Steigende Kurse, neue Höchststände und eine zunehmend optimistische Stimmung an den Finanzmärkten: Genau dieses Umfeld wird als Hausse bezeichnet.
Der Begriff stammt aus der Börsensprache und beschreibt eine länger anhaltende Phase steigender Kurse. Im modernen Sprachgebrauch wird Hausse häufig synonym zu Bullenmarkt verwendet. Ein Bullenmarkt wird dabei allgemein als Phase betrachtet, in der ein breiter Marktindex mindestens 20 % von einem vorherigen Tief steigt. Häufig wird zusätzlich ein Zeitraum von mindestens zwei Monaten genannt. Diese 20-Prozent-Regel ist allerdings eine Faustregel und keine universelle Definition für jeden Markt.
Für Trader ist die Hausse vor allem deshalb interessant, weil steigende Märkte nicht automatisch bedeuten, dass jeder Long-Trade funktioniert. Auch in einer starken Aufwärtsphase gibt es Rücksetzer, Fehlausbrüche und Phasen erhöhter Unsicherheit.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:
„Steigt der Markt?“
Sondern:
„Wie stabil ist die Aufwärtsbewegung und wie kann ich sie sinnvoll handeln?“

Was bedeutet Hausse an der Börse?
Eine Hausse bezeichnet eine längerfristige Aufwärtsbewegung an den Finanzmärkten.
Der Begriff wird insbesondere für Aktienmärkte verwendet, kann aber auch bei anderen Märkten eingesetzt werden.
Beispielsweise kann von einer Hausse gesprochen werden bei:
- Aktienindizes
- einzelnen Aktien
- Rohstoffen
- Edelmetallen
- Kryptowährungen
- Anleihen
- bestimmten Branchen
Im Forex Trading ist die Verwendung etwas spezieller, da eine Währung immer relativ zu einer anderen betrachtet wird. Hier wird deshalb häufiger von einem bullishen Trend in einem bestimmten Währungspaar gesprochen.
Eine Hausse ist also keine einzelne grüne Kerze und auch keine kurze Rally.
Sie beschreibt eine übergeordnete Marktphase.
Hausse einfach erklärt
Stell dir einen Aktienindex vor, der bei 10.000 Punkten startet.
Anschließend entwickelt er sich beispielsweise so:
10.000 → 10.500 → 10.250 → 11.000 → 10.700 → 11.500
Der Markt steigt nicht kontinuierlich.
Zwischen den Aufwärtsbewegungen gibt es Rücksetzer.
Trotzdem entstehen immer höhere Hochs und höhere Tiefs.
Genau diese Struktur ist typisch für einen Aufwärtstrend und kann Bestandteil einer Hausse sein.
Die Korrektur von 11.000 auf 10.700 bedeutet dabei nicht automatisch, dass die Hausse beendet ist.
Sie kann lediglich eine normale Zwischenkorrektur darstellen.
Woher kommt der Begriff Hausse?
Der Begriff Hausse stammt aus dem Französischen und bedeutet sinngemäß Anstieg oder Aufschwung.
In der Börsensprache wird damit eine Phase steigender Kurse bezeichnet.
Das Gegenstück ist die Baisse.
Damit ergibt sich die klassische Unterscheidung:
Hausse = steigende Kurse
Baisse = fallende Kurse
Im englischen Sprachraum werden dafür meistens die Begriffe Bull Market und Bear Market verwendet.
Daher findest du auch die Bezeichnungen:
Hausse = Bullenmarkt
Baisse = Bärenmarkt
Hausse und Bullenmarkt – gibt es einen Unterschied?
Im Börsenalltag werden die Begriffe weitgehend gleich verwendet.
Eine Hausse beschreibt eine länger anhaltende Phase steigender Kurse.
Ein Bullenmarkt beschreibt ebenfalls ein Umfeld, in dem die Kurse steigen und die Marktstimmung optimistisch ist. Investor.gov verwendet als allgemeine Orientierung einen Anstieg eines breiten Marktindex um mindestens 20 % über einen Zeitraum von mindestens zwei Monaten.
Der Begriff Hausse wird im Deutschen allerdings häufig etwas allgemeiner verwendet.
Ein Trader kann beispielsweise von einer Hausse bei Gold oder einem bestimmten Aktiensektor sprechen, ohne dass zwingend die klassische 20-Prozent-Definition eines breiten Aktienindex gemeint ist.
Die wichtigsten Merkmale einer Hausse
Eine Hausse lässt sich nicht anhand eines einzigen Indikators feststellen.
