Ein Trailing Stop Loss ist ein dynamischer Stop Loss, der sich automatisch mit dem Kurs bewegt, wenn sich ein Trade in die gewünschte Richtung entwickelt.
Der große Unterschied zu einem normalen Stop Loss:
Ein klassischer Stop bleibt an einem festgelegten Preis. Ein Trailing Stop kann sich automatisch nachziehen.
Bei einem Long-Trade bewegt sich der Stop beispielsweise nach oben, wenn der Kurs steigt.
Fällt der Markt anschließend zurück, bleibt der erreichte Stop dagegen auf seinem letzten Niveau stehen.
Dadurch soll ein Trailing Stop zwei Dinge miteinander verbinden:
Verluste begrenzen und gleichzeitig Gewinne laufen lassen.
Ein einfaches Beispiel:
Du kaufst einen Markt bei 100 Punkten.
Der anfängliche Stop liegt bei:
95 Punkte
Der Kurs steigt anschließend auf:
110 Punkte
Bei einem Trailing-Abstand von 5 Punkten könnte der Stop nun auf:
105 Punkte
nachgezogen werden.
Steigt der Kurs weiter auf:
120 Punkte
wandert der Stop entsprechend auf:
115 Punkte
Fällt der Kurs anschließend auf 115 Punkte, wird die Position geschlossen.
Der Markt muss also nicht erst wieder bis zum ursprünglichen Einstieg zurückfallen.

Wie funktioniert ein Trailing Stop Loss?
Das Prinzip ist relativ einfach.
Du definierst einen Abstand zwischen dem aktuellen Kurs und deinem Stop.
Bei einem Long-Trade:
Kurs steigt → Stop steigt mit
Kurs fällt → Stop bleibt stehen
Bei einem Short-Trade:
Kurs fällt → Stop fällt mit
Kurs steigt → Stop bleibt stehen
Der Stop bewegt sich also grundsätzlich nur in Richtung eines bereits erzielten Gewinns.
Beispiel Long-Trade
Entry:
100 €
Trailing-Abstand:
5 €
| Kurs | Trailing Stop |
|---|---|
| 100 € | 95 € |
| 105 € | 100 € |
| 110 € | 105 € |
| 115 € | 110 € |
| 120 € | 115 € |
Steigt der Kurs auf 120 €, liegt der Stop bei 115 €.
Fällt der Kurs anschließend auf 115 €, wird der Trade beendet.
Trailing Stop Loss vs. normaler Stop Loss
Ein normaler Stop Loss wird beim Einstieg festgelegt und bleibt dort, solange du ihn nicht manuell veränderst.
Beispiel:
Entry: 100
Stop Loss: 95
Der Kurs steigt auf 120.
Wenn du nichts machst, bleibt der Stop trotzdem bei 95.
Ein Trailing Stop würde dagegen beispielsweise automatisch mitsteigen.
Normaler Stop Loss
100 → 110 → 120
Stop bleibt:
95
Trailing Stop
100 → 110 → 120
Stop könnte sich entwickeln:
95 → 105 → 115
Der Trailing Stop passt sich also an die Kursentwicklung an.
Trailing Stop Loss Beispiel im Trading
Nehmen wir einen Long-Trade im Nasdaq.
Entry:
20.000
Initialer Stop:
19.900
Der Markt steigt auf:
20.200
Der Trailing Stop wird beispielsweise auf:
20.100
nachgezogen.
Der Nasdaq steigt weiter auf:
20.400
Der Stop folgt:
20.300
Anschließend fällt der Markt auf:
20.300
Der Trade wird geschlossen.
Das Ergebnis:
+300 Punkte
Der Trader musste den Markt nicht manuell am Hoch verkaufen.
Was ist der Vorteil eines Trailing Stops?
Der größte Vorteil liegt im automatischen Gewinnschutz.
Ein Trader muss nicht permanent entscheiden:
„Soll ich den Stop jetzt nachziehen?“
Der Stop kann diese Aufgabe automatisch übernehmen.
Das kann besonders interessant sein, wenn ein Markt stark trendet und du die Position möglichst lange halten möchtest.
Ein Trailing Stop kann dabei helfen, Gewinne nicht vollständig wieder abzugeben.
