Wer sich mit professionellem Daytrading beschäftigt, stößt früher oder später auf Tick Charts. Anders als klassische Candlestick-Charts entstehen Tick Charts nicht nach einer festen Zeitspanne. Stattdessen wird eine neue Kerze gebildet, sobald eine bestimmte Anzahl von Trades beziehungsweise Ticks stattgefunden hat.
Das kann die Darstellung des Marktes deutlich verändern.
Während auf einem 1-Minuten-Chart jede Kerze genau eine Minute repräsentiert, kann eine Tick-Kerze beispielsweise nach 100, 500 oder 1.000 Ticks entstehen. Bei hoher Marktaktivität entstehen dadurch schneller neue Kerzen als in ruhigen Marktphasen.
Genau das macht Tick Charts für manche Trader interessant. Sie zeigen nicht primär, wie viel Zeit vergangen ist, sondern wie viel Handelsaktivität stattgefunden hat.
Was ist ein Tick Chart?
Ein Tick Chart ist ein Chart, bei dem jede Kerze eine festgelegte Anzahl von Ticks beziehungsweise Transaktionen abbildet.
Ein 100-Tick-Chart erzeugt beispielsweise nach jeweils 100 Ticks eine neue Kerze.
Ein 500-Tick-Chart benötigt dagegen 500 Ticks pro Kerze.
Das bedeutet:
100 Ticks = 1 Kerze
Die Zeit zwischen zwei Kerzen ist dabei nicht festgelegt.
Wenn der Markt sehr aktiv ist, können 100 Ticks innerhalb weniger Sekunden erreicht werden.
Ist der Markt ruhig, kann es deutlich länger dauern.
Was ist ein Tick?
Der Begriff Tick kann je nach Plattform und Datenquelle unterschiedlich verwendet werden.
Im klassischen Verständnis bezeichnet ein Tick eine einzelne Preisänderung beziehungsweise einen einzelnen Marktpreis-Update.
Bei Tick Charts wird eine bestimmte Anzahl solcher Marktaktivitäten zusammengefasst.
Deshalb ist es wichtig, die konkrete Definition der verwendeten Trading-Plattform zu kennen.
Insbesondere bei unterschiedlichen Brokern und Datenfeeds können Tick Charts voneinander abweichen.
Wie funktioniert ein Tick Chart?
Nehmen wir einen einfachen 100-Tick-Chart.
Der Markt beginnt bei 18.000 Punkten.
Nach 100 Ticks wird die erste Kerze abgeschlossen.
Dann beginnt die nächste Kerze.
Nach weiteren 100 Ticks wird die zweite Kerze abgeschlossen.
Die Zeit spielt dabei keine direkte Rolle.
Wenn 100 Ticks innerhalb von 5 Sekunden auftreten, entsteht die Kerze nach 5 Sekunden.
Wenn es 30 Sekunden dauert, entsteht sie nach 30 Sekunden.
Der Chart passt sich damit automatisch an die Aktivität des Marktes an.
Tick Chart vs. Zeit-Chart
Der größte Unterschied zwischen Tick Charts und klassischen Zeit-Charts liegt in der Entstehung der Kerzen.
Beim Zeit-Chart wird die Kerze nach einer bestimmten Zeit abgeschlossen.
Beim Tick Chart wird die Kerze nach einer bestimmten Anzahl von Ticks abgeschlossen.
Ein 1-Minuten-Chart erzeugt beispielsweise alle 60 Sekunden eine neue Kerze.
Ein 500-Tick-Chart erzeugt dagegen nach 500 Ticks eine neue Kerze – unabhängig davon, ob das 10 Sekunden oder zwei Minuten dauert.
Dadurch können dieselben Marktbewegungen auf beiden Charttypen völlig unterschiedlich aussehen.
Beispiel: Ruhiger Markt
Angenommen, der Markt ist am frühen Nachmittag relativ ruhig.
Auf einem 1-Minuten-Chart entstehen weiterhin jede Minute neue Kerzen.
Es kann jedoch sein, dass während einer Minute nur wenige Transaktionen stattfinden.
Der Chart erzeugt trotzdem eine vollständige Kerze.
Auf einem Tick Chart entstehen dagegen nur dann neue Kerzen, wenn genügend Marktaktivität vorhanden ist.
Der Chart kann dadurch in ruhigen Phasen deutlich langsamer voranschreiten.
Beispiel: Hohe Marktaktivität
Jetzt kommt eine wichtige Wirtschaftsnachricht.
Innerhalb weniger Sekunden steigt die Handelsaktivität massiv an.