Typische Merkmale sind vielmehr:
- steigende Kurse
- höhere Hochs
- höhere Tiefs
- zunehmende Nachfrage
- optimistische Anleger
- positive Erwartungen
- häufig steigende Unternehmensgewinne
- starke Performance bestimmter Wachstumsbranchen
- hohe Bereitschaft, Risiken einzugehen
Für Trader ist insbesondere die Marktstruktur interessant.
Ein Markt, der regelmäßig neue Hochs erreicht und seine Korrekturen oberhalb vorheriger Tiefs beendet, zeigt eine typische bullishe Struktur.
Higher Highs und Higher Lows
Die Begriffe Higher High (HH) und Higher Low (HL) sind besonders hilfreich, um eine Hausse im Chart zu verstehen.
Ein Higher High entsteht, wenn ein neues Hoch oberhalb des vorherigen Hochs liegt.
Ein Higher Low entsteht, wenn eine Korrektur oberhalb des vorherigen Tiefs endet.
Beispiel:
100 → 110 → 105 → 120 → 113 → 130
Hier entstehen:
- Hoch bei 110
- Tief bei 105
- Hoch bei 120
- Tief bei 113
- Hoch bei 130
Sowohl die Hochs als auch die Tiefs steigen.
Das ist eine klassische bullishe Marktstruktur.
Hausse bedeutet nicht: Der Markt steigt jeden Tag
Das ist einer der wichtigsten Punkte.
Eine Hausse verläuft nicht geradlinig.
Selbst sehr starke Aufwärtsmärkte können zwischendurch deutlich korrigieren.
Beispielsweise kann ein Index:
+15 % steigen
danach:
−8 % korrigieren
und anschließend:
+20 % weiter steigen.
Die Korrektur bedeutet nicht automatisch das Ende der Hausse.
Entscheidend ist, ob die übergeordnete Struktur intakt bleibt.
Genau deshalb kann es für Trader gefährlich sein, jede rote Kerze als Beginn eines Bärenmarktes zu interpretieren.
Wie entsteht eine Hausse?
Eine Hausse kann verschiedene Ursachen haben.
In vielen Fällen wirken mehrere Faktoren gleichzeitig.
Dazu gehören beispielsweise:
- steigende Unternehmensgewinne
- bessere Konjunkturerwartungen
- sinkende Zinsen
- expansive Geldpolitik
- steigende Investitionen
- technologische Innovationen
- hohe Liquidität
- positive Wirtschaftsdaten
- zunehmendes Anlegervertrauen
Allerdings muss ein Bullenmarkt nicht ausschließlich durch aktuell gute Wirtschaftsdaten entstehen.
Die Finanzmärkte handeln häufig zukünftige Erwartungen.
Wenn Anleger beispielsweise erwarten, dass die Wirtschaft in den kommenden Monaten stärker wächst, können die Kurse bereits steigen, bevor sich diese Verbesserung in den aktuellen Wirtschaftsdaten zeigt.
Die Rolle der Zinsen
Zinsen spielen insbesondere bei Aktienmärkten eine wichtige Rolle.
Sinkende Zinsen können dazu führen, dass Kapitalanlagen mit höherem Risiko attraktiver erscheinen.
Gleichzeitig können niedrigere Diskontierungszinsen die Bewertung zukünftiger Unternehmensgewinne beeinflussen.
Steigende Zinsen können dagegen Druck auf Bewertungen ausüben.
Das bedeutet allerdings nicht:
Sinkende Zinsen = automatisch Hausse
oder:
Steigende Zinsen = automatisch Baisse.
Die Märkte reagieren auf Erwartungen, Überraschungen und den gesamten wirtschaftlichen Kontext.
Anlegerpsychologie während einer Hausse
Eine Hausse ist nicht nur eine Bewegung auf dem Chart.
Auch die Psychologie der Marktteilnehmer verändert sich.
Am Anfang einer Aufwärtsbewegung herrscht häufig noch Skepsis.
Die ersten Käufer sind möglicherweise davon überzeugt, dass sich die Situation verbessert, während viele andere Anleger noch abwarten.
Steigen die Kurse weiter, wächst das Vertrauen.
Immer mehr Marktteilnehmer steigen ein.
Später kann daraus Optimismus und schließlich Euphorie entstehen.
Genau diese Entwicklung kann eine Hausse zusätzlich verstärken.
Hausse und FOMO
Ein bekanntes psychologisches Phänomen ist FOMO – Fear of Missing Out.
Ein Anleger sieht beispielsweise, dass der Nasdaq bereits 20 % gestiegen ist.
Er denkt:
„Wenn ich jetzt nicht einsteige, verpasse ich die Bewegung.“
Er kauft.
Weitere Anleger denken dasselbe.
Die zusätzliche Nachfrage kann die Kurse weiter treiben.
Das Problem:
Je stärker die Hausse bereits gelaufen ist, desto größer kann die Gefahr werden, dass neue Marktteilnehmer zu spät einsteigen.
Eine starke Performance in der Vergangenheit garantiert keine Fortsetzung der Bewegung.
Hausse und Euphorie
In einer späten Phase kann eine Hausse von Euphorie geprägt sein.
Dann werden Kurssteigerungen teilweise selbst zum Argument für weitere Käufe.
Es entsteht eine gefährliche Denkweise:
„Der Markt steigt, weil alle kaufen – also muss ich auch kaufen.“
Wenn fundamentale Bewertungen und Risiken dabei völlig ausgeblendet werden, kann eine Spekulationsblase entstehen.
Eine Hausse muss nicht in einer Blase enden.
Aber besonders starke und langanhaltende Aufwärtsbewegungen können zu übertriebenen Erwartungen führen.
Welche Risiken hat eine Hausse?
Eine Hausse wirkt auf den ersten Blick wie ein ideales Marktumfeld.
Doch auch steigende Märkte haben erhebliche Risiken.
Dazu gehören:
- zu späte Einstiege
- FOMO
- überhöhte Bewertungen
- Bullenfallen
- scharfe Korrekturen
- hohe Volatilität
- übermäßiger Hebel
- fehlendes Risikomanagement
- falsche Sicherheit nach erfolgreichen Trades
Der größte psychologische Fehler besteht häufig darin, einen steigenden Markt mit einem risikolosen Markt zu verwechseln.
Das ist er nicht.
Korrekturen in einer Hausse
Korrekturen gehören zu einem gesunden Markt.
Wenn der Kurs beispielsweise nach einer starken Bewegung 5 oder 10 % zurückkommt, bedeutet das nicht automatisch, dass die Hausse vorbei ist.
Trader sollten deshalb zwischen einer normalen Korrektur und einer strukturellen Trendwende unterscheiden.
Eine mögliche Veränderung könnte so aussehen:
Higher High → Higher Low → Higher High
und später:
Bruch des Higher Low → Lower High → Lower Low
Erst wenn sich die Marktstruktur tatsächlich verändert, wird eine mögliche Trendwende technisch interessanter.
Hausse oder Bullenfalle?
Nicht jede starke Aufwärtsbewegung ist der Beginn einer nachhaltigen Hausse.
Eine Bullenfalle entsteht beispielsweise, wenn ein Markt über einen wichtigen Widerstand ausbricht, diesen Ausbruch aber nicht halten kann und anschließend deutlich zurückfällt.
Trader, die den Ausbruch gekauft haben, sitzen dann auf Verlustpositionen.
Besonders problematisch sind solche Situationen nach längeren Aufwärtsbewegungen.
Ein Ausbruch allein reicht deshalb nicht zwangsläufig als Bestätigung.
Wie erkennt man eine Bullenfalle?
Mögliche Hinweise können sein:
Fehlausbruch
Der Kurs steigt über einen wichtigen Widerstand und fällt anschließend wieder darunter.
Schwaches Momentum
Der Kurs erreicht neue Hochs, die Dynamik nimmt aber ab.
Negative Divergenz
Der Preis steigt, während ein Momentum-Indikator keine entsprechenden neuen Hochs mehr bildet.
Schnelle Rückkehr in die Range
Der Kurs bricht aus, fällt aber kurze Zeit später wieder in die vorherige Handelsspanne.
Keines dieser Merkmale beweist alleine eine Bullenfalle.
Sie können aber helfen, die Situation genauer zu analysieren.
Wie kann man eine Hausse traden?
Ein steigender Markt eröffnet verschiedene Trading-Möglichkeiten.
Besonders verbreitet sind:
- Trendfolge
- Pullback Trading
- Breakout Trading
- Momentum Trading
- Swing Trading
Dabei muss nicht jede Strategie gleichzeitig eingesetzt werden.
Der Trader sollte zunächst wissen, welche Art von Bewegung er tatsächlich handeln möchte.
Trendfolge in der Hausse
Die einfachste Idee lautet:
Der Trend ist bullish – also suche ich Long-Setups.
Das bedeutet nicht, blind zu kaufen.
Ein Trendfolger wartet beispielsweise auf:
- einen Rücksetzer
- eine neue bullishe Struktur
- einen Ausbruch
- ein Candlestick-Signal
- eine Reaktion an einer Unterstützung
Der Vorteil:
Der Trader versucht nicht, das absolute Tief zu erraten.
Er wartet, bis der Markt bereits gezeigt hat, dass Käufer aktiv sind.
Pullback Trading während einer Hausse
Ein Pullback ist eine kurzfristige Gegenbewegung innerhalb eines übergeordneten Trends.
Beispiel:
Aufwärtsbewegung
↓
Korrektur
↓
Unterstützung
↓
Bullishes Signal
↓
Long
Das kann beispielsweise an einem vorherigen Hoch, einem Swing Low oder einer technischen Unterstützungszone passieren.
Der große Vorteil eines Pullbacks:
Der Trader muss nicht unbedingt dem Markt hinterherlaufen.
Er wartet auf einen besseren Einstieg innerhalb der bestehenden Struktur.
Breakout Trading in der Hausse
Eine Hausse kann auch durch Breakouts gekennzeichnet sein.
Der Markt bewegt sich beispielsweise mehrere Tage in einer engen Range.
Dann steigt der Kurs über das Range-Hoch.
Trader können versuchen, diese neue Bewegung zu handeln.
Wichtig ist jedoch die Bestätigung.
Ein Breakout mit anschließendem schnellen Rückfall kann eine Bullenfalle darstellen.
Deshalb sollten Breakout-Trader unter anderem auf:
- Marktstruktur
- Volumen
- Momentum
- Retests
- Schlusskurs außerhalb der Range
achten.
Momentum Trading in einer Hausse
In starken Aufwärtsphasen kann Momentum Trading interessant sein.
Hier versucht der Trader, besonders starke Bewegungen zu nutzen.
Beispielsweise:
Der Markt steigt über ein wichtiges Hoch.
Das Volumen nimmt zu.
Die Bewegung beschleunigt sich.
Der Trader steigt in Richtung des Momentum ein.
Der Nachteil:
Momentum kann sehr schnell auslaufen.
Wer zu spät einsteigt, kann direkt in eine Korrektur geraten.
Swing Trading während einer Hausse
Swing Trader können eine Hausse nutzen, um mehrere Tage oder Wochen dauernde Bewegungen zu handeln.
Ein typisches Beispiel:
Der übergeordnete Markttrend ist bullish.
Eine Aktie korrigiert.
Die Korrektur erreicht eine wichtige Unterstützung.
Dort entsteht ein bullishes Candlestick Pattern.
Der Trader eröffnet eine Long-Position.
Der Stop Loss liegt unterhalb der relevanten Marktstruktur.
Das Ziel befindet sich beispielsweise am vorherigen Hoch.
Damit wird die übergeordnete Hausse als Rahmen für ein konkretes Setup genutzt.
Kann man in einer Hausse Short gehen?
Ja.
Ein Bullenmarkt bedeutet nicht, dass Kurse ausschließlich steigen.
Auch während einer Hausse gibt es:
- Korrekturen
- Gewinnmitnahmen
- News-getriebene Rückgänge
- Fehlausbrüche
- kurzfristige Abwärtstrends
Ein erfahrener Daytrader kann solche Bewegungen handeln.
Allerdings sollte der übergeordnete Trend berücksichtigt werden.
Ein Short gegen eine starke Hausse hat eine andere Ausgangslage als ein Long in Richtung des Trends.
Für viele Trader gilt deshalb:
Long-Setups haben im bullishen Umfeld zunächst Priorität.
Hausse beim DAX
Der DAX eignet sich gut, um eine Hausse anhand der Marktstruktur zu erklären.
Angenommen, der Index bildet:
17.000 → 17.500 → 17.250 → 18.000 → 17.700 → 18.500
Die Hochs steigen.
Die Tiefs steigen.
Der Markt zeigt eine bullishe Struktur.
Ein Trader könnte in diesem Umfeld beispielsweise nach Pullbacks suchen, anstatt jeden Anstieg direkt zu kaufen.
Hausse beim Nasdaq
Der Nasdaq ist häufig von starken Trends und hohen Wachstums- beziehungsweise Technologieerwartungen geprägt.
In einer Hausse können starke Momentum-Bewegungen auftreten.
Gleichzeitig können Korrekturen sehr schnell ausfallen.
Gerade beim gehebelten Trading von Index-CFDs sollte deshalb das Risiko pro Trade klar definiert sein.
Ein steigender Markt reduziert nicht automatisch das Risiko eines einzelnen Trades.
Hausse bei Gold
Auch Gold kann sich in einer längerfristigen bullishen Phase befinden.
Dabei können beispielsweise:
- Zinsentwicklung
- US-Dollar
- Inflationserwartungen
- geopolitische Risiken
- Zentralbanknachfrage
eine Rolle spielen.
Für Trader bleibt jedoch die technische Struktur wichtig.
Auch in einer Gold-Hausse können starke Rücksetzer auftreten.
Hausse im Forex Trading
Bei Forex muss die Hausse immer relativ betrachtet werden.
Wenn beispielsweise EUR/USD steigt, bedeutet das gleichzeitig:
Euro gewinnt gegenüber dem US-Dollar an Wert.
Ein „bullisher Euro“ ist deshalb immer relativ zu einer anderen Währung zu verstehen.
Für Trader ist die Marktstruktur des jeweiligen Währungspaares entscheidend.
Hausse vs. Baisse
Die Gegenüberstellung lässt sich einfach zusammenfassen:
| Hausse | Baisse |
|---|---|
| steigende Kurse | fallende Kurse |
| bullishe Marktstruktur | bearishe Marktstruktur |
| Higher Highs | Lower Lows |
| Higher Lows | Lower Highs |
| Optimismus | Pessimismus |
| Kaufinteresse | Verkaufsdruck |
| Long-Setups häufig bevorzugt | Short-Setups häufig bevorzugt |
Allerdings sind diese Begriffe keine konkreten Trading-Signale.
Ein Trader sollte immer zusätzlich den jeweiligen Timeframe und die Marktstruktur betrachten.
Hausse und langfristiges Investieren
Für langfristige Anleger kann eine Hausse attraktiv sein, weil steigende Kurse die Portfoliowerte erhöhen können.
Das Problem entsteht häufig dann, wenn Anleger aufgrund bereits erzielter Kursgewinne zu viel Risiko eingehen.
Beispielsweise kann jemand während einer langen Hausse:
- Positionen vergrößern
- auf Kredit investieren
- stärker konzentrierte Positionen eingehen
- Risikogrenzen ignorieren
Wenn anschließend eine starke Korrektur kommt, können die Verluste entsprechend größer ausfallen.
Eine Hausse sollte deshalb nicht mit der Abwesenheit von Risiko verwechselt werden.
Hausse und Hebel
Für Trader mit CFDs, Futures oder anderen gehebelten Produkten ist besondere Vorsicht notwendig.
Der Hebel kann Gewinne vergrößern.
Er kann Verluste aber ebenfalls beschleunigen.
Ein Trader kann deshalb auch in einem starken Bullenmarkt einen erheblichen Verlust erleiden.
Entscheidend sind:
Positionsgröße + Stop Loss + Risiko pro Trade
und nicht die Tatsache, dass der übergeordnete Markt gerade steigt.
Wie endet eine Hausse?
Eine Hausse kann auf verschiedene Weise enden.
Mögliche Faktoren sind:
- wirtschaftliche Abschwächung
- Rezession
- steigende Zinsen
- sinkende Gewinnerwartungen
- Überbewertungen
- Liquiditätsentzug
- geopolitische Schocks
- Finanzkrisen
- Veränderung der Anlegerstimmung
Dabei lässt sich das Ende einer Hausse häufig nicht auf einen einzigen Auslöser zurückführen.
Viel interessanter ist die Veränderung der Marktstruktur.
Von der Hausse zur Baisse
Ein möglicher Übergang kann vereinfacht so aussehen:
Higher Highs
↓
Higher Lows
↓
Momentum nimmt ab
↓
Ausbruch über Hoch scheitert
↓
Higher Low wird gebrochen
↓
Lower High
↓
Lower Low
Damit verändert sich die Marktstruktur.
Das bedeutet nicht, dass jeder Bruch eines Tiefs sofort einen neuen Bärenmarkt bedeutet.
Aber für Trader kann eine solche Veränderung ein wichtiges Warnsignal sein.
Historische Hausse-Phasen
Die Börsengeschichte kennt zahlreiche große Hausse-Phasen.
Zu den häufig genannten Beispielen gehören:
- der Aufschwung der 1920er-Jahre
- der Nachkriegsboom
- die starke Aufwärtsphase der 1990er-Jahre
- der langfristige Aufwärtstrend ab 2009
Insbesondere die Hausse ab 2009 gilt als bemerkenswert langanhaltende Aufwärtsphase an den US-Aktienmärkten.
Dabei zeigen historische Beispiele auch, dass selbst sehr lange Hausse-Phasen immer wieder von teilweise heftigen Korrekturen unterbrochen werden.
Hausse und Börsenrally
Eine Rally ist zunächst eine deutliche Aufwärtsbewegung.
Sie muss aber nicht automatisch eine Hausse sein.
Ein Markt kann beispielsweise nach einem starken Crash 15 % steigen und anschließend erneut einbrechen.
Das wäre eine Rally, aber möglicherweise noch kein nachhaltiger Bullenmarkt.
Diese Unterscheidung ist für Trader wichtig.
Rally = Bewegung
Hausse = übergeordnete Marktphase
Hausse richtig analysieren
Wer eine Hausse analysieren möchte, sollte nicht nur auf die Kursentwicklung schauen.
Ein sinnvoller Analyseprozess kann beispielsweise aus mehreren Ebenen bestehen.
1. Übergeordneten Trend bestimmen
Ist der Markt langfristig bullish?
2. Marktstruktur analysieren
Entstehen Higher Highs und Higher Lows?
3. Korrekturen beobachten
Werden Rücksetzer gekauft?
4. Relevante Preisbereiche markieren
Wo liegen Unterstützungen und Widerstände?
5. Momentum beobachten
Wie dynamisch sind die Aufwärtsbewegungen?
6. Risiko definieren
Wo wäre die Trading-Idee ungültig?
Erst danach sollte ein konkreter Entry gesucht werden.
Die größten Fehler während einer Hausse
Zu spät einsteigen
Nur weil ein Markt stark gestiegen ist, muss man nicht sofort kaufen.
FOMO
Die Angst, eine Bewegung zu verpassen, führt häufig zu schlechten Entries.
Zu großer Hebel
Ein bullisher Markt schützt nicht vor Verlusten.
Korrekturen falsch interpretieren
Nicht jeder Rücksetzer bedeutet das Ende der Hausse.
Jede Breakout-Bewegung kaufen
Auch in bullishen Märkten gibt es Fehlausbrüche.
Stop Loss ignorieren
Ein klarer Exit gehört zu jeder professionellen Trading-Strategie.
Hausse und Risikomanagement
Gerade in starken Aufwärtsphasen wird Risikomanagement häufig unterschätzt.
Nach mehreren erfolgreichen Long-Trades entsteht schnell Vertrauen.
Der Trader erhöht seine Positionsgröße.
Vielleicht wird der Stop weiter entfernt.
Oder es werden gleichzeitig mehrere Positionen eröffnet.
Das Problem zeigt sich erst, wenn eine unerwartet starke Korrektur kommt.
Deshalb sollte das Risiko nicht davon abhängen, wie gut sich der Markt zuletzt entwickelt hat.
Ein klarer Prozentsatz oder ein fester maximaler Geldbetrag pro Trade kann helfen, das Risiko kontrollierbar zu halten.
Fazit: Was ist eine Hausse?
Eine Hausse ist eine länger anhaltende Phase steigender Kurse und wird im Deutschen häufig gleichbedeutend mit Bullenmarkt verwendet.
Typisch sind eine bullishe Marktstruktur mit Higher Highs und Higher Lows, zunehmender Nachfrage und einer grundsätzlich positiven Marktstimmung. Als verbreitete Faustregel gilt bei breiten Aktienindizes ein Kursanstieg von mindestens 20 % über mindestens zwei Monate.
Für Trader bietet eine Hausse interessante Möglichkeiten.
Trendfolge, Pullbacks, Breakouts und Momentum-Strategien können in einem bullishen Marktumfeld eingesetzt werden.
Doch eine Hausse bedeutet keineswegs, dass Long-Trades automatisch funktionieren.
Auch starke Bullenmärkte enthalten Korrekturen, Fehlausbrüche und Bullenfallen. Besonders gefährlich sind FOMO, übergroße Positionen und übermäßiger Hebel.
Die wichtigste Frage lautet deshalb nicht:
„Wie stark steigt der Markt?“
Sondern:
„Ist die bullishe Marktstruktur noch intakt und wo befindet sich mein konkretes Setup innerhalb dieser Struktur?“
Wer diese Unterscheidung versteht, kann eine Hausse wesentlich besser für das eigene Trading einordnen – ohne steigende Kurse mit einem risikolosen Markt zu verwechseln.