Viele Trader schauen bei der Chartanalyse auf den Preis und das klassische Handelsvolumen. Eine wichtige Information bleibt dabei jedoch häufig im Hintergrund:
Bei welchen Preisen wurde besonders viel gehandelt?
Genau diese Frage beantworten Volume Charts, häufig auch Price by Volume (PBV) oder Volume Profile genannt.
Statt das Handelsvolumen nur zeitlich darzustellen, wird es nach Preisniveaus aufgeschlüsselt. Dadurch entsteht ein horizontales Volumenprofil, das zeigt, an welchen Kursbereichen besonders viel oder besonders wenig Handelsaktivität stattgefunden hat.
Das kann für die technische Analyse interessant sein, weil sich dadurch Bereiche erkennen lassen, an denen der Markt besonders viel Zeit beziehungsweise Volumen umgesetzt hat. Solche Preiszonen können später als Unterstützung, Widerstand oder sogenannte Value Area relevant werden.
Volume Charts sind deshalb vor allem dann interessant, wenn ein Trader nicht nur wissen möchte, wie viel gehandelt wurde, sondern auch wo im Chart das Handelsvolumen entstanden ist.

Was sind Volume Charts?
Ein Volume Chart stellt das gehandelte Volumen nicht ausschließlich entlang der Zeitachse dar, sondern ordnet es bestimmten Preisniveaus zu.
Beim klassischen Volumen befindet sich die Darstellung normalerweise unterhalb des Charts.
Beispielsweise:
Montag → 500.000
Dienstag → 700.000
Mittwoch → 450.000
Man sieht also, wie viel Volumen an einem bestimmten Zeitpunkt gehandelt wurde.
Bei Price by Volume wird dagegen gefragt:
Bei welchem Preis wurde dieses Volumen gehandelt?
Dadurch entstehen horizontale Balken.
Je länger der Balken, desto mehr Volumen wurde innerhalb dieses Preisbereichs umgesetzt.
PBV steht für Price by Volume
Die Abkürzung PBV steht für:
Price by Volume
Auf Deutsch lässt sich das vereinfacht als Preis nach Volumen beziehungsweise Volumen nach Preisniveau beschreiben.
Die Grundidee:
Nicht nur der Zeitpunkt des Handels ist relevant, sondern auch das Preisniveau, an dem der Handel stattgefunden hat.
Das macht PBV besonders interessant für die Analyse von Unterstützungen und Widerständen.
Volume Charts einfach erklärt
Stell dir einen Aktienkurs vor, der sich zwischen 90 und 110 Euro bewegt.
Bei 92 Euro wurden relativ wenige Aktien gehandelt.
Bei 97 Euro ebenfalls wenig.
Bei 100 Euro dagegen wurde über längere Zeit sehr viel Volumen umgesetzt.
Bei 105 Euro nimmt das Volumen wieder ab.
Ein Volume Chart würde bei 100 Euro deshalb einen besonders langen horizontalen Balken zeigen.
Dieser Bereich wird häufig als High Volume Node bezeichnet.
Er zeigt:
Hier fand besonders viel Handel statt.
Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass der Kurs dort in Zukunft steigen oder fallen muss.
Wie sieht ein Volume Chart aus?
Ein Volume Chart wird typischerweise horizontal neben dem Preischart dargestellt.
Vereinfacht:
Preis
110 | ███
105 | ██████
100 | █████████████
95 | ███████
90 | ███
Der längste Balken zeigt den Preisbereich mit dem höchsten Handelsvolumen.
Das horizontale Profil macht dadurch sichtbar, wo sich das Handelsinteresse konzentriert hat.
Volume Charts vs. klassisches Volumen
Der Unterschied lässt sich relativ einfach erklären.
Klassisches Volumen
Das Volumen wird nach Zeit dargestellt.
Beispielsweise:
10:00 → 5.000
11:00 → 8.000
12:00 → 3.000
Volume Charts
Das Volumen wird nach Preis dargestellt.