Auf einem 1-Minuten-Chart bleibt die Kerzenbildung unverändert: Eine Kerze pro Minute.
Auf einem Tick Chart entstehen dagegen sehr schnell mehrere neue Kerzen, wenn die festgelegte Tick-Anzahl häufig erreicht wird.
Der Chart „beschleunigt“ damit während hoher Aktivität.
Das kann für kurzfristige Trader interessant sein.
Warum nutzen Trader Tick Charts?
Tick Charts können eine alternative Perspektive auf den Markt liefern.
Ein Zeit-Chart behandelt jede Zeiteinheit gleich.
Eine ruhige Minute und eine extrem aktive Minute erhalten beispielsweise jeweils eine Kerze.
Ein Tick Chart berücksichtigt dagegen die Anzahl der stattgefundenen Ticks.
Dadurch kann die Kerzenstruktur in sehr aktiven Marktphasen detaillierter werden.
Für Scalper und Daytrader kann das hilfreich sein, wenn sie kurzfristige Bewegungen analysieren.
Tick Charts im Scalping
Beim Scalping spielt die kurzfristige Marktbewegung eine besonders große Rolle.
Ein Trader möchte beispielsweise nicht zwingend alle 30 Sekunden eine neue Kerze sehen.
Er möchte möglicherweise erkennen, wann tatsächlich ausreichend Marktaktivität stattgefunden hat.
Ein Tick Chart kann hier eine interessante Alternative darstellen.
Je nach Markt und gewählter Tick-Größe können kurzfristige Bewegungen dadurch anders strukturiert erscheinen als auf einem klassischen 1- oder 5-Minuten-Chart.
Tick Charts im Daytrading
Auch für Daytrader können Tick Charts interessant sein.
Ein Trader kann beispielsweise einen höheren Tick Chart für die übergeordnete Struktur und einen kleineren Tick Chart für den Einstieg verwenden.
Wichtig ist dabei, dass die gewählten Tick-Größen nicht willkürlich sind.
Sie sollten zur gehandelten Strategie und zum jeweiligen Markt passen.
Welche Tick Chart Größe ist sinnvoll?
Es gibt keine universell beste Tick Chart Größe.
Mögliche Einstellungen sind beispielsweise:
- 100 Ticks
- 200 Ticks
- 500 Ticks
- 1.000 Ticks
- 2.000 Ticks
Welche Einstellung sinnvoll ist, hängt unter anderem vom gehandelten Markt, der Liquidität, der Handelszeit und der Strategie ab.
Ein 100-Tick-Chart kann bei einem sehr liquiden Markt extrem schnell sein.
Ein 2.000-Tick-Chart kann dagegen wesentlich weniger kurzfristiges Rauschen zeigen.
Die passende Einstellung sollte deshalb getestet werden.
Kleine vs. große Tick Charts
Ein kleiner Tick-Wert bedeutet, dass schneller neue Kerzen entstehen.
Ein 100-Tick-Chart zeigt daher deutlich mehr Kerzen als ein 1.000-Tick-Chart, wenn beide denselben Zeitraum betrachten.
Kleine Tick Charts können kurzfristige Bewegungen detaillierter darstellen.
Allerdings steigt dadurch auch das Marktrauschen.
Größere Tick Charts glätten die Darstellung stärker.
Dadurch können wichtige Strukturen leichter erkennbar werden, gleichzeitig gehen kurzfristige Details verloren.
Tick Chart und Marktrauschen
Ein häufiger Fehler besteht darin, einen möglichst kleinen Tick Chart zu verwenden, weil dieser besonders viele Details zeigt.
Mehr Details bedeuten jedoch nicht automatisch bessere Trading Entscheidungen.
Auf einem sehr kleinen Tick Chart können zahlreiche kurzfristige Bewegungen sichtbar werden, die für die eigentliche Strategie keine Bedeutung haben.
Der Trader sieht dann möglicherweise immer mehr potenzielle Einstiege.
Das kann sogar zu Overtrading führen.
Tick Charts und Price Action
Tick Charts können gut mit Price Action kombiniert werden.
Der Trader beobachtet beispielsweise:
- Marktstruktur
- Hochs und Tiefs
- Breakouts
- Pullbacks
- Rejections
- Engulfing-Kerzen
- Unterstützungen und Widerstände
Der Unterschied besteht darin, dass diese Strukturen nicht in festen Zeitintervallen entstehen.
Dadurch können sich beispielsweise während einer sehr aktiven Marktphase deutlich mehr relevante Kerzen bilden.
Tick Charts und Breakouts
Ein Breakout kann auf einem Tick Chart besonders interessant aussehen.
