Risiko:

2 € je Einheit

Bei einem maximalen Risiko von 100 € ergibt sich theoretisch eine Positionsgröße von:

100 € ÷ 2 € = 50 Einheiten

Beim Short funktioniert die Logik genauso.

Entry:

100 €

Stop:

102 €

Risiko:

2 € je Einheit

Auch hier würden bei einem maximalen Risiko von 100 € theoretisch 50 Einheiten entsprechen.

Das Prinzip ist wichtiger als die konkrete Zahl:

Nicht die gewünschte Positionsgröße bestimmt das Risiko – der geplante Stop und das maximale Risiko bestimmen die Positionsgröße.

Long und Short gleichzeitig?

Es ist grundsätzlich möglich, gleichzeitig Long- und Short-Positionen zu halten. Das kann beispielsweise bei bestimmten Hedging-Strategien vorkommen.

Für einen normalen Trader bedeutet eine Long- und Short-Position im selben Markt aber nicht automatisch, dass das Risiko verschwindet.

Stattdessen können sich Positionen teilweise oder vollständig gegeneinander aufheben.

Hinzu kommen Spread, Kommissionen und gegebenenfalls Finanzierungskosten.

Deshalb sollte eine solche Konstruktion einen klaren Zweck innerhalb der Strategie haben.

Long und Short beim Hedging

Short-Positionen werden nicht ausschließlich zur Spekulation eingesetzt.

Sie können auch zum Hedging verwendet werden.

Ein Anleger besitzt beispielsweise ein Aktienportfolio und möchte sich vorübergehend gegen einen möglichen Rückgang des Marktes absichern.

Eine Short-Position auf einen passenden Index kann dann einen Teil des Marktrisikos kompensieren.

Das ist allerdings eine andere Anwendung als klassisches spekulatives Short Trading.

Long und Short: Die häufigsten Anfängerfehler

Einfach Long gehen, weil der Markt steigt

Ein Markt kann nach einem starken Anstieg bereits weit gelaufen sein.

Einfach Short gehen, weil der Markt „zu hoch“ steht

Ein Markt kann länger steigen, als ein Trader solvent bleibt.

Den Trend ignorieren

Ein einzelnes Reversal-Signal gegen einen starken Trend ist nicht automatisch ein gutes Setup.

Ohne Stop Loss handeln

Gerade gehebelte Positionen können sich schnell gegen den Trader entwickeln.

Den Hebel zu groß wählen

Ein kleiner Kursausschlag kann dann bereits einen großen Teil des Kontos beeinflussen.

Long und Short mit Vorhersagen verwechseln

Kein Trader weiß mit Sicherheit, wohin sich der Markt als Nächstes bewegt.

Trading basiert auf Wahrscheinlichkeiten.

Long und Short sind keine Strategien

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Long ist keine Trading-Strategie.

Short ist ebenfalls keine Trading-Strategie.

Sie beschreiben lediglich die Richtung eines Trades.

Eine Strategie beantwortet dagegen Fragen wie:

  • Wann wird gehandelt?
  • Welche Marktbedingungen müssen vorliegen?
  • Wo liegt der Einstieg?
  • Wo liegt der Stop?
  • Wo liegt das Ziel?
  • Wie groß ist die Position?
  • Wann wird kein Trade genommen?

Beispielsweise kann eine Breakout-Strategie sowohl Long als auch Short funktionieren.

Eine Reversal-Strategie ebenfalls.

Auch ein Moving-Average-System kann abhängig von seinen Regeln beide Richtungen handeln.

Long und Short mit einem Trading-Plan

Ein professioneller Trading-Plan sollte deshalb nicht nur festlegen:

„Ich suche Long-Trades.“

Besser ist eine klare Definition.

Zum Beispiel:

Long:
Wenn der übergeordnete Trend bullish ist, der Kurs an eine Unterstützung zurückläuft und anschließend ein bullischer Strukturbruch entsteht.

Short:
Wenn der übergeordnete Trend bearish ist, der Kurs an einen Widerstand zurückläuft und anschließend ein bearischer Strukturbruch entsteht.

Damit wird aus Long und Short ein reproduzierbarer Prozess.

Long oder Short entscheiden: Eine praktische Frage

Vor jedem Trade kann eine einfache Frage helfen:

„Was müsste der Markt jetzt tun, damit meine Annahme falsch ist?“

Bei Long:

„Wenn der Markt unter dieses Tief fällt, ist meine bullische Idee nicht mehr intakt.“

Bei Short:

„Wenn der Markt über dieses Hoch steigt, ist meine bearische Idee nicht mehr intakt.“

Diese Denkweise zwingt den Trader dazu, bereits vor dem Einstieg über das Risiko nachzudenken.

Fazit: Long und Short im Trading verstehen

Long und Short sind die beiden grundlegenden Richtungen im Trading.

Wer Long geht, setzt auf steigende Kurse. Wer Short geht, setzt auf fallende Kurse. Bei CFDs können beide Richtungen gehandelt werden, ohne dass der Trader den zugrunde liegenden Basiswert direkt besitzen muss.

Der eigentliche Unterschied zwischen Long und Short ist damit zunächst simpel:

Long: Du profitierst grundsätzlich von einer Bewegung nach oben.

Short: Du profitierst grundsätzlich von einer Bewegung nach unten.

Kompliziert wird es erst bei der Frage, wann welche Richtung sinnvoll ist.

Denn ein steigender Markt ist nicht automatisch ein Long-Trade. Ein fallender Markt ist nicht automatisch ein Short-Trade. Entscheidend sind Marktstruktur, Setup, Einstieg, Stop Loss, Kursziel und Risiko.

Gerade beim CFD Trading kommt außerdem der Hebel hinzu. Er kann den erforderlichen Kapitaleinsatz reduzieren, verstärkt aber gleichzeitig die Auswirkungen von Kursbewegungen auf das eingesetzte Kapital.

Deshalb sollte die Entscheidung zwischen Long und Short nie auf dem Bauchgefühl beruhen:

„Ich glaube, der Markt steigt.“

oder:

„Ich glaube, der Markt fällt.“

Die bessere Frage lautet:

„Welche Marktstruktur sehe ich, welches Setup liegt vor und was muss passieren, damit meine Trading-Idee nicht mehr gültig ist?“

Genau dort beginnt aus einer einfachen Long- oder Short-Position ein systematischer Trade.