Beispielsweise:
100 € → 20.000
105 € → 35.000
110 € → 10.000
Damit beantworten beide Darstellungen unterschiedliche Fragen.
Klassisches Volumen: Wann wurde viel gehandelt?
PBV: Wo wurde viel gehandelt?
Warum ist Price by Volume für Trader interessant?
Der Preis bewegt sich nicht völlig zufällig durch jeden Kursbereich.
Manche Preiszonen werden intensiv gehandelt.
Andere Bereiche werden sehr schnell durchlaufen.
Diese Unterschiede können im Volume Profile sichtbar werden.
Ein Trader kann dadurch beispielsweise erkennen:
- wo viel Volumen gehandelt wurde,
- wo wenig Volumen gehandelt wurde,
- welche Preisbereiche als Value Zone fungieren,
- wo mögliche Unterstützungen liegen,
- wo mögliche Widerstände liegen,
- welche Preisbereiche der Markt schnell durchlaufen könnte.
Dabei handelt es sich nicht um garantierte Reaktionen.
Volume Charts liefern vielmehr zusätzlichen Kontext für die Preisbewegung.
High Volume Node (HVN)
Ein High Volume Node, kurz HVN, ist ein Preisbereich mit vergleichsweise hohem Handelsvolumen.
Im Volume Profile erscheint dieser Bereich als breiter Balken.
Ein HVN kann beispielsweise entstehen, wenn der Markt über längere Zeit innerhalb einer Range handelt.
Der Preis verbringt viel Zeit in diesem Bereich.
Viele Marktteilnehmer eröffnen und schließen Positionen.
Dadurch steigt das gehandelte Volumen.
Warum sind HVNs interessant?
Ein HVN kann als eine Art Akzeptanzbereich interpretiert werden.
Der Markt hat dort relativ viel Handel zugelassen.
Bei einer späteren Rückkehr in diesen Bereich kann deshalb erneut erhöhtes Handelsinteresse entstehen.
Allerdings kann ein HVN sowohl als Unterstützung als auch als Widerstand wirken.
Die konkrete Reaktion hängt von der Richtung der Bewegung und dem Marktumfeld ab.
Low Volume Node (LVN)
Das Gegenstück zum HVN ist der Low Volume Node, kurz LVN.
Hier wurde vergleichsweise wenig Volumen gehandelt.
Im Profil entsteht ein schmaler Balken.
LVNs können besonders interessant sein, weil sie häufig Bereiche markieren, die der Markt relativ schnell durchlaufen hat.
Wenn der Preis später erneut in einen solchen Bereich gelangt, kann eine schnelle Bewegung entstehen.
Aber auch hier gilt:
Ein LVN ist kein automatisches Kursziel.
Value Area
Ein weiterer wichtiger Begriff im Zusammenhang mit Volume Charts ist die Value Area.
Sie beschreibt vereinfacht den Preisbereich, in dem ein großer Anteil des betrachteten Volumens umgesetzt wurde.
In vielen Volume-Profile-Darstellungen wird dafür ein Bereich von ungefähr 70 % des Volumens verwendet.
Die genaue Berechnung und Darstellung kann je nach Plattform und Einstellung variieren.
Die Value Area hilft dabei, den Bereich zu identifizieren, in dem der Markt besonders viel Aktivität gezeigt hat.
Point of Control (POC)
Der Point of Control, kurz POC, ist eines der wichtigsten Konzepte im Volume Profile.
Er bezeichnet das Preisniveau innerhalb des ausgewählten Profils, an dem das meiste Volumen gehandelt wurde.
Im Beispiel:
| Preis | Volumen |
|---|---|
| 110 | 8.000 |
| 105 | 15.000 |
| 100 | 32.000 |
| 95 | 18.000 |
| 90 | 6.000 |
Der POC liegt bei:
100
Denn dort wurde das größte Volumen umgesetzt.
POC als Orientierung im Chart
Der POC kann als wichtiger Referenzpunkt dienen.