Angenommen, der Markt bewegt sich über mehrere Kerzen seitwärts.
Dann steigt die Aktivität und der Kurs bricht über das vorherige Hoch aus.
Auf einem Tick Chart können die nachfolgenden Kerzen sehr schnell entstehen.
Der Trader kann dadurch die Dynamik des Breakouts anders wahrnehmen als auf einem klassischen Zeit-Chart.
Allerdings ist auch hier ein Breakout nicht automatisch ein gutes Trading Signal.
Die Marktstruktur und die eigene Strategie bleiben entscheidend.
Tick Charts und Pullbacks
Auch Pullbacks lassen sich auf Tick Charts analysieren.
Der Markt bewegt sich beispielsweise impulsiv nach oben.
Anschließend kommt eine kleinere Gegenbewegung.
Der Trader wartet auf eine Fortsetzung des ursprünglichen Trends.
Auf einem Tick Chart kann die Korrektur aus einer bestimmten Anzahl von Tick-Kerzen bestehen, unabhängig davon, wie lange sie tatsächlich dauert.
Das kann für regelbasierte Strategien interessant sein.
Tick Charts und Volumen
Tick Charts und Volumen werden häufig miteinander in Verbindung gebracht.
Dabei muss jedoch unterschieden werden.
Ein Tick Chart basiert auf der Anzahl der Ticks.
Ein Volumenchart basiert auf der Anzahl beziehungsweise Größe der gehandelten Einheiten, abhängig vom verwendeten Markt und Datenfeed.
Ein Tick bedeutet also nicht automatisch, dass immer dieselbe Menge gehandelt wurde.
Ein Tick Chart ist deshalb nicht dasselbe wie ein Volumenchart.
Tick Chart vs. Volume Chart
Die beiden Charttypen verfolgen unterschiedliche Ansätze.
Ein Tick Chart bildet eine bestimmte Anzahl von Marktaktivitäten beziehungsweise Ticks pro Kerze ab.
Ein Volume Chart bildet eine bestimmte Menge an gehandeltem Volumen pro Kerze ab.
Bei Futures kann Volumen beispielsweise in gehandelten Kontrakten gemessen werden.
Dadurch können Volume Charts und Tick Charts trotz ähnlicher Zielsetzung deutlich unterschiedliche Kerzenstrukturen erzeugen.
Tick Charts im Futures Trading
Tick Charts werden besonders häufig im Futures Trading eingesetzt.
Ein Grund dafür ist die zentrale Börsendatenbasis vieler Futures-Märkte.
Bei einem liquiden Futures-Kontrakt kann die Anzahl der Trades beziehungsweise Ticks eine interessante Information über die aktuelle Marktaktivität liefern.
Besonders bei Index-Futures wie E-Mini- oder Micro-Kontrakten können Trader Tick Charts zur kurzfristigen Analyse einsetzen.
Die konkrete Eignung hängt jedoch von Strategie und Datenfeed ab.
Tick Charts beim DAX Trading
Auch beim DAX können Tick Charts verwendet werden.
Ein Trader könnte beispielsweise einen Tick Chart nutzen, um kurzfristige Bewegungen während der europäischen Handelszeit zu analysieren.
Ein stark steigendes Handelsaufkommen kann dazu führen, dass neue Kerzen sehr schnell entstehen.
In ruhigeren Phasen entstehen dagegen weniger Kerzen.
Dadurch verändert sich die Informationsdichte des Charts automatisch mit der Marktaktivität.
Tick Charts beim Nasdaq Trading
Beim Nasdaq sind Tick Charts ebenfalls interessant für kurzfristig orientierte Trader.
Der Nasdaq kann insbesondere während der US-Handelszeiten eine hohe Aktivität aufweisen.
Auf einem Tick Chart entstehen dann viele Kerzen in kurzer Zeit.
Während ruhigerer Phasen wird die Kerzenbildung langsamer.
Dadurch kann der Trader die kurzfristige Marktaktivität stärker in die Chartdarstellung einbeziehen.
Tick Charts und Forex
Beim Forex Trading sollte man bei Tick Charts besonders vorsichtig mit dem Begriff „Tick“ umgehen.
Der Forex-Markt ist dezentral organisiert.
Es gibt keinen einzigen zentralen Marktplatz, an dem sämtliche Forex-Transaktionen erfasst werden.
Viele Forex-Broker stellen deshalb eigene Tick-Daten beziehungsweise Preisänderungen zur Verfügung.
Ein 500-Tick-Chart bei Broker A kann daher anders aussehen als ein 500-Tick-Chart bei Broker B.