Trailing Stop für Trend Trading
Trailing Stops passen besonders gut zu Trendfolge-Strategien.
Warum?
Weil du bei einem starken Trend nicht unbedingt vorher wissen musst, wo der Trend endet.
Statt:
„Ich nehme bei 120 Gewinn mit.“
kann die Logik lauten:
„Ich bleibe im Trade, solange der Markt meinen Trailing Stop nicht erreicht.“
Das ermöglicht theoretisch, von besonders starken Bewegungen stärker zu profitieren.
Trailing Stop bei Daytrading
Auch beim Daytrading kann ein Trailing Stop eingesetzt werden.
Beispielsweise:
Der Nasdaq bricht aus einer Opening Range aus.
Du gehst Long.
Der Markt steigt dynamisch.
Statt ein festes Take Profit zu setzen, lässt du den Trade laufen und ziehst den Stop nach.
Wenn der Trend weiterläuft, bleibt die Position offen.
Wenn die Bewegung deutlich zurückkommt, wird der Trade automatisch geschlossen.
Gerade bei starken Trendtagen kann dieser Ansatz interessant sein.
Trailing Stop beim Scalping
Beim Scalping ist ein Trailing Stop schwieriger einzusetzen.
Der Grund:
Sehr kleine Bewegungen können den Stop schnell auslösen.
Beispiel:
Trailing-Abstand:
5 Punkte
Der Markt steigt kurz:
100 → 108
und fällt anschließend:
108 → 103
Der Trade wird beendet.
Danach steigt der Markt:
103 → 120
Der Trailing Stop war also möglicherweise zu eng.
Beim Scalping muss der Abstand deshalb zur tatsächlichen Volatilität passen.
Trailing Stop beim Forex Trading
Beim Forex Trading können Trailing Stops beispielsweise auf:
- EUR/USD
- GBP/USD
- USD/JPY
- AUD/USD
eingesetzt werden.
Ein Problem ist allerdings, dass Forex je nach Session unterschiedlich stark schwankt.
Ein Abstand, der während der asiatischen Session funktioniert, kann während der London- oder New-York-Session zu eng sein.
Deshalb sollte der Trailing Stop nicht unabhängig von der Marktphase betrachtet werden.
Trailing Stop beim Gold Trading
Gold kann innerhalb kurzer Zeit starke Bewegungen machen.
Ein zu enger Trailing Stop kann deshalb schnell ausgelöst werden.
Beispiel:
Gold steigt stark.
Der Stop wird aggressiv nachgezogen.
Dann kommt eine normale Korrektur.
Der Trailing Stop wird ausgelöst.
Anschließend setzt Gold seinen ursprünglichen Trend fort.
Das ist ein klassisches Problem:
Der Stop schützt den Gewinn – kann aber gleichzeitig den Trade zu früh beenden.
Trailing Stop beim Nasdaq Trading
Auch der Nasdaq kann starke Intraday-Schwankungen produzieren.
Besonders bei:
- US-Eröffnung
- Wirtschaftsdaten
- Fed-Terminen
- starken Breakouts
kann ein fixer enger Trailing-Abstand problematisch sein.
Ein Trailing Stop sollte deshalb nicht nur daran orientiert werden, wie viel Gewinn du bereits hast.
Die aktuelle Volatilität spielt eine entscheidende Rolle.
Trailing Stop nach Prozent
Eine einfache Variante ist ein prozentualer Abstand.
Beispiel:
Der Trailing Stop beträgt:
5 %
Entry:
100
Kurs steigt auf:
120
Der Stop liegt 5 % darunter:
114
Steigt der Kurs auf 130, steigt der Stop auf:
123,50
Das Verfahren ist leicht verständlich.
Für unterschiedliche Märkte kann ein fixer Prozentsatz allerdings wenig sinnvoll sein.
Trailing Stop nach Punkten
Eine weitere Möglichkeit ist ein fester Abstand.
Beispiel Nasdaq:
Trailing Stop = 50 Punkte
Kurs:
20.000
Stop:
19.950
Steigt der Nasdaq auf:
20.200
Stop:
20.150
Der Vorteil:
Sehr einfach und eindeutig.