Bewegt sich der Kurs deutlich über den POC, kann dieser Bereich bei einem späteren Rücklauf interessant werden.
Dasselbe gilt bei einem Kurs unterhalb des POC.
Ein Trader kann beispielsweise beobachten:
Kurs über POC → Rücklauf → Reaktion am POC
oder:
Kurs unter POC → Pullback → Ablehnung am POC
Damit wird der POC zu einem möglichen Bestandteil einer Trading-Strategie.
Er sollte jedoch nicht als alleiniger Entry verwendet werden.
Volume Profile und Marktakzeptanz
Ein wichtiger Gedanke hinter Volume Charts ist die Akzeptanz.
Wenn viel Volumen bei einem Preis umgesetzt wurde, haben Marktteilnehmer diesen Preisbereich offensichtlich intensiv gehandelt.
Der Markt hat ihn also gewissermaßen akzeptiert.
Bei einem Bereich mit sehr wenig Volumen kann dagegen eine schnelle Preisbewegung stattgefunden haben.
Das hilft Tradern, die Marktstruktur nicht nur anhand von Candlesticks, sondern auch anhand des gehandelten Volumens zu betrachten.
Volume Charts richtig lesen
Beim Lesen eines Volume Charts solltest du nicht einfach nach dem längsten Balken suchen.
Interessanter ist die Struktur des gesamten Profils.
Frage dich:
Wo liegen die High Volume Nodes?
Wo befinden sich Low Volume Nodes?
Wo liegt der POC?
Wo beginnt und endet die Value Area?
Wie verhält sich der aktuelle Kurs zu diesen Bereichen?
Erst die Kombination ergibt ein sinnvolles Bild.
Beispiel für ein Volume Profile
Angenommen, ein Markt bewegt sich über mehrere Tage zwischen:
100 und 120
Das Volume Profile zeigt:
- 102 → wenig Volumen
- 105 → mittleres Volumen
- 108 → hohes Volumen
- 110 → sehr hohes Volumen
- 113 → hohes Volumen
- 116 → wenig Volumen
- 119 → wenig Volumen
Dann könnte der Bereich um 108 bis 113 als zentrale Value Zone interpretiert werden.
Der Bereich um 110 bildet möglicherweise den POC.
Fällt der Kurs von 120 zurück auf 110, könnte dieser Bereich erneut interessant werden.
Steigt der Kurs dagegen von 100 durch die Zone, könnte der Markt sie relativ schnell durchlaufen, wenn wenig Volumen darüber liegt.
Volume Profile als Unterstützung
Ein High Volume Node kann als potenzielle Unterstützung wirken.
Beispielsweise:
Der Kurs steigt von 100 auf 120.
Bei 110 liegt ein ausgeprägter HVN.
Später fällt der Kurs zurück.
Bei 110 kommt es zu einer Reaktion.
Der Trader beobachtet nun, ob Käufer tatsächlich in den Markt kommen.
Erst die Preisreaktion macht den Bereich als mögliches Setup interessant.
Das Volume Profile liefert also die Zone.
Die Price Action liefert die Bestätigung.
Volume Profile als Widerstand
Das Prinzip funktioniert auch umgekehrt.
Angenommen, ein Markt befindet sich unterhalb eines wichtigen HVN.
Der Kurs steigt.
Bei diesem Preisbereich kommt es zu einer Ablehnung.
Der Trader kann den HVN nun als möglichen Widerstand betrachten.
Entscheidend ist erneut die tatsächliche Reaktion.
Ein Preisbereich wird nicht automatisch zum Widerstand, nur weil dort viel Volumen gehandelt wurde.
Low Volume Nodes als schnelle Preisbereiche
LVNs können besonders interessant sein, wenn der Preis sie erneut erreicht.
Beispiel:
Zwischen 105 und 110 wurde nur sehr wenig Volumen gehandelt.
Der Markt bewegte sich damals schnell von 105 auf 110.
Später fällt der Kurs von 115 zurück auf 110.
Wenn der Preis anschließend unter 110 fällt, kann die Zone zwischen 105 und 110 relativ schnell durchlaufen werden.