Das ist ein wichtiger Unterschied zum zentralisierten Börsenhandel.
Tick Charts und CFDs
Ähnliches gilt für CFDs.
CFDs werden in der Regel außerbörslich über den jeweiligen Anbieter gehandelt.
Die verfügbaren Tick-Daten können deshalb vom jeweiligen Broker beziehungsweise Datenfeed abhängen.
Wer Tick Charts bei CFDs verwendet, sollte diese Einschränkung kennen.
Für Backtests ist es besonders wichtig, möglichst konsistente Daten zu verwenden.
Tick Charts lesen: Worauf achten?
Ein Tick Chart wird grundsätzlich ähnlich gelesen wie ein Candlestick-Chart.
Jede Kerze zeigt Open, High, Low und Close.
Der Unterschied liegt darin, wie die Kerze entsteht.
Beim Lesen sollte der Trader daher zusätzlich berücksichtigen, wie aktiv der Markt gerade ist.
Wenn plötzlich sehr schnell neue Kerzen entstehen, deutet das auf eine hohe Tick-Aktivität hin.
Wenn die Kerzenbildung deutlich langsamer wird, ist die Aktivität entsprechend geringer.
Echtes Beispiel: Breakout
Nehmen wir einen vereinfachten Nasdaq-Trade.
Der Markt bewegt sich zunächst zwischen 20.000 und 20.020 Punkten.
Auf dem Tick Chart entstehen mehrere Kerzen innerhalb dieser Range.
Dann nimmt die Handelsaktivität zu.
Der Kurs überschreitet 20.020 und bildet mehrere Kerzen oberhalb des bisherigen Hochs.
Der Trader beobachtet nun, ob der Breakout akzeptiert wird oder ob es zu einem Fehlausbruch kommt.
Der Tick Chart liefert dabei zusätzliche Informationen über die Geschwindigkeit der Marktaktivität.
Das eigentliche Trading Signal sollte jedoch aus der definierten Strategie kommen.
Echtes Beispiel: Pullback
Der Nasdaq steigt von 20.000 auf 20.100 Punkte.
Anschließend beginnt eine Korrektur.
Auf dem Tick Chart entstehen mehrere Gegenbewegungs-Kerzen.
Der Trader wartet, bis die Korrektur endet und die ursprüngliche Trendrichtung wieder aufgenommen wird.
Wenn die eigene Strategie beispielsweise einen Bruch des letzten kurzfristigen Hochs verlangt, kann dieser als Einstiegssignal dienen.
Der Tick Chart verändert dabei nicht die Logik der Strategie.
Er verändert lediglich die Art, wie die Preisbewegung dargestellt wird.
Tick Charts für ORB Trading
Auch bei einer Opening Range Breakout Strategie können Tick Charts interessant sein.
Die Opening Range wird zunächst anhand eines definierten Zeitfensters bestimmt.
Anschließend kann ein Tick Chart verwendet werden, um die Breakout-Bewegung detaillierter zu beobachten.
Das kann beispielsweise bei einem schnellen Ausbruch helfen.
Wichtig ist, dass die Tick Chart Darstellung nicht mit der Definition der Opening Range verwechselt wird.
Die Range basiert weiterhin auf einem festgelegten Zeitraum.
Tick Charts und VWAP
Der VWAP kann ebenfalls gemeinsam mit Tick Charts verwendet werden.
Der VWAP liefert eine volumenbasierte Referenz.
Der Tick Chart stellt die Preisbewegung anhand der Marktaktivität dar.
Ein Trader könnte beispielsweise beobachten, ob sich der Preis oberhalb des VWAP befindet und auf einem Tick Chart eine bullishe Marktstruktur entwickelt.
Damit werden zwei unterschiedliche Informationen kombiniert.
Wie immer sollte daraus aber nicht automatisch ein Trade entstehen.
Tick Charts und Moving Averages
Auch gleitende Durchschnitte lassen sich auf Tick Charts verwenden.
Ein 20er Moving Average auf einem Tick Chart entspricht allerdings nicht einfach einem 20-Minuten-Moving-Average.
Die Perioden beziehen sich auf Tick-Kerzen.
Das ist ein wichtiger Punkt.
Ein 20-Tick-Moving-Average basiert auf den letzten 20 Tick-Kerzen – nicht auf den letzten 20 Minuten.
Vor- und Nachteile von Tick Charts
Tick Charts haben einige interessante Vorteile.
Sie passen sich automatisch an die Handelsaktivität an und können in aktiven Marktphasen eine detailliertere Darstellung liefern.
Gleichzeitig gibt es Nachteile.