Der Nachteil:
50 Punkte können bei niedriger Volatilität viel und bei hoher Volatilität wenig sein.
Trailing Stop nach ATR
Eine flexiblere Methode basiert auf der Average True Range (ATR).
Die ATR misst die durchschnittliche Schwankungsbreite eines Marktes.
Beispielsweise:
ATR:
100 Punkte
Trailing Stop:
1,5 × ATR
Der Abstand beträgt:
150 Punkte
Wenn die Volatilität steigt, wird der Abstand automatisch größer.
Wenn die Volatilität sinkt, wird er kleiner.
Damit kann der Trailing Stop stärker an die tatsächliche Marktbewegung angepasst werden.
Trailing Stop mit ATR Beispiel
Angenommen:
ATR = 80 Punkte
Trailing Faktor:
2
Dann beträgt der Abstand:
160 Punkte
Steigt der Markt:
20.000 → 20.300
kann der Stop entsprechend nachgezogen werden.
Steigt die ATR später auf:
100 Punkte
würde sich bei einer dynamischen Berechnung auch der mögliche Stop-Abstand verändern.
Wie genau das funktioniert, hängt von der verwendeten Plattform und der Strategie ab.
Trailing Stop nach Marktstruktur
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, den Stop nicht nach einem festen Abstand zu verschieben.
Stattdessen wird die Marktstruktur verwendet.
Bei einem Long-Trade könnte der Stop beispielsweise unter das letzte Higher Low gesetzt werden.
Beispiel:
100 → 110 → 105 → 120 → 114 → 130
Die relevanten Higher Lows liegen bei:
105
und später:
114
Der Stop kann jeweils unter dem letzten bestätigten Swing Low nachgezogen werden.
Das hat einen großen Vorteil:
Der Stop orientiert sich an der tatsächlichen Struktur des Marktes.
Trailing Stop mit gleitendem Durchschnitt
Eine weitere Möglichkeit ist ein Moving Average.
Beispielsweise:
EMA 20
Solange der Kurs oberhalb des EMA bleibt, bleibt die Position offen.
Bricht der Markt darunter, kann der Trade geschlossen werden.
Das ist technisch gesehen nicht immer ein klassischer Trailing Stop, erfüllt aber eine ähnliche Funktion:
Der Exit folgt der laufenden Marktbewegung.
Chandelier Exit
Der Chandelier Exit ist ein bekannter trendfolgender Stop-Ansatz.
Dabei wird der Stop unter anderem anhand des höchsten erreichten Kurses und der ATR berechnet.
Vereinfacht bei einem Long-Trade:
Highest High – ATR × Multiplikator
Dadurch passt sich der Stop an die Volatilität an und kann Trends länger begleiten.
Trailing Stop und Take Profit
Muss man einen Trailing Stop überhaupt mit einem Take Profit kombinieren?
Nicht zwingend.
Es gibt beispielsweise drei Ansätze.
Variante 1: Festes Take Profit
Entry → Stop → festes Ziel.
Variante 2: Nur Trailing Stop
Entry → Stop → Position läuft, bis der Trailing Stop ausgelöst wird.
Variante 3: Teilgewinn + Trailing Stop
Ein Teil der Position wird an einem festen Ziel geschlossen.
Der Rest läuft mit einem Trailing Stop weiter.
Gerade die dritte Variante kann interessant sein, wenn du einen Teil des Gewinns sichern und gleichzeitig an größeren Bewegungen partizipieren möchtest.
Trailing Stop mit Teilgewinn
Beispiel:
Long bei:
100
Position:
2 Kontrakte
Bei:
110
wird 1 Kontrakt geschlossen.
Der zweite Kontrakt bleibt offen.
Für diesen Teil wird ein Trailing Stop verwendet.
Der Markt steigt anschließend auf:
130
und fällt danach.
Der zweite Kontrakt wird durch den Trailing Stop geschlossen.
Damit wurde:
Teilgewinn + Trendfortsetzung
kombiniert.
Trailing Stop und Break Even
Auch Break-Even-Stop und Trailing Stop werden häufig miteinander kombiniert.
Beispiel:
Entry:
100
Initialer Stop:
95
Der Markt steigt auf:
110
Jetzt wird der Stop auf:
100
gezogen.
Der Trade kann damit nicht mehr mit einem Verlust enden.
Anschließend beginnt das eigentliche Trailing.
Steigt der Markt auf:
120
wird der Stop beispielsweise auf:
110
nachgezogen.
Wichtig:
Break Even ist nicht automatisch risikofrei.
Slippage, Gebühren und schnelle Marktbewegungen können dazu führen, dass die tatsächliche Ausführung vom gewünschten Stop-Level abweicht.
Trailing Stop richtig einstellen
Es gibt keinen universell besten Abstand.
Ein guter Trailing Stop hängt unter anderem ab von:
- Markt
- Timeframe
- Volatilität
- Strategie
- Entry
- durchschnittlicher Bewegung
- Zielsetzung
Ein Trendfolger benötigt häufig mehr Luft als ein kurzfristiger Scalper.
Ein sehr enger Stop kann zwar Gewinne schnell sichern, aber ebenso schnell profitable Trades beenden.
Ein weiter Stop lässt den Trade länger laufen, gibt aber entsprechend mehr Gewinn wieder ab.
Zu enger Trailing Stop
Das ist einer der häufigsten Fehler.
Beispiel:
Der Markt steigt:
100 → 105
Trailing Stop:
103
Dann fällt der Markt kurz auf:
103
Der Trade wird geschlossen.
Danach steigt der Markt:
103 → 120
Der Trader wurde also durch eine normale Korrektur aus der Position gedrückt.
Die Strategie hätte möglicherweise funktioniert.
Der Trailing Stop war einfach zu eng.
Zu weiter Trailing Stop
Das Gegenteil ist ebenfalls problematisch.
Entry:
100
Kurs steigt:
100 → 130
Trailing Stop liegt immer noch bei:
105
Dann fällt der Markt auf:
105
Der Trade wird mit +5 beendet.
Der Trader gibt einen Großteil des zuvor erzielten Buchgewinns wieder ab.
Auch hier kann die Einstellung nicht pauschal als richtig oder falsch bezeichnet werden.
Sie muss zur Strategie passen.
Trailing Stop nach Zeit
Nicht jeder Exit muss vom Preis abhängig sein.
Eine alternative Idee ist ein zeitbasierter Exit.
Beispiel:
Wenn ein Trade nach 60 Minuten nicht mindestens X Punkte im Gewinn liegt, wird er geschlossen.
Das ist kein klassischer Trailing Stop.
Kann aber mit einem Trailing-Ansatz kombiniert werden.
Trailing Stop bei News Trading
Bei Nachrichten kann ein Trailing Stop problematisch werden.
Warum?
Weil die Volatilität extrem schnell steigen kann.
Der Markt kann innerhalb weniger Sekunden:
100 → 110 → 95 → 120
laufen.
Ein automatischer Stop kann dabei zu einem deutlich anderen Preis ausgeführt werden als erwartet.
Bei sehr volatilen Ereignissen sollten Trader deshalb besonders auf:
- Liquidität
- Slippage
- Spread
- Ausführungsgeschwindigkeit
achten.
Trailing Stop und Slippage
Ein Stop Loss garantiert nicht immer einen exakt bestimmten Ausführungspreis.
Wenn der Markt beispielsweise bei:
100
steht und dein Stop bei:
95
liegt, kann eine schnelle Bewegung dazu führen, dass die Position beispielsweise bei:
93
geschlossen wird.
Das ist Slippage.
Bei einem Trailing Stop gilt das genauso.
Deshalb sollte ein Trader nicht davon ausgehen:
„Mein Stop liegt bei 115, also werde ich garantiert bei 115 ausgestoppt.“
Der Stop definiert vielmehr eine Auslösebedingung.
Die tatsächliche Ausführung kann abweichen.
Trailing Stop bei CFDs
Bei CFDs kann ein Trailing Stop ebenfalls verwendet werden, sofern der jeweilige Broker diese Funktion anbietet.
Dabei solltest du unter anderem auf:
- Spread
- Kommission
- Finanzierungskosten
- Ausführung
- Mindestabstand
- Handelszeiten
achten.
Gerade bei CFDs können Finanzierungskosten bei länger gehaltenen Positionen die tatsächliche Rendite beeinflussen.
Trailing Stop bei Futures
Bei Futures kann das Konzept ebenfalls eingesetzt werden.
Besonders bei trendstarken Bewegungen kann ein dynamischer Stop helfen, eine Position länger laufen zu lassen.
Allerdings sind Futures aufgrund ihrer Kontraktstruktur und Tick-Werte anders zu behandeln als beispielsweise CFDs.
Der Stop-Abstand sollte daher immer in Relation zum jeweiligen Kontrakt und Risiko pro Trade betrachtet werden.
Trailing Stop bei Forex
Im Forex Trading kann ein Trailing Stop beispielsweise in Pips definiert werden.
Beispiel:
Entry EUR/USD:
1,1000
Trailing-Abstand:
30 Pips
Steigt EUR/USD auf:
1,1050
kann der Stop auf:
1,1020
nachgezogen werden.
Steigt EUR/USD weiter auf:
1,1100
wandert der Stop entsprechend weiter.
Trailing Stop Strategie für Trendfolger
Eine einfache trendfolgende Variante:
1. Trend identifizieren
2. Einstieg nach Pullback oder Breakout
3. Initialen Stop unter/über Marktstruktur setzen
4. Position laufen lassen
5. Stop nach Higher Lows bzw. Lower Highs nachziehen
6. Position erst beim Strukturbruch schließen
Diese Methode ist weniger mechanisch als ein fixer 20-Punkte-Trailing-Stop.
Dafür passt sie sich stärker an den Markt an.
Trailing Stop Strategie für Breakouts
Eine mögliche Breakout-Strategie:
Der Markt befindet sich in einer Range.
Es kommt zum Ausbruch.
Der Trader steigt ein.
Statt ein fixes Ziel zu verwenden, wird ein Trailing Stop genutzt.
Wenn der Breakout in einen starken Trend übergeht, kann die Position weiterlaufen.
Wenn der Breakout scheitert, wird die Position durch den Stop geschlossen.
Damit kann der Ansatz besonders interessant für Märkte sein, die gelegentlich starke Trendbewegungen entwickeln.
Trailing Stop Strategie mit Higher Lows
Bei einem Long-Trade:
Higher High → Higher Low → Higher High → Higher Low
Der Stop wird jeweils unter das letzte bestätigte Higher Low gesetzt.
Beispiel:
Entry:
100
Higher Low:
105
→ Stop unter 105
Neues Higher Low:
112
→ Stop unter 112
Neues Higher Low:
118
→ Stop unter 118
Der Stop folgt damit der Marktstruktur.
Trailing Stop Strategie mit Lower Highs
Beim Short-Trade funktioniert es spiegelverkehrt.
Beispiel:
Entry:
200
Lower High:
195
→ Stop über 195
Neues Lower High:
188
→ Stop über 188
Neues Lower High:
180
→ Stop über 180
Solange die Struktur bearish bleibt, kann die Position gehalten werden.
Die größten Vorteile eines Trailing Stops
Gewinne laufen lassen
Du musst nicht exakt das Hoch oder Tief treffen.
Automatisierung
Der Stop kann automatisch angepasst werden.
Emotionen reduzieren
Du musst nicht ständig überlegen, wann du den Gewinn sichern solltest.
Trendbewegungen nutzen
Starke Trends können länger gehalten werden.
Risiko kontrollieren
Ein anfänglicher Stop Loss schützt vor einer unbegrenzten Verlustbewegung.
Die größten Nachteile
Zu frühes Ausstoppen
Bei zu engem Abstand.
Gewinn wird wieder abgegeben
Bei zu weitem Abstand.
Keine Garantie für den besten Exit
Der Stop wird häufig erst nach einer Gegenbewegung ausgelöst.
Slippage
Bei schnellen Bewegungen kann die Ausführung abweichen.
Nicht für jede Strategie geeignet
Range-Trading und sehr kurzfristige Strategien können andere Exit-Logiken benötigen.
Trailing Stop Backtesting
Wie weit ein Trailing Stop gesetzt werden sollte, lässt sich nicht durch eine allgemeine Empfehlung beantworten.
Der richtige Weg ist:
testen.
Beispielsweise kannst du dieselbe Strategie mit unterschiedlichen Abständen vergleichen:
- 10 Punkte
- 20 Punkte
- 30 Punkte
- 50 Punkte
- 1 ATR
- 1,5 ATR
- 2 ATR
- Marktstruktur
Anschließend vergleichst du:
- Trefferquote
- durchschnittlichen Gewinn
- durchschnittlichen Verlust
- Profit Factor
- Drawdown
- durchschnittliche Trade-Dauer
- maximalen Gewinn pro Trade
Dabei kann sich herausstellen, dass ein enger Trailing Stop zwar eine höhere Trefferquote liefert, aber deutlich weniger Gesamtprofit erzeugt.
Trailing Stop Trading Journal
Wenn du Trailing Stops verwendest, solltest du zusätzlich dokumentieren:
Wo lag der anfängliche Stop?
Wann wurde der Stop erstmals nachgezogen?
Welche Methode wurde verwendet?
Wie viel Gewinn wurde maximal erreicht?
Wie viel Gewinn wurde tatsächlich realisiert?
Wo hätte ein anderer Trailing-Ansatz geschlossen?
Diese Daten können sehr wertvoll sein.
Vielleicht erreichst du beispielsweise regelmäßig:
+5R Maximum Profit
realisiert aber nur:
+1,5R
Dann stellt sich die Frage, ob dein Trailing Stop zu aggressiv ist.
Häufige Fehler beim Trailing Stop
Den Stop zu schnell nachziehen
Nicht jede kleine Bewegung sollte sofort abgesichert werden.
Einen festen Abstand für jeden Markt verwenden
Nasdaq, Gold und EUR/USD bewegen sich unterschiedlich.
ATR oder Volatilität ignorieren
Der Markt verändert seine Schwankungsbreite.
Marktstruktur ignorieren
Ein Stop unter einem Higher Low kann sinnvoller sein als ein willkürlicher Punktabstand.
Trailing Stop als Ersatz für einen Plan verwenden
Der Stop sollte Bestandteil der Strategie sein – nicht die Strategie selbst.
Nur die Gewinner betrachten
Ein Trailing Stop muss über viele Trades bewertet werden.
Trailing Stop Checkliste
Vor dem Einsatz solltest du klären:
- Welche Strategie handelst du?
- Wie volatil ist der Markt?
- Welchen initialen Stop verwendest du?
- Ab wann beginnt das Trailing?
- Wie weit liegt der Stop entfernt?
- Wird der Stop nach Punkten, Prozent, ATR oder Marktstruktur gesetzt?
- Wann darf der Stop verändert werden?
- Gibt es ein Take Profit?
- Wie hoch ist das maximale Risiko?
- Wurde die Methode backgetestet?
Fazit: Trailing Stop Loss richtig einsetzen
Ein Trailing Stop Loss kann ein wertvolles Werkzeug sein, um Gewinne in laufenden Trades abzusichern und gleichzeitig größere Marktbewegungen mitzunehmen.
Das Prinzip ist einfach:
Long → Stop steigt mit dem Kurs.
Short → Stop fällt mit dem Kurs.
Sobald sich der Markt in die Gegenrichtung bewegt, bleibt der erreichte Stop bestehen und kann die Position schließen.
Die entscheidende Frage ist allerdings nicht:
„Welcher Trailing Stop ist der beste?“
Sondern:
„Welcher Trailing-Ansatz passt zu meiner Strategie und wurde mit meinen Märkten getestet?“
Ein fixer Punktabstand kann funktionieren. Ein prozentualer Abstand kann sinnvoll sein. ATR-basierte Stops können die Volatilität berücksichtigen. Und ein Stop auf Basis der Marktstruktur kann sich an tatsächlichen Swing Points orientieren.
Für viele Trendfolger ist besonders interessant, Gewinne nicht bereits bei einem vorher festgelegten Ziel zu begrenzen, sondern die Position laufen zu lassen, solange die Marktstruktur intakt bleibt.
Denn genau das ist die eigentliche Stärke eines Trailing Stops:
Du musst nicht wissen, wo der Trend endet. Du brauchst nur eine Regel, die dir sagt, wann du aussteigst.