Das ist eine der interessanten Anwendungen von Volume Profile:
Bereiche mit wenig historischer Aktivität können bei einem erneuten Durchbruch schnell durchlaufen werden.
Volume Charts und Breakouts
Volume Profile kann auch bei Breakouts helfen.
Angenommen, ein Markt befindet sich in einer Range.
Oberhalb der Range liegt ein Bereich mit wenig Volumen.
Der Kurs bricht aus.
Wenn der Ausbruch bestätigt wird, kann der Markt relativ schnell durch den Low Volume Bereich laufen.
Ein Trader könnte deshalb beobachten:
Breakout → LVN → schnelle Bewegung zum nächsten HVN
Das ist allerdings ein Szenario und keine Garantie.
Volume Profile und Pullbacks
Für Pullback-Trader können Volume Charts besonders interessant sein.
Ein typischer Ablauf:
Trendbewegung
↓
Breakout
↓
Pullback
↓
Rücklauf an HVN oder POC
↓
Price-Action-Bestätigung
↓
Entry
Dadurch lässt sich ein Volume Profile mit klassischen Trading-Konzepten kombinieren.
Volume Charts und Market Profile
Volume Profile und Market Profile werden häufig miteinander verwechselt.
Sie verfolgen zwar ähnliche Ziele, verwenden aber unterschiedliche Informationen.
Volume Profile basiert auf dem gehandelten Volumen.
Market Profile basiert traditionell auf der Zeit, die der Markt auf bestimmten Preisniveaus verbracht hat.
Beide Methoden können helfen, Preisbereiche mit hoher und niedriger Marktaktivität zu analysieren.
Sie sind jedoch nicht identisch.
Volume Profile vs. Volume by Price
Die Begriffe Volume Profile, Volume by Price und Price by Volume werden in der Praxis teilweise unterschiedlich verwendet.
Grundsätzlich geht es um dieselbe zentrale Idee:
Volumen wird nach Preisniveau aufgeschlüsselt.
Die konkrete Berechnung kann sich je nach Trading-Plattform unterscheiden.
Deshalb sollte immer geprüft werden, welche Daten und Einstellungen der jeweilige Indikator tatsächlich verwendet.
Volume Charts in TradingView
TradingView bietet verschiedene Möglichkeiten, Volumen nach Preisniveau darzustellen.
Trader können beispielsweise ein Volume Profile für:
- sichtbaren Chartbereich,
- feste Zeiträume,
- einzelne Sessions
- oder bestimmte Preisbewegungen
verwenden.
Je nach verwendeter Funktion können die Einstellungen und verfügbaren Daten variieren.
Besonders wichtig ist, den betrachteten Zeitraum bewusst zu wählen.
Ein Volume Profile über drei Jahre liefert eine völlig andere Struktur als ein Profil über die letzten drei Handelstage.
Fixed Range Volume Profile
Das Fixed Range Volume Profile wird auf einen bestimmten Chartbereich angewendet.
Der Trader definiert beispielsweise:
Startpunkt → Endpunkt
Das Profil zeigt anschließend, wie sich das Volumen innerhalb dieses Zeitraums über die verschiedenen Preisniveaus verteilt.
Das ist besonders praktisch, wenn eine bestimmte Bewegung analysiert werden soll.
Beispielsweise:
Swing Low → Swing High
Der Trader kann dadurch untersuchen, welche Preisbereiche innerhalb dieser Bewegung besonders viel Volumen aufgenommen haben.
Visible Range Volume Profile
Beim Visible Range Volume Profile wird das Profil für den aktuell sichtbaren Chartbereich berechnet.
Zoomst du in den Chart hinein oder heraus, kann sich das Profil entsprechend verändern.
Das ist praktisch für eine schnelle Übersicht.
Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass sich dadurch die zugrunde liegende Datenbasis verändert.
Session Volume Profile
Bei Märkten mit klaren Handelszeiten kann auch ein Session Volume Profile interessant sein.