Die Interpretation kann zunächst ungewohnt sein. Außerdem können Tick Charts bei unterschiedlichen Datenfeeds voneinander abweichen.
Für Anfänger ist zudem die Auswahl der richtigen Tick-Größe häufig schwierig.
Vorteile von Tick Charts
Zu den möglichen Vorteilen gehören:
- Anpassung an die Marktaktivität
- detailliertere Darstellung bei hohem Handelsaufkommen
- interessante Alternative zu Zeit-Charts
- häufig genutzt im Scalping und Daytrading
- flexible Anpassung über die Tick-Größe
- andere Perspektive auf Marktstruktur und Momentum
Nachteile von Tick Charts
Dem stehen einige Nachteile gegenüber:
- Tick-Daten können je nach Anbieter unterschiedlich sein
- kleine Tick-Größen können viel Marktrauschen erzeugen
- weniger intuitive Zeitzuordnung
- nicht jede Strategie funktioniert besser auf Tick Charts
- Backtests benötigen passende historische Tick-Daten
- Einstellungen sind stärker vom jeweiligen Markt abhängig
Sind Tick Charts besser als Candlestick Charts?
Nein.
Ein Tick Chart ist nicht grundsätzlich besser als ein Zeit-Chart.
Es handelt sich um eine andere Darstellung derselben Marktbewegung.
Welche Darstellung besser geeignet ist, hängt von der Strategie ab.
Ein Swing Trader benötigt beispielsweise häufig keine extrem kurzfristige Tick-Darstellung.
Für einen Scalper kann ein Tick Chart dagegen interessant sein.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:
„Welcher Chart ist besser?“
Sondern:
„Welche Chartdarstellung passt zu meiner Strategie?“
Tick Charts für Anfänger
Wer Tick Charts ausprobieren möchte, sollte nicht sofort mit extrem kleinen Tick-Größen beginnen.
Sinnvoller ist es, zunächst einen bestehenden Markt auf einem Zeit-Chart und einem Tick Chart parallel zu beobachten.
So lässt sich erkennen, wie sich dieselbe Bewegung unterschiedlich darstellt.
Beobachte beispielsweise einen wichtigen Breakout.
Wie viele Kerzen entstehen auf dem 1-Minuten-Chart?
Wie viele auf einem 500-Tick-Chart?
Wie verändert sich die Darstellung bei hoher Volatilität?
Diese Vergleiche helfen dabei, das Konzept schnell zu verstehen.
Tick Charts richtig einsetzen
Ein professioneller Einsatz beginnt nicht mit der Suche nach der „perfekten“ Tick-Einstellung.
Viel wichtiger ist eine klare Trading-Regel.
Wenn die Strategie auf Breakouts basiert, sollte zunächst definiert werden, was überhaupt als Breakout gilt.
Wenn die Strategie Pullbacks handelt, muss festgelegt werden, wann eine Korrektur beendet ist.
Der Tick Chart kann anschließend dazu dienen, diese Regeln in einer anderen Marktdarstellung umzusetzen.
Fazit: Tick Charts lesen lernen
Tick Charts stellen den Markt anders dar als klassische Zeit-Charts. Statt nach einer festen Zeitspanne eine neue Kerze zu bilden, entsteht eine Kerze nach einer bestimmten Anzahl von Ticks beziehungsweise Marktaktivitäten.
Das bedeutet, dass sich der Chart automatisch an die Aktivität des Marktes anpasst. In sehr aktiven Phasen entstehen schnell viele Kerzen, während sich die Kerzenbildung in ruhigen Phasen verlangsamt.
Besonders für Scalper, Daytrader und Futures Trader können Tick Charts eine interessante Ergänzung sein. Sie lassen sich unter anderem mit Price Action, Marktstruktur, VWAP oder Breakout-Strategien kombinieren.
Wichtig ist jedoch, Tick Charts nicht mit Volumencharts zu verwechseln. Ein Tick repräsentiert nicht automatisch eine bestimmte gehandelte Stückzahl oder Anzahl von Kontrakten. Außerdem können Tick Charts bei Forex und CFDs je nach Datenquelle unterschiedlich aussehen.
Die wichtigste Erkenntnis lautet daher:
Ein Tick Chart macht Trading nicht automatisch besser. Er verändert lediglich die Perspektive auf den Markt.
Wenn du eine Strategie bereits profitabel und klar definiert hast, kann ein Tick Chart eine interessante zusätzliche Darstellung sein. Wer dagegen ständig zwischen verschiedenen Timeframes, Tick-Größen und Charttypen wechselt, ohne seine Strategie sauber zu testen, schafft vor allem eines: mehr Entscheidungschaos.