Wer tradet, kennt diese Situation wahrscheinlich:
Du setzt eine Order bei einem bestimmten Kurs.
Die Order wird ausgeführt.
Doch beim Blick auf den Trade stellst du fest:
Der tatsächliche Einstieg liegt nicht dort, wo du ihn erwartet hast.
Vielleicht wolltest du EUR/USD bei 1,1650 kaufen, tatsächlich wurdest du bei 1,1652 ausgeführt.
Oder dein Stop Loss sollte bei 1,1600 greifen, die Position wurde aber erst bei 1,1596 geschlossen.
Diese Differenz nennt man Slippage.
Slippage gehört zum normalen Börsen- und Tradinggeschäft. Sie kann positiv oder negativ ausfallen und tritt besonders bei hoher Volatilität, schnellen Kursbewegungen und wichtigen Nachrichten auf.
Für Scalper und Daytrader kann Slippage allerdings ein entscheidender Kostenfaktor werden.

Was ist Slippage beim Trading?
Slippage bezeichnet die Differenz zwischen dem erwarteten und dem tatsächlich ausgeführten Preis einer Order.
Du möchtest beispielsweise EUR/USD bei:
1,1650
kaufen.
Die Order wird tatsächlich bei:
1,1652
ausgeführt.
Die Slippage beträgt:
2 Pips
In diesem Fall handelt es sich um negative Slippage, weil du einen schlechteren Preis bekommen hast.
Bei einem Verkauf funktioniert das Prinzip entsprechend umgekehrt.
Wichtig ist:
Slippage ist nicht dasselbe wie der Spread.
Der Spread ist die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs.
Slippage entsteht dagegen durch die Differenz zwischen dem Preis, zu dem du deine Order erwartest, und dem Preis, zu dem sie tatsächlich ausgeführt wird.
Ein einfaches Beispiel für Slippage
Nehmen wir einen EUR/USD Trade.
Du möchtest bei:
1,1700
eine Market Order zum Kauf ausführen.
In dem Moment, in dem du auf „Buy“ klickst, bewegt sich der Markt sehr schnell nach oben.
Der Broker kann deine Order nicht mehr bei 1,1700 ausführen.
Du erhältst stattdessen:
1,1703
Damit hast du:
3 Pips negative Slippage
bekommen.
Das ist kein Fehler des Brokers.
Der Markt hat sich zwischen deiner Orderanfrage und der tatsächlichen Ausführung bewegt.
Warum entsteht Slippage?
Der wichtigste Grund ist:
Der Markt bewegt sich schneller, als deine Order ausgeführt werden kann.
Zwischen dem Klick auf den Kaufen-Button und der tatsächlichen Ausführung vergeht zwar nur ein sehr kurzer Zeitraum.
Aber gerade bei schnell laufenden Märkten kann sich der Preis in dieser Zeit trotzdem verändern.
Weitere Ursachen sind:
- hohe Volatilität
- geringe Liquidität
- wichtige Wirtschaftsnachrichten
- Markteröffnungen
- große Orders
- schnelle Breakouts
- Gaps
- technische Verzögerungen
- dünne Liquidität außerhalb wichtiger Handelszeiten
Slippage ist deshalb nicht grundsätzlich ein Zeichen für einen schlechten Broker.
Entscheidend ist vielmehr:
Wie häufig tritt sie auf, wie groß ist sie und unter welchen Marktbedingungen entsteht sie?
Positive und negative Slippage
Slippage muss nicht immer schlecht sein.
Es gibt:
Negative Slippage
und
Positive Slippage
Negative Slippage
Du erwartest:
Buy bei 100
Du bekommst:
100,20
Du kaufst also teurer als erwartet.
Positive Slippage
Du erwartest:
Buy bei 100
Du bekommst:
99,90
Du kaufst günstiger als erwartet.
Positive Slippage verbessert deine Ausführung.
Das wird häufig vergessen, wenn Trader ausschließlich auf negative Abweichungen achten.
Slippage beim Verkauf
Bei Verkaufsorders funktioniert das Prinzip entsprechend.
Du möchtest beispielsweise eine Short-Position bei:
100
eröffnen.
Der Markt bewegt sich plötzlich nach unten.
Die Order wird bei:
99,80
ausgeführt.
Das ist für einen Short-Einstieg sogar besser als erwartet.
Die Slippage beträgt:
+0,20
Auch bei Stop-Loss-Orders kann positive oder negative Slippage auftreten.
Slippage und Stop Loss
Hier wird Slippage besonders wichtig.
Angenommen, du bist bei EUR/USD Long.
Einstieg:
1,1700
Stop Loss:
1,1650
Dein theoretisches Risiko beträgt:
50 Pips
Nun kommt eine überraschende Nachricht.
EUR/USD fällt sehr schnell.
Der Markt springt von:
1,1660 → 1,1645
Dein Stop Loss bei 1,1650 liegt dazwischen.
Es gibt in diesem Moment keinen verfügbaren Preis bei exakt 1,1650.
Deine Position kann deshalb beispielsweise bei:
1,1645
geschlossen werden.
Das bedeutet:
55 statt 50 Pips Verlust.
Die zusätzlichen 5 Pips sind in diesem Beispiel auf die schlechte Ausführung aufgrund der schnellen Bewegung zurückzuführen.
Slippage bei News Trading
Besonders häufig tritt Slippage bei News Trading auf.
Wenn wichtige Wirtschaftsdaten veröffentlicht werden, können sich Märkte innerhalb von Sekundenbruchteilen extrem stark bewegen.
Typische Beispiele:
- Non-Farm Payrolls
- US-Inflationsdaten
- FOMC-Zinsentscheidungen
- EZB-Zinsentscheidungen
- Arbeitsmarktdaten
- überraschende Wirtschaftsdaten
Stell dir vor, du möchtest EUR/USD unmittelbar nach Veröffentlichung eines wichtigen US-Arbeitsmarktberichts handeln.
Vor der Veröffentlichung steht der Markt bei:
1,1700
Nach der Nachricht bewegt sich EUR/USD innerhalb kürzester Zeit auf:
1,1720
Wenn du eine Market Order abgibst, kann die Ausführung deutlich von dem Preis abweichen, den du beim Klick gesehen hast.
Je schneller der Markt läuft, desto größer kann die Slippage werden.
Slippage beim Scalping
Für Scalper ist Slippage besonders relevant.
Warum?
Weil Scalper häufig nur kleine Kursbewegungen handeln.
Wenn das geplante Gewinnziel beispielsweise:
5 Pips
beträgt, können bereits:
1–2 Pips Slippage
einen großen Teil des erwarteten Trades ausmachen.
Ein Swing Trader mit einem Ziel von 200 Pips wird dagegen durch 1 Pip Slippage möglicherweise kaum beeinflusst.
Deshalb ist Slippage immer im Verhältnis zur Tradingstrategie zu betrachten.
Beispiel: Slippage beim Scalping
Ein Scalper plant:
Entry: 1,1700
Stop Loss: 1,1695
Take Profit: 1,1710
Geplantes Risiko:
5 Pips
Geplanter Gewinn:
10 Pips
Jetzt wird der Stop Loss aufgrund einer schnellen Bewegung bei:
1,1693
ausgeführt.
Der tatsächliche Verlust beträgt:
7 Pips
Die Slippage von 2 Pips erhöht das ursprüngliche Risiko um:
40 %
Das zeigt, warum Slippage für sehr kurzfristige Strategien besonders relevant ist.
Slippage bei Forex
Forex ist ein sehr liquider Markt.
Bei großen Währungspaaren wie:
- EUR/USD
- GBP/USD
- USD/JPY
- USD/CHF
kann Slippage unter normalen Marktbedingungen relativ gering sein.
Aber auch hier kann sie bei außergewöhnlichen Marktbedingungen stark zunehmen.
Besonders relevant sind:
- News
- Markteröffnung
- Zinsentscheidungen
- extreme Volatilität
- ungewöhnlich große Orders
- geringe Liquidität
Ein Forex-Broker mit niedriger durchschnittlicher Slippage kann deshalb für Scalper interessant sein.
Slippage bei CFDs
Auch beim CFD-Trading kann Slippage auftreten.
Zum Beispiel bei:
- DAX
- Nasdaq
- Dow Jones
- S&P 500
- Gold
- Öl
- Aktien-CFDs
Besonders bei CFDs sollte man außerdem berücksichtigen, dass der Broker die Preise beziehungsweise die Ausführung entsprechend seiner jeweiligen Handelsbedingungen stellt.
Deshalb sollte nicht nur der beworbene Spread betrachtet werden.
Ausführung gehört ebenfalls zum Brokervergleich.
Slippage bei Market Orders
Bei einer Market Order akzeptierst du grundsätzlich den Preis, der zum Zeitpunkt der Ausführung verfügbar ist.
Du sagst vereinfacht:
„Führe die Order jetzt zum bestmöglichen verfügbaren Preis aus.“
Das bedeutet:
Der Preis kann vom Preis abweichen, den du beim Absenden der Order gesehen hast.
Market Orders sind deshalb besonders anfällig für Slippage.
Das ist gleichzeitig ihre Stärke:
Du priorisierst die Ausführung gegenüber einem exakt definierten Preis.
Slippage bei Limit Orders
Eine Limit Order funktioniert anders.
Du definierst einen maximalen beziehungsweise minimalen Preis, zu dem du handeln möchtest.
Beispielsweise:
Buy Limit bei 1,1650
Du möchtest nur bei 1,1650 oder günstiger kaufen.
Wenn der Markt direkt von 1,1660 auf 1,1640 springt, wird deine Order möglicherweise nicht so ausgeführt, wie du es erwartest – abhängig von der konkreten Orderausführung und Liquidität.
Der entscheidende Punkt:
Eine Limit Order kontrolliert den Preis, garantiert aber nicht die Ausführung.
Das ist der klassische Trade-off:
Market Order → Ausführung wichtiger als Preis
Limit Order → Preis wichtiger als Ausführung
Slippage bei Stop Orders
Stop Orders sind ebenfalls relevant.
Ein Buy Stop wird beispielsweise oberhalb des aktuellen Marktes platziert.
Sobald der Stop-Preis erreicht wird, wird die Order je nach Ordertyp in eine Market Order umgewandelt.
Bewegt sich der Markt sehr schnell, kann die tatsächliche Ausführung deshalb schlechter sein als der Stop-Preis.
Genau deshalb kann ein Breakout-Trader beispielsweise einen Einstieg bei:
100
planen und tatsächlich bei:
100,30
ausgeführt werden.
Die Differenz:
0,30
ist Slippage.
Slippage und Gaps
Ein besonders extremes Beispiel sind Gaps.
Der Markt schließt beispielsweise bei:
100
und eröffnet am nächsten Handelstag bei:
95
Du besitzt eine Long-Position mit Stop Loss bei:
98
Dein Stop Loss kann nicht bei 98 ausgeführt werden, wenn der Markt dort gar nicht handelt.
Die Position wird stattdessen möglicherweise ungefähr bei 95 ausgeführt.
Das ist keine normale kleine Slippage von einigen Ticks.
Das ist eine durch das Gap verursachte massive Abweichung.
Deshalb ist das Halten von Positionen über Nacht oder über das Wochenende mit einem zusätzlichen Ausführungsrisiko verbunden.
Kann man Slippage vermeiden?
Nein, nicht vollständig.
Slippage gehört zum Handel an Märkten mit variablen Preisen.
Du kannst aber versuchen, sie zu reduzieren.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Du kannst nicht kontrollieren, was der Markt macht.
Aber du kannst beeinflussen:
- welchen Broker du verwendest
- welche Märkte du handelst
- wann du handelst
- welche Ordertypen du verwendest
- wie groß deine Position ist
- ob du während News handelst
Wie kann man Slippage reduzieren?
1. Einen guten Broker wählen
Der Broker spielt eine wichtige Rolle.
Achte nicht nur auf:
„ab 0,0 Pips Spread“
sondern auch auf die tatsächliche Ausführung.
Interessant sind beispielsweise:
- durchschnittliche Ausführungsgeschwindigkeit
- durchschnittliche Slippage
- Requotes
- Liquiditätsanbieter
- Orderausführungsmodell
- Stabilität der Handelsplattform
Ein niedriger Spread bringt wenig, wenn du regelmäßig deutlich schlechter ausgeführt wirst.
2. News-Zeiten meiden
Wenn du Slippage vermeiden möchtest, solltest du besonders schnelle Nachrichtenphasen meiden.
Kurz vor und nach wichtigen Wirtschaftsdaten kann die Liquidität sinken und die Volatilität explodieren.
Für viele Trader ist deshalb eine einfache Regel sinnvoll:
Keine neuen Trades unmittelbar vor High-Impact-News.
Das gilt insbesondere für Scalper.
3. Sehr illiquide Märkte vermeiden
Je weniger Liquidität vorhanden ist, desto größer kann die Differenz zwischen den verfügbaren Preisen werden.
Deshalb ist Slippage bei stark gehandelten Märkten unter normalen Bedingungen häufig geringer als bei exotischen oder wenig liquiden Instrumenten.
Bei Forex betrifft das insbesondere die großen Majors.
4. Nicht zu große Positionen handeln
Auch die Ordergröße kann eine Rolle spielen.
Wenn du eine sehr große Position aufgibst, reicht die Liquidität auf dem besten verfügbaren Preis möglicherweise nicht aus.
Die Order wird dann auf mehrere Preisniveaus verteilt.
Das kann zu einer schlechteren durchschnittlichen Ausführung führen.
Für kleinere Retail-Trader ist das bei normalen Forex-Positionen häufig weniger problematisch.
Bei größeren Positionen wird es dagegen relevanter.
5. Nicht während extremer Volatilität handeln
Slippage entsteht besonders häufig dort, wo sich Preise schnell bewegen.
Wenn der Markt innerhalb weniger Sekunden extrem stark steigt oder fällt, wird eine exakte Ausführung schwieriger.
Das betrifft beispielsweise:
- News
- Flash Moves
- starke Breakouts
- Markteröffnungen
- unerwartete Ereignisse
Wer solche Bewegungen bewusst handelt, sollte Slippage in seiner Strategie einkalkulieren.
6. Limit Orders verwenden
Limit Orders können helfen, den maximal akzeptierten Preis festzulegen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass sie automatisch besser sind.
Denn:
Keine Slippage bedeutet nicht automatisch eine bessere Ausführung.
Eine Limit Order kann schlicht nicht ausgeführt werden.
Das ist der Preis dafür, dass du mehr Kontrolle über den Ausführungspreis hast.
Slippage beim Brokervergleich
Wenn du einen Trading Broker vergleichst, solltest du Slippage nicht ignorieren.
Ein sinnvoller Brokervergleich könnte beispielsweise so aussehen:
| Kriterium | Broker A | Broker B |
|---|---|---|
| EUR/USD Spread | 0,2 Pip | 0,8 Pip |
| Kommission | niedrig | keine |
| Ausführung | schnell | mittel |
| Slippage | gering | höher |
| Plattform | MT5 | MT4 |
| Scalping | geeignet | eingeschränkt |
| News Trading | abhängig von Bedingungen | abhängig von Bedingungen |
Das Problem:
Viele Broker werben sehr offensiv mit Spreads.
Die tatsächliche Ausführungsqualität ist dagegen schwieriger zu vergleichen.
Für einen aktiven Trader kann genau diese Kennzahl entscheidend sein.
Ist Slippage ein Zeichen für einen schlechten Broker?
Nicht automatisch.
Das ist ein wichtiger Punkt.
Ein Trader sieht eine Order, die 2 Pips schlechter ausgeführt wurde und denkt:
„Mein Broker betrügt mich.“
Das lässt sich daraus nicht ableiten.
Wenn der Markt in diesem Moment extrem schnell gelaufen ist, kann die Abweichung völlig normal sein.
Interessanter ist die Frage:
Wie sieht die Ausführung über viele Trades hinweg aus?
Wenn du über mehrere hundert Trades hinweg regelmäßig ungewöhnlich hohe negative Slippage beobachtest, solltest du genauer hinschauen.
Negative Slippage beim Broker dokumentieren
Wenn du vermutest, dass die Ausführung deines Brokers problematisch ist, solltest du nicht einzelne Trades herauspicken.
Besser:
Daten sammeln.
Dokumentiere beispielsweise:
- erwarteter Preis
- tatsächlicher Preis
- Zeitpunkt
- Instrument
- Ordertyp
- Marktphase
- News-Situation
Nach 100 oder 200 Trades kannst du deutlich besser beurteilen, ob tatsächlich ein Muster besteht.
Das ist wesentlich aussagekräftiger als:
„Letzte Woche hatte ich einen Trade mit 3 Pips Slippage.“
Slippage und Tradingstrategie
Nicht jede Strategie ist gleich empfindlich.
Scalping
Sehr hohe Bedeutung
Schon wenige Ticks können das Ergebnis verändern.
Daytrading
Hohe Bedeutung
Vor allem bei engen Stop Loss und kleinen Kurszielen.
Swing Trading
Mittlere Bedeutung
Einige Ticks Slippage fallen bei größeren Kurszielen weniger ins Gewicht.
Langfristiges Trading
Geringere Bedeutung
Bei großen Bewegungen spielt die einzelne Ausführungsabweichung meist eine kleinere Rolle.
Deshalb sollte die Frage immer lauten:
Wie groß ist die Slippage im Verhältnis zu meinem durchschnittlichen Trade?
Slippage in die Backtests einbauen
Das ist ein Punkt, den viele Trader vergessen.
Ein Backtest kann beispielsweise fantastische Ergebnisse liefern.
Aber wenn der Backtest immer exakt bei:
100,00
einsteigt und exakt bei:
95,00
aussteigt, während deine Live-Ausführung regelmäßig bei:
100,10
und:
94,80
liegt, sind die Ergebnisse nicht miteinander vergleichbar.
Deshalb sollte Slippage bei realistischen Backtests berücksichtigt werden.
Gerade bei kurzfristigen Strategien kann das einen erheblichen Unterschied machen.
Beispiel: Backtest ohne Slippage
Eine Strategie macht:
100 Trades
Durchschnittlicher Gewinn:
10 €
Durchschnittlicher Verlust:
8 €
Jetzt kommen pro Trade durchschnittlich:
1 € Slippage und Ausführungskosten
hinzu.
Bei 100 Trades entstehen:
100 €
zusätzliche Kosten.
Das kann eine Strategie, die im Backtest nur eine geringe statistische Kante besitzt, komplett verändern.
Slippage ist nicht dasselbe wie Spread
Diese Begriffe werden oft verwechselt.
Spread
Differenz zwischen:
Bid und Ask
Slippage
Differenz zwischen:
erwartetem und tatsächlich ausgeführtem Preis
Ein Trade kann deshalb gleichzeitig:
- Spreadkosten
- Kommission
- Slippage
verursachen.
Diese Kosten sollten bei einer realistischen Betrachtung gemeinsam berücksichtigt werden.
Slippage und Requotes
Auch Requotes werden manchmal mit Slippage verwechselt.
Bei einem Requote teilt dir der Broker beziehungsweise das Handelssystem mit, dass der ursprünglich angefragte Preis nicht mehr verfügbar ist und ein neuer Preis angeboten wird.
Bei Slippage wird die Order dagegen zu einem anderen verfügbaren Preis ausgeführt.
Das sind unterschiedliche Mechanismen.
Welche Orderausführung verwendet wird, hängt unter anderem vom Broker und dessen Ausführungsmodell ab.
Slippage beim Trading: Was ist normal?
Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht.
0,1 Pip Slippage kann unter normalen Bedingungen völlig unproblematisch sein.
5 Pips können bei einem schnellen News-Move ebenfalls erklärbar sein.
Entscheidend sind:
- Instrument
- Marktphase
- Liquidität
- Ordergröße
- Ordertyp
- Volatilität
Ein Vergleich von Slippage sollte deshalb immer unter ähnlichen Bedingungen erfolgen.
Kann positive Slippage die Strategie verbessern?
Ja.
Wenn du regelmäßig positive Slippage bekommst, verbessert sich dein tatsächlicher durchschnittlicher Einstieg beziehungsweise Ausstieg.
Das kann langfristig einen kleinen zusätzlichen Performancevorteil erzeugen.
Allerdings sollte eine Tradingstrategie nicht darauf ausgelegt werden, dass sie regelmäßig positive Slippage erhält.
Beim Planen solltest du konservativ rechnen.
Positive Slippage ist ein Bonus, kein Bestandteil der Strategie.
Die wichtigsten Fehler beim Umgang mit Slippage
„Mein Broker darf niemals schlechter ausführen.“
Doch. Bei Market- und bestimmten Stop-Orders kann sich der Preis bis zur Ausführung verändern.
„Limit Orders haben keine Risiken.“
Doch. Dein Preis kann geschützt sein, dafür kann die Order möglicherweise nicht ausgeführt werden.
„Slippage gibt es nur bei schlechten Brokern.“
Nein. Auch bei guten Brokern kann es bei schnellen Märkten zu Slippage kommen.
„News Trading funktioniert genauso wie normales Trading.“
Nein. News können Spreads, Liquidität und Ausführung massiv verändern.
„Mein Backtest zeigt keinen Unterschied.“
Dann wurde Slippage möglicherweise nicht realistisch berücksichtigt.
Slippage beim Trading reduzieren: Checkliste
Wenn du negative Slippage möglichst gering halten möchtest:
☑ liquiden Markt handeln
☑ große News-Bewegungen vermeiden
☑ Broker mit guter Ausführung wählen
☑ tatsächliche Ausführung analysieren
☑ Positionsgröße kontrollieren
☑ geeignete Ordertypen verwenden
☑ Slippage im Backtest berücksichtigen
☑ Overnight- und Weekend-Gaps beachten
☑ nicht nur den Spread vergleichen
☑ Tradingkosten regelmäßig überprüfen
Fazit: Slippage gehört zum Trading dazu
Slippage ist die Differenz zwischen dem erwarteten und dem tatsächlich ausgeführten Preis einer Order.
Sie kann positiv oder negativ sein.
Unter normalen Marktbedingungen ist Slippage häufig relativ gering. Bei hoher Volatilität, wichtigen Nachrichten, Markteröffnungen oder geringer Liquidität kann sie jedoch deutlich größer werden.
Besonders für Scalper und Daytrader ist das relevant, weil deren Kursziele und Stop Loss häufig relativ eng sind.
Wichtig ist deshalb, Slippage nicht isoliert zu betrachten.
Ein realistisches Bild der Tradingkosten besteht aus:
Spread + Kommission + Slippage + Finanzierungskosten
Wer seinen Broker bewertet, sollte daher nicht nur fragen:
„Wie niedrig ist der Spread?“
Sondern auch:
„Wie werde ich tatsächlich ausgeführt?“
Und genau hier liegt der entscheidende Punkt.
Slippage kannst du nicht vollständig verhindern. Du kannst aber die Bedingungen so wählen, dass du unnötige Slippage reduzierst und sie in deiner Tradingstrategie realistisch berücksichtigst.