Hier wird das Volumen beispielsweise pro Handelstag oder Handelssession analysiert.
Das kann für Daytrader hilfreich sein.
Ein Trader kann beispielsweise beobachten, wo innerhalb der US-Session besonders viel Volumen umgesetzt wurde.
Volume Profile beim Daytrading
Für Daytrader kann Volume Profile besonders interessant sein.
Mögliche Anwendungen sind:
- POC der aktuellen Session
- Value Area
- High Volume Nodes
- Low Volume Nodes
- Breakouts aus der Value Area
- Rückläufe an wichtige Volumenbereiche
Ein mögliches Szenario:
Der DAX eröffnet außerhalb der Value Area des Vortages.
Der Markt läuft weiter in Richtung eines LVN.
Der Trader beobachtet, ob der Preis dort beschleunigt oder zurück in die Value Area läuft.
Damit entsteht eine strukturierte Beobachtung statt eines blinden Einstiegs.
Volume Profile beim Scalping
Auch Scalper können Volume Profile verwenden.
Hier sollte allerdings berücksichtigt werden, dass sehr kurzfristige Profile stark von der gewählten Datenbasis abhängen.
Auf einem 1-Minuten-Chart kann sich das Profil schnell verändern.
Deshalb sollte ein Scalper nicht jedem kleinen POC-Wechsel eine große Bedeutung beimessen.
Für kurzfristiges Trading kann eine Kombination aus:
Volume Profile + Price Action + Marktstruktur
sinnvoller sein.
Volume Profile für Swing Trading
Swing Trader können größere Profile verwenden.
Beispielsweise kann die gesamte Bewegung einer Aktie analysiert werden.
Dabei lassen sich Bereiche erkennen, an denen größere Handelsaktivität entstanden ist.
Diese Preiszonen können später als Referenz dienen.
Gerade bei Swing Trades können größere HVNs und LVNs interessanter sein als kurzfristige Intraday-Profile.
Volume Profile bei Forex
Bei Forex ist die Interpretation von Volumen besonders wichtig.
Der Forex-Markt ist dezentral organisiert.
Es gibt daher kein einzelnes zentrales Börsenvolumen für den gesamten globalen Forex-Markt.
Viele Forex-Plattformen arbeiten deshalb mit Tick Volume oder mit dem Volumen des jeweiligen Brokers beziehungsweise Datenanbieters.
Das bedeutet:
Ein Volume Profile im Forex-Markt kann je nach Datenquelle unterschiedlich aussehen.
Das sollte bei der Interpretation berücksichtigt werden.
Volume Profile bei CFDs
Auch beim CFD Trading sollte die Datenbasis geprüft werden.
Ein CFD-Broker stellt unter Umständen eigene Volumendaten zur Verfügung.
Diese müssen nicht das tatsächliche Gesamtvolumen des zugrunde liegenden Marktes darstellen.
Bei einem DAX-CFD ist beispielsweise das Broker-Volumen nicht automatisch identisch mit dem gesamten Börsenvolumen des DAX-Futures.
Das macht die Datenqualität zu einem wichtigen Punkt.
Volume Profile bei Futures
Bei Futures ist die Volumenanalyse häufig besonders interessant, weil zentralisierte Börsendaten verfügbar sind.
Für viele professionelle Trader sind deshalb Futures-Daten eine wichtige Grundlage für die Analyse von:
- POC
- Value Area
- HVNs
- LVNs
Wer beispielsweise den Nasdaq handelt, kann das Volumen des entsprechenden Futures-Marktes analysieren und diese Informationen für die eigene Marktanalyse nutzen.
Volume Profile und Point of Control
Der POC kann für Trader als wichtiger Referenzwert dienen.
Ein mögliches Szenario:
Der Markt befindet sich oberhalb des POC.
Er fällt zurück.
Der POC wird getestet.
Jetzt beobachtet der Trader die Preisreaktion.
Kommt es zu einer bullishen Reaktion?
Oder fällt der Preis unter den POC und akzeptiert dort niedrigere Preise?
Damit wird der POC nicht als automatischer Support betrachtet, sondern als Beobachtungszone.
Volume Profile und Value Area High
Das Value Area High, kurz VAH, bezeichnet die obere Grenze der Value Area.
Der Bereich darüber wurde innerhalb des betrachteten Profils vergleichsweise weniger stark gehandelt.
Ein Ausbruch über das VAH kann daher interessant sein.
Trader beobachten beispielsweise:
Breakout über VAH
↓
Retest
↓
Käufer halten den Bereich
↓
Fortsetzung
Auch hier ist die Reaktion wichtiger als die reine Überschreitung des Levels.
Volume Profile und Value Area Low
Das Value Area Low, kurz VAL, bildet die untere Grenze der Value Area.
Ein Bruch unterhalb des VAL kann entsprechend als bearish interpretiert werden.
Ein Trader könnte beispielsweise beobachten:
Breakdown unter VAL
↓
Retest von unten
↓
Ablehnung
↓
Short
Damit entsteht ein mögliches Setup aus Volumenstruktur und Price Action.
Volume Profile und Auktionstheorie
Hinter Volume Profile steckt ein grundlegender Gedanke der Marktanalyse:
Der Markt sucht nach Preisen, an denen Käufer und Verkäufer bereit sind, besonders viel Handel abzuschließen.
Bereiche mit viel Volumen können deshalb als Akzeptanzbereiche betrachtet werden.
Bereiche mit wenig Volumen können dagegen Bereiche sein, die der Markt schnell verlassen hat.
Diese Sichtweise wird häufig mit der Idee einer Marktauktionslogik verbunden.
Akzeptanz und Ablehnung
Zwei Begriffe sind dabei besonders hilfreich:
Akzeptanz
Der Markt verbringt Zeit und handelt viel in einem Preisbereich.
Ablehnung
Der Markt bewegt sich schnell von einem Preisbereich weg.
Volume Profile kann diese Unterschiede sichtbar machen.
Das bedeutet aber nicht, dass ein Markt einen Preis für immer akzeptiert oder ablehnt.
Die Struktur kann sich mit der Zeit verändern.
Warum Volume Profile allein nicht reicht
Ein Volume Chart zeigt dir, wo gehandelt wurde.
Er sagt dir aber nicht automatisch:
- warum dort gehandelt wurde,
- wer gekauft hat,
- wer verkauft hat,
- was als Nächstes passiert.
Deshalb sollte Volume Profile mit der Preisbewegung kombiniert werden.
Ein HVN kann beispielsweise Unterstützung werden.
Er kann aber genauso durchbrochen werden.
Entscheidend ist die Reaktion des Marktes.
Volume Profile mit Candlesticks kombinieren
Eine interessante Kombination besteht aus:
Volume Profile + Candlestick Pattern
Beispielsweise:
Der Kurs erreicht einen HVN.
Dort entsteht ein Bullish Engulfing.
Zusätzlich liegt der Bereich an einer übergeordneten Unterstützung.
Jetzt stimmen mehrere Faktoren überein.
Der Volume Profile liefert die Zone.
Das Candlestick Pattern liefert ein mögliches Timing-Signal.
Volume Profile mit Chartformationen kombinieren
Auch klassische Chartformationen können mit Volume Profile kombiniert werden.
Beispielsweise:
Doppelboden + HVN
oder:
Bull Flag + Breakout über VAH
oder:
Bear Flag + Breakdown unter VAL
Der Vorteil liegt darin, dass die Formation nicht isoliert betrachtet wird.
Häufige Fehler bei Volume Charts
Den längsten Balken als sicheren Support betrachten
Ein HVN garantiert keine Reaktion.
POC als automatisches Entry-Signal verwenden
Der POC ist zunächst nur ein Preisniveau mit besonders hohem Volumen.
Den Zeitraum ignorieren
Ein Intraday-Profil und ein Jahresprofil können völlig unterschiedliche Informationen liefern.
Forex-Volumen wie Börsenvolumen behandeln
Bei Forex ist die Datenbasis nicht zentralisiert.
Jeden LVN als Breakout-Ziel verwenden
Low Volume bedeutet nicht automatisch, dass der Markt dort schnell durchläuft.
Zu viele Profile gleichzeitig verwenden
Wenn überall Linien und Volumenbereiche eingezeichnet sind, wird der Chart schnell unübersichtlich.
Welcher Zeitraum ist für Volume Profile sinnvoll?
Das hängt von der Strategie ab.
Scalping
Kurze Profile, beispielsweise einzelne Sessions oder ausgewählte Intraday-Bewegungen.
Daytrading
Tagesprofile, Wochenprofile oder definierte Ranges.
Swing Trading
Größere Bewegungen und längere Zeiträume.
Langfristige Analyse
Mehrwöchige oder mehrmonatige Profile können größere Akzeptanzbereiche zeigen.
Entscheidend ist, dass der gewählte Zeitraum zur Handelsidee passt.
Volume Charts für Anfänger
Wer Volume Profile neu verwendet, sollte nicht versuchen, jeden Begriff gleichzeitig zu verstehen.
Für den Einstieg reichen zunächst:
POC
Value Area
HVN
LVN
Danach sollte beobachtet werden, wie sich der Preis an diesen Bereichen tatsächlich verhält.
Das Ziel ist nicht, möglichst viele Linien in den Chart zu zeichnen.
Das Ziel ist, relevante Preisbereiche schneller zu erkennen.
Eine einfache Volume-Profile-Strategie
Eine einfache Vorgehensweise kann so aussehen:
1. Übergeordneten Trend bestimmen
Ist der Markt bullish, bearish oder seitwärts?
2. Volume Profile einzeichnen
Relevanten Zeitraum auswählen.
3. POC und Value Area markieren
Die wichtigsten Bereiche identifizieren.
4. HVNs und LVNs beobachten
Wo liegt viel beziehungsweise wenig Volumen?
5. Preisreaktion abwarten
Nicht blind am Level einsteigen.
6. Price Action nutzen
Breakout, Retest oder Candlestick-Signal abwarten.
7. Risiko definieren
Stop Loss und Positionsgröße vor dem Trade bestimmen.
So wird Volume Profile zu einem Werkzeug innerhalb eines Tradingplans.
Fazit: Volume Charts (PBV) richtig lesen
Volume Charts, Price by Volume (PBV) und Volume Profile zeigen, wie sich das gehandelte Volumen über verschiedene Preisniveaus verteilt.
Der große Unterschied zum klassischen Volumen liegt darin, dass nicht nur die Frage „Wann wurde viel gehandelt?“, sondern vor allem „Wo wurde viel gehandelt?“ beantwortet wird.
Besonders wichtige Begriffe sind:
- POC: Preisniveau mit dem höchsten Volumen
- HVN: Bereich mit hohem Volumen
- LVN: Bereich mit niedrigem Volumen
- Value Area: Bereich mit besonders hoher Handelsaktivität
- VAH: obere Grenze der Value Area
- VAL: untere Grenze der Value Area
Für Trader können diese Bereiche helfen, Unterstützungen, Widerstände, Akzeptanzzonen und mögliche Breakout-Bereiche besser einzuordnen.
Dabei sollte Volume Profile jedoch niemals als eigenständige Vorhersagemethode verstanden werden.
Ein hoher Volumenbereich bedeutet nicht automatisch Unterstützung.
Ein niedriger Volumenbereich bedeutet nicht automatisch einen schnellen Breakout.
Die eigentliche Stärke entsteht durch die Kombination mit Marktstruktur, Price Action, Unterstützungen und Widerständen sowie einem klaren Risikomanagement.
Der wichtigste Gedanke lässt sich deshalb auf einen Satz reduzieren:
Das Volume Profile zeigt dir, wo der Markt gehandelt hat – die Preisbewegung zeigt dir, was der Markt dort tatsächlich